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Der doppelte Tukur im neuen Hessen-"Tatort"

"Die Ferien des Monsieur Murot": Charmantes Sommerstück mit großartigen Schauspielern - 21.11.2020 12:13 Uhr

Ulrich Tukur und Anne Ratte-Polle in einer Szene aus "Die Ferien des Monsieur Murot".

18.11.2020 © HR/Bettina Müller


Freunde des klassischen "Tatorts" dürften so langsam verzweifeln: Zum dritten Mal in Folge Geister, Tote, die sehr deutlich kommunizieren, und Figuren, die fern jeglicher realer Wahrscheinlichkeit zwischen den Welten pendeln.

Diesmal also Murot (Ulrich Tukur), Ermittler in Wiesbaden, gerade aber auf Sommerfrische im schönen Taunus. Dort trifft er seinen Doppelgänger. Laut, aufgedreht und ziemlich hemdsärmelig ist dieser Walter Boenfeld (natürlich auch: Ulrich Tukur), ein Goldkettchen tragender Autoverkäufer und damit so ziemlich das genaue Gegenteil vom intellektuellen Murot, der gerade "William Wilson", den Doppelgängerroman von Edgar Allen Poe ließt, als ihm die Bedienung eine Schweinshaxe auf den Tisch knallt, weil sie ihn mit Boenfeld verwechselt hat. Was kein Wunder ist, die beiden gleichen sich ja wie ein Ei dem anderen.

Kleidertausch im Rausch

Es kommt, wie es kommen musste: Die Herren tauschen in der folgende durchzechten Nacht die Kleidung. Boenfeld erlebt den Morgen nicht: Ein Auto mäht in auf der Landstraße um.

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Und Murot? Wird von der Polizei für tot gehalten, weil Boenfeld ja seine Kleidung und seinen Ausweis trug, und nimmt zur Ermittlungszwecken die Rolle des Toten ein — im Autohaus wie in der gelinde gesagt schwierige Ehe mit Monika Boenfeld (wunderbar uneindeutig zwischen Unschuldslamm und potenzieller Mörderin: Anne Ratte-Polle), zu der sich Murot, dieser Einzelgänger, mehr und mehr hingezogen fühlt, die aber wiederum Hauptverdächtige ist.

Hommage an Jacques Tati

Wer sich auf diese ziemlich abgefahrene Story einlässt und dem "Tatort" verzeiht, wenn er kein echter "Tatort" ist, der wird seine helle Freude haben an diesem Sommerstück mit liebenswürdigem Humor, großartigen Schauspielern und französischer Leichtigkeit. Denn natürlich sind "Die Ferien des Monsieur Murot" (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) eine Hommage an Jacques Tatis 50er-Jahre-Komödie "Die Ferien des Monsieur Hulot". Aber keine Angst: Slapstick wie dort im Badeort gibt es im Taunus nicht. Obwohl Tukur vermutlich selbst das grandios spielen würde.

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