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"Das Beste kommt noch": Clevere Tragikomödie

Gute Freunde, falsches Mitleid: Zwei Freunde blicken dem Tod ins Auge - 09.07.2020 18:00 Uhr

Fabrice Luchini und Patrick Bruel (Mitte) spielen die beiden dicken Freunde, die sich am Lebensende vor den Wahrheiten drücken.

© Foto: Constantin


In Wahrheit ist es Luftikus César, der nur noch ein paar Wochen zu leben hat. Während ihm sein Freund dies schonend bei-zubringen versucht, entdeckt César den Umschlag mit den Röntgenbildern und darauf Arthurs Adresse, fällt voller Mitleid aus allen Wolken, während der Professor es nicht übers Herz bringt, alles richtigzustellen. Fortan ist es Arthur, dem kurz vorm Sensenmann gehörig Aufmunterung zusteht, ein Terrain, auf dem sich César auszukennen glaubt. Der Feigling Arthur spielt den Maladen, für die Wahrheit zwischen beiden ist es längst zu spät.

Die beiden Regisseure und Scriptautoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière (bekannt auch durch ihr Theaterstück "Der Vorname") verirren sich in "Das Beste kommt noch" mit ihren sehr unterschiedlichen Helden zum Glück nur kurz in eine Art Junggesellenausflug nach Biarritz. Dann kommen die beiden Schwatzköpfe tatsächlich peu à peu dahinter, was man wirklich erledigen sollte, bevor es zappenduster wird. Dazu gehört natürlich das Sprechen über die Krankheit, das allein schon oft genügt, um das so sicher geglaubte Leben um einen herum zusammenkrachen zu lassen.

Elegant die Kurve gekriegt

Sehr geschickt macht die Regie dieses Thema zum Mittelpunkt der Geschichte: Das Aneinandervorbei-Reden, das Blabla voller Rücksichtnahme, mit dem man seine Liebsten zur Raserei treibt. Kurz: Aus dem Wohlfühlkumpel-Kino mit düsterem Hintergrund wird ein elegant eingefädeltes Aufbrechen dummer Verhaltensweisen, mit denen man sich sein Leben und das seiner Umgebung gründlich versauen kann. Obwohl bei näherer Betrachtung recht wenig dazugehört, um sowas zu reparieren. Arthurs gescheiterte Ehe und das helikopterähnliche Verhältnis zu seiner Tochter gehören dazu.

Um Césars Oberflächlichkeit unterzupflügen, braucht’s aber die Konfrontation mit seiner kaputten Lunge und eine sehr charmante Dame aus der Selbsthilfegruppe, die ihn Arthurs Feigheit vor dem Freund verzeihen hilft. Wer bis dahin geglaubt hat, das Script werde sich in ein Happy End retten, wird angenehm enttäuscht. César stirbt wie ein Mann und als der Juxbold, der zu seinem Leben und zu seinem Freund steht bis zum letzten Schnaufer. Klingt saublöd, wird aber so herzerwärmend präsentiert, dass man sich für ein Tränchen nicht zu genieren braucht (F/117 Min.).

MICHAEL WUNDERLICH

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