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Das GNM setzt auf den "Blauen Reiter" als Zugpferd

Im Zeichen des Chefwechsels: Das Ausstellungsprogramm des Germanischen Nationalmuseums für 2019 - 06.02.2019 19:00 Uhr

„Schlafender blauer Wolf auf roter Mappe“ betitelte Franz Marc diese Zeichnung in einem seiner Skizzenbücher, die im Zentrum einer Ausstellung stehen. Auch Dürers Lehrer Michael Wolgemut (u.) widmet sich eine GNM-Schau.Fotos: GNM



Wenn Generaldirektor Ulrich Großmann im Juli in den Ruhestand geht und das Museums-Zepter an den bisherigen Vizechef Daniel Hess übergibt, wird er auch eine große Baustelle verlassen. Das neue, fünfstöckige Museums-Tiefdepot, das Großmann gerne noch eingeweiht hätte, wird erst in zwei Jahren fertig. Weiter im Umbruch befindet sich außerdem die Sammlung zum Spätmittelalter. Hier hofft man auf die Wiedereröffnung 2025 – zum anvisierten Kulturhauptstadt-Jahr.

Wie sich die Besuchszahlen bis dahin entwickeln, bleibt natürlich offen. Wurden 2017 noch 405 000 Eintrittskarten verkauft, waren es mit 320 000 im letzten Jahr deutlich weniger. Es bleibt abzuwarten, ob Daniel Hess solche Schwankungen in der Bilanz künftig ähnlich abgeklärt kommentiert wie Großmann, der gestern sagte: "Besuchszahlen sind interessant, aber nicht maßgeblich. Wichtig ist, welche Auswirkung eine Ausstellung für die Forschungsarbeit hat."

Hatte Großmann während seiner Amtszeit in Nürnberg vor allem seinen Ruf als Bau- und Burgenforscher manifestiert und die Rolle des GNM als Forschungseinrichtung betont, übernimmt mit Hess ab Sommer ein Kunsthistoriker die Regie, der von der altmeisterlichen Malerei und der Glaskunst kommt. Das Programm 2019 trägt die Handschrift beider.

"Abenteuer Forschung" heißt die Sonderschau, mit der sich Großmann Ende Juni verabschiedet. Darin stellt er Blicke hinter die wissenschaftlichen Kulissen in Aussicht. Zu Forschungszwecken landen kostbare Madonnen im GNM schließlich ebenso unter dem Mikroskop, wie das Restauratoren-Team Marienfiguren vor dem Zerbröseln bewahrt und wieder fit macht – etwa für den Deichsler Altar. "Kunsttechnologie" lautet das Zauberwort. Die Frage "Fälschung oder Original?" steht zudem im Fokus.

Erwiesene Originale sind die Skizzenbücher des Expressionisten Franz Marc (1880–1916). Im Germanischen schätzt man sich glücklich, 26 seiner insgesamt 32 Bände voller sinnlicher Seiten im Depot zu haben. 434 Blätter mit Porträts, Landschaften oder Tierzeichnungen hat Yasmin Doosry, Leiterin der Graphischen Sammlung, für die Präsentation ab Mai ausgewählt. Wenig bekannte Akte kommen hinzu. Marcs Frau Marie haben diese Nacktstudien ja angeblich gar nicht in den Kram gepasst. Der eheliche Briefwechsel, der die Schau ebenfalls bereichert, könnte es in sich haben . . .

Bereits ab April will die Sonderschau "Helden, Märyrer, Heilige" anhand von 50 hauseigenen Exponaten Leitbilder des Spätmittelalters mit denen der Gegenwart konfrontieren. Der Frage nach dem Himmel im Heute und den Paradiesvorstellungen der verschiedenen Religionen einst gehört dabei zum tiefgründigen Thema.

Kloster-Geschichten gibt es unter dem Titel "Buggo, Poppo und Bligger" – so hießen drei Bischöfe. Eine Ausstellung widmet sich Varieté-Plakaten. Dürers Lehrer Michael Wolgemut ist für eine Präsentation ebenso guter Stoff wie der 150. Geburtstag des Bayerischen Gewerbemuseums. Damit kann sich der Museumstanker zwar nicht für die Ewigkeit wappnen (gemäß dem Titel einer Schau über "Totenschilde" ab März). Das Jahr 2019 ist für das GNM aber im Kasten.  

CHRISTIAN MÜCKL

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