Dienstag, 22.10.2019

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"Der höllische Heinz": Weimar-"Tatort" serviert nur labbrige Kost

Nora Tschirner und Christian Ulmen ermitteln zwischen Saloon und Rockerbude - 01.01.2019 21:45 Uhr

Kira Dorn (Nora Tschirner) ermittelt undercover in der Westernstadt. Ihr Kollege und Lebenspartner Lessing (Christian Ulmen) ist davon wenig begeistert. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer


Ein toter Indianer, den die Ermittler aus der Ilm fischen, führt Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) in die Westernstadt "El Doroda". Dort leben mehrere Aussteiger wie damals in der Pionierzeit. Die Trauer um ihren ermordeten Häuptling "Einsamer Wolf" hält sich aber in Grenzen. Die Kommissaren werden auf dessen Geschäftspartner Heinz Knapps aufmerksam. Als Lessing ihn aufsucht, liegt der blutüberströmte Schädel seines Bullen "Eddi" in dessen Bett. Die ekligste Szene im ganzen "Tatort".

Kira Dorn wirft sich kurzerhand in enge Cowboyjeans und ermittelt undercover im Westernmekka. Schnell wird klar: In dem inszenierten Örtchen brodelt es unter der Oberfläche. Und das im wortwörtlichen Sinn. Die Stadt ist deshalb auch ein "El Dorado" für Profithaie. Neben Heinz Knapps buhlt ebenso die Bauunternehmerin Ellen Kircher um die Goldgrube. Deren Sohn Nick kommt samt seiner Motorrad-Gang als Handlanger der Mutter ins Spiel. Der wilde Genre-Mix nimmt Fahrt auf.

Gewagtes Milieu-Gefälle

Das Setting wechselt von der Rockerbaracke in den "Wilden Westen" weiter zum edlen Unternehmer-Schreibtisch. Ein gewagteres Milieu-Gefälle hätten sich die Macher des Tatorts um Regisseur Dustin Loose nicht mehr ausdenken können. Die Ermittler lassen sich davon nicht beirren. Sie bleiben ihrer Coolness treu. Neben den blassen Charakteren glänzt das Duo Tschirner und Ulmen mit gewohnt lockerer Zunge und einer wohldosierten Prise Humor.

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Nora Tschirner, die als hässliches Entlein in diversen Til Schweiger Schmonzetten bekannt wurde, verblüfft als reitendes und singendes Cowgirl. Mit Sexappeal und Cleverness lässt sie die anderen Charaktere weit hinter sich. In einer Geschichte, die nur durch das Setting beeindrucken will, sind die restlichen Personen nämlich viel zu blass und gewöhnlich. Es fehlen Ecken und Kanten, Emotionen und echte Konflikte. Die Unternehmerin ist gierig, der Sohn dümmlich, der Freund ein Verräter und die Cowboymeute heimattreu. Das ist zu banal.

Keine großen Wendungen

Hinzu kommt eine einfallslose Handlung, die ohne großer Wendungen ähnlich der Ilm dahinplätschert. Der „höllische Heinz“ entwickelt sich nach einem packenden Einstieg zu einem lahmen Westernabklatsch, den Tschirner und Ulmen mit ihren Seitenhieben immer wieder aufpäppeln. Das Unterfangen "weg vom Krimi-Image" war einen Versuch wert. Letztendlich scheiterte der Streifen aber an seiner Glaubwürdigkeit und der wenig ausgereizten Kunst des Storytellings. Gute Ermittler reichen eben nicht. Das ist wie mit einem Burger im "Westernstyle": Da kann die Barbecue-Soße noch so delikat sein, wenn der Rest labbrig ist, schmeckt der Burger nicht.

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