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Mittwoch, 23.10.2019

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Cocktail aus "La Bohème" und "Lohengrin"

Feinsinniger Interpret: Meistercellist Maximilian Hornung bei den Nürnberger Symphonikern. - 12.05.2019 18:22 Uhr

Zweitausend verkaufte Plätze: Symphoniker-Intendant Lucius A. Hemmer ist zu Recht stolz und kann einige Erklärungen für die volle Meistersingerhalle anbieten: den Saisonschluss mit Konzert Nr. 20, ein stimmiges italo-französisches Programm mit einer Spur Ferienflair, Chefdirigent Kahchun Wong am Ende des ersten Erfolgsjahrs und Cellist Maximilian Hornung als Solist auf dem Weg zu einer internationalen Karriere.

An Hornungs Anfänge – beim BR-Symphonieorchester unter den anerkennenden Blicken von Maestro Mariss Jansons, dann bei der US-Tournee mit Anne-Sophie Mutter – erinnert man sich gerne. Mit einem derzeit dicht gedrängten Terminkalender fügt sich das zu einem breit angelegten Cellisten-Erfolg. Bei den Nürnberger Symphonikern spielte er nun ein Programm, das man nicht alle Tage hört: Edouard Lalos Cellokonzert von 1876, ein Meisterstück der Gattung.

Hornung lässt sich auf die Skala von schnell wechselnden Satzbezeichnungen ein – ohne jede sentimentale Kitschanwandlung, stattdessen in nobler Melodik, elegant-kantabler Linie in einem von Kahchun Wong präzise gezimmerten Rahmen. Er überzeugt durch untadelige Technik, besonders in der Coda des 1. Satzes, zelebriert schönste französische Romantik mit biegsamem Cellovolumen, setzt traumverlorene Töne und tänzerische Lebendigkeit ohne süffig-verfettete Klanggebung um. Vielmehr zeigt er sich als sensibel-feinsinniger Interpret von Lalos üppig bestückter Klangpalette. Gerade mal 24 Stunden später führte Hornung dann bei den "Münchner Geigentagen" vor, was man noch alles auf dem Cello machen kann: So etwas wie seine launige Zugabe. Und am nächsten Samstag spielt er mit dem Schweizer CasalQuartett in Fürth.

Die Symphoniker kramten noch weiter in der Musik des späten 19. Jahrhunderts und wurden beim jungen Puccini fündig: Der hatte zuhause in Lucca zuerst für die Orgel komponiert, aber Verdis "Aida" lenkte ihn zur Oper und zum Studium in Mailand um. 1876 im "Preludio sinfonico" legte er die ersten Spuren von "La Bohème" und huldigte im "Capriccio sinfonico" seiner Wagner-Begeisterung: Wong setzt beides mit den Symphonikern mit größtmöglichem Effekt in mitreißende Rhythmik, schwelgende Melodik ohne alle Kurkonzert-Atmosphäre um, betont Puccinis dramatisches Talent und seine effektvolle Instrumentierung.

Das "Preludio" beschwört schon 20 Jahre vor "La Bohème" den Pariser Weihnachtstrubel des 2. Akts und das Liebesduett am Ende des ersten; das "Capriccio" mixt Wong als Cocktail aus "Lohengrin" als von Geigen umrauschte Jugendsünde. Auch bei der abschließenden "Italienischen" Sinfonie von Mendelssohn Bartholdy zeigt er sich als Dirigent, der einen nicht mit der Fülle seiner Gefühle behelligt, sondern präzise eine Partitur umsetzt. Seine handwerkliche Genauigkeit tut Orchester und Publikum gut.

VON UWE MITSCHING

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