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"Cobra Kai": Karate Kid ist erwachsen geworden

Netflix-Serie zeigt, was aus den Helden von einst geworden ist - 26.01.2021 18:13 Uhr

Mehr als 30 Jahre später stehen sich Johnny Lawrence (William Zabka, links) und Karate Kid Daniel LaRusso (Ralph Macchio) wieder gegenüber.

25.01.2021 © Netflix


Es war von Anfang an eine steile These: Der wahre Held des Kinoklassikers "Karate Kid" sei keineswegs der schüchterne Junge Daniel, der sich mit Hilfe seines Mentors Mister Miyagi zum gefeierten Karate-Champion aufschwingt, der wahre Held - so wird es von einigen Fans auf YouTube erklärt - sei dessen nur scheinbar böser Gegenspieler Johnny gewesen.

Natürlich ist das Unsinn, ist "Karate Kid" doch - wie so viele andere Filme der 80er - ein Produkt seiner Zeit. Einer Zeit, in der die Rollen von Gut und Böse noch klar verteilt waren: hier der Westen, dort der Kommunismus, hier Amerika, dort die Sowjetunion, hier die Freiheit, dort die Unterdrückung. Aber dass YouTube als Plattform für krude Theorien geduldig ist, weiß man allerspätestens seit dem Aufstieg Donald Trumps.

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Heute, Jahrzehnte später, ist die Welt vor allem eines: furchtbar kompliziert. Freilich auch auf der Leinwand: Selbst Helden wie Batman haben inzwischen eine dunkle Seite, und selbst schreckliche Gestalten wie sein Gegenspieler Joker ein letzten Endes doch bedauernswertes Schicksal.

Und so ist es nur konsequent, dass die Neuauflage von "Karate Kid" nicht nur der Form nach (eine ganze Serie) dem Zeitgeist entspricht, sondern auch, was ihre Protagonisten angeht, bei denen Gut und Böse längst nicht mehr so klar verteilt sind wie 1984.


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"Cobra Kai", zu sehen auf Netflix in der jetzt dritten Staffel, spielt mehr als 30 Jahre nach den Ereignissen von "Karate Kid". Ankerpunkt ist nicht Karate Kid Daniel LaRusso, inzwischen ein gut situierter Händler von Luxusautos, sondern dessen Widersacher Johnny Lawrence.

Der hat, nach gültigen Kapitalismus-Standards, nicht viel aus seinem Leben gemacht, ein Leben, das er zwischen Gelegenheitsjobs, Bierdosen und dem Schatten früherer Größe führt. Seine Kleidung, sein Auto stammen aus den 80ern, um politische Korrektheit schert er sich nicht, als Vater ist er ein Versager - und hat doch, kein Zweifel, das Herz am rechten Fleck.

"Lächerliche Weißtdunochs"

Die Story ist schnell skizziert: Dieser Johnny Lawrence nimmt den jungen Miguel unter seine Fittiche und eröffnet sein altes Karate-Studio, "Cobra Kai", wieder. Das wird zur Anlaufstelle für die Verlierer und Nerds der Stadt, denen Johnny mittels Kampfsport zu Selbstbewusstsein und letzten Endes dem Erleben von Selbstwirksamkeit verhilft. Nur Johnnys entfremdeter Sohn, der findet seinen Mentor ausgerechnet in Karate Kid Daniel, dem Autohändler.

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Was "Cobra Kai" in der Reihe wachsender Remakes und Fortsetzungen auszeichnet: Es sind dieselben alten Schauspieler von damals, die ihre Figuren wieder spielen. Oder besser: die ob der Abwesenheit schauspielerischen Erfolgs und einprägsamer Rollen jenseits von "Karate Kid" beim Publikum fast den Eindruck erwecken, dass sie letztlich keine Rollen, sondern sich selbst spielen.

"Cobra Kai" ist deshalb auch ein Wiedersehen mit alten Freunden - und doch mehr als der übliche Versuch, mit Nostalgie noch einmal Kasse zu machen, wie auch die Zeit schreibt: Die Serie "ist ein bewusstes Spiel mit dieser Nostalgie, deren Gefangene vor allem Daniel und Johnny selbst sind: lächerliche Weißtdunochs, die als gealterte Männer nicht anderes können als den anderen zu hassen, weil man sich mit 16 schon gehasst hat." Auch deshalb sei "Cobra Kai" eine der Serien des Jahres.

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