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Das "Three Cool Cats"-Festival feiert Premiere

Mit Lust am Experiment über Tellerränder hinweg: Die Desi verwandelt sich in eine Bühne für Musik und Kunst jenseits des Mainstreams - 27.08.2018 18:12 Uhr

Bei „Three Cool Cats“ machen Musik und Kunst gemeinsame Sache: Festival-Veranstalter Matthias Lindner (2. v. re.) und Kristin-Madeléne Soglondey (Mitte) mit den Künstlern Eva Nüßlein, Jonas Rausch (li.) und Florian Achtziger im Desi-Garten. © Foto: Michael Matejka


Es hätte wahrscheinlich ziemlich schön werden können: Eine große Wiese mit drei Karpfenweihern südlich von Hilpoltstein für einen Tag in ein Kunst- und Musikfestival zu verwandeln und sich im Grünen zu verlustieren. Doch derweil Matthias Lindner, Nürnberger Web- und Grafikdesigner und DJ unbestimmten Alters, eifrig in die Planung ging, machte ihm die zuständige Behörde einen Strich durch die Rechnung. Aber wie wir wissen, öffnet sich für jede geschlossene Tür eine neue, und so tat’s kurzerhand die Desi. Denn für Matthias Lindner war klar: Ein Festival, das nicht — wie sonst üblich — bestimmte musikalische Sparten bedient, sondern unterschiedlichste Stile, Geschmäcker und Menschen zusammenbringt, "das geht auch anderswo."

Das Konzept war längst gesetzt: So experimentell, verschieden und überraschend wie die geladenen Musiker sollten auch die Künstler sein. "Nicht der übliche Live-Zeichner, sondern echte Kunst", so Lindner. "Ich finde, der Kunstbegriff wird auf Festivals oft missbraucht."

In Soziologiestudentin Kristin-Madeléne Soglondey war nicht nur eine patente Mitstreiterin, sondern mit der Desi auch eine ebensolche Location gefunden. Dass es mit dem Wunschtermin im Juli nicht klappte, sondern jetzt der 1. September gebucht ist, bescherte dem Festival gewissermaßen auch das Kunst-Paket.

Beim Sommerfest der Akademie der Bildenden Künste nämlich entdeckt Matthias Lindner die Werke der Klasse von Susanne Kühn, ist begeistert von der crossmedialen Arbeit und kann nicht nur Eva Nüßlein und Jonas Rausch, sondern neun weitere Eleven und Absolventen aus der Kühn-Schmiede für sein Projekt gewinnen.

Gemeinsam wird die Desi nun in ein großes Kunstprojekt verwandelt. "Video, Installation, Konzeptkunst – eigentlich alles bis aufs traditionelle Tafelbild", verrät Lindner, steht doch die Klasse Kühn für Freie Malerei – Betonung auf frei. "Es ist längst fällig, dass die bildende Kunst aufhört, sich einen Elfenbeinturm einzubilden, deswegen sind wir Feuer und Flamme für alles", so Eva Nüßlein. Sie weiß freilich um die Schwierigkeiten der ungewöhnlichen Umgebung "in der Desi, wo es dunkel ist und alles nicht entflammbar sein darf." Arbeiten mit dem Raum, Kunst als Deko, Deko als Kunst, Dinge, die mal drinnen, mal draußen passieren – so in etwa lautet das Prinzip der "unvorhersehbaren Pop-Up-Installationen".

Nicht weniger experimentell soll die Musik beim "Three Cool Cats"- Festival ausfallen, dessen Titel übrigens eine Hommage an verstorbene Haustiere wie auch an einen Song der Beatles (eigentlich aber der weit weniger bekannten Coasters) ist. Sechs Konzerte, die von der Kunst flankiert werden und umgekehrt, stehen auf dem Programm. Ab 17 Uhr erst im Biergarten, später im zum Kunstraum umfunktionierten Konzertsaal, geht’s in die – wörtlich zu nehmende – musikalische Ambivalenz.

Auf Gift Musarurwa, der traditionellen Blues spielt, folgt die der Klasse Kühn entstammende Band "Ambiviolenz" mit einer schrägen Musik-Performance. Der Berliner "Schwund" präsentiert Synthpunk mit deutschen Texten, die Bayreuther "Rolling Chocolate Band" bringt Sixties Garage mit nach Süden, während die "Cameron Lines" aus Dresden staubigen Bluesrock abliefern. Lindners Highlight: "T/O" alias Théo Cloux aus Straßburg, den Kristin-Madeléne Soglondey entdeckt hat und der mit Lo-Fi und Minimal Wave "ein echter Glücksgriff ist".

Eine wilde Mischung? Absolut – und genau so gedacht. "Das wird eine absolute Nischenveranstaltung", sagt Matthias Lindner, der als Matth Fame das Warm-up um 17 Uhr übernimmt und zur Aftershow ausgewähltes Vinyl zum Klingen bringt. Ein bisschen skeptisch ist der Festival-Debütant gleichwohl: "Es gibt in Nürnberg wahrscheinlich nicht genug Menschen, die das goutieren." Um so hehrer der Wunsch: "Am meisten würde ich mich über einen Einlassstop freuen", sagt er und meint in Wahrheit, dass er sich wünscht, dass Menschen sich wohlfühlen auf "mal einer ganz anderen Art von Festival." Dann gibt’s das Motto "This is not a love song. This is not pop art. This is sub-culture" 2019 gleich nochmal.

"Three Cool Cats Festival 2018", 1. September, 17–4 Uhr im Desi Stadtteilzentrum, Brückenstraße 23, Tickets 15 Euro VVK, 18 Euro AK; Weitere Infos unter: www.threecoolcats-festival.de

Katharina Wasmeier E-Mail

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