Montag, 18.11.2019

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Der neue Spielplan fürs Theater Erlangen

Suche nach dem Stadttheater der Zukunft - 28.04.2018 06:00 Uhr

Am 10. Januar 1719 wurde das Markgrafentheater mit der Oper „Argenis und Poliarchus“ eingeweiht. Es ist das älteste bespielte Barocktheater Süddeutschlands und die zentrale Spielstätte des Theaters Erlangen. © Archivfoto: Harald Sippel


"Wo kommen wir her, wo stehen wir jetzt, und wo wollen wir hin?" Das Theater Erlangen möchte in der kommenden Spielzeit eine ganz besondere Art der Standortbestimmung betreiben. Der Anlass: Vor 300 Jahren wurde das Markgrafentheater eröffnet. An gleich zwei Wochenenden wird deshalb kräftig gefeiert. Los geht’s am 18. Januar mit einem Festakt und der Premiere von Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui". Es folgt ein Symposium zum "Stadttheater der Zukunft". Ein großes Bürgerfest rundet das "Jubiläumswochenende" ab. Zudem wird ein Buch zur Geschichte des Hauses präsentiert. Im April lädt das Theater gar zum "Bed & Breakfast" in den altehrwürdigen Barockbau. Heike Schmidt und Thilo Thomas Krigar ziehen beim Übernachtungsevent von Bett zu Bett und begleiten das Einschlafen mit Liedern, Gute-Nacht-Geschichten oder Gedichten.

Anfang Mai 2019 folgt das nächste Festwochenende — diesmal mit Premieren-Reigen. Im Markgrafentheater wird Orwells "Farm der Tiere" als "Live-Film-Inszenierung" zu sehen sein. Regisseur Klaus Gehre mischt hier die Darstellungsformen. Intendantin Katja Ott ist sich sicher: "Eine Stadt, in der das Figurentheater-Festival so einen hohen Stellenwert hat, ist prädestiniert für die Arbeitsweise dieses Theatermachers."

Im kleinen "Theater in der Garage" wird es die Gewinnerinszenierung der dritten Auflage des Regienachwuchs-Wettbewerbs geben. Gesucht werden bis September Konzepte für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren zum Thema "Macht". Außerdem wird die "Erlanger Bürgerbühne" gegründet. "Unter professionellen Bedingungen werden Bürger mit Regisseur und Theater-Pädagogen ein großes Stück zum Thema Wohnen entwickeln", erklärt Ott. Die Produktion soll danach auf einer mobilen Bühne im öffentlichen Raum aufgeführt werden.

Einen Trommelwirbel für einen der Höhepunkte der Spielzeit deutet die Intendantin gestenreich an: Am 27. September wird "Golden House" nach dem Roman von Salman Rushdie erstmals als Theaterstück zu sehen sein. Rushdies Buch seziert mit den Stilmitteln des Films die New Yorker Gesellschaft zwischen Obama und Trump. Die Uraufführung bringt Thomas Krupa, der zuletzt in Erlangen Bierbichlers "Mittelreich" inszenierte, in einer eigenen Fassung auf die Bühne.

Ebenfalls als Uraufführung zu sehen: "Reset: Earth", das "interaktive Game-Theatre" von "komplexbrigade", den Gewinnern des aktuellen Regienachwuchs-Wettbewerbs (22. September). Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür", (9. November) wird von einem Schauspieler und einem Musiker gespielt.

Als großes Weihnachtsmärchen wird diesmal "Aschenputtel" in einer "modernen Version mit märchenhaften Elementen" auf die Bühne gebracht (25. November). Da Ott eine "Intensivierung im Bereich Kinder- und Jugendtheater" anpeilt, folgen noch zwei neue Stücke für die allerkleinsten Theatergänger.

Ein "poetischer Weltuntergang" ist "Das hässliche Universum" von Laura Naumann (22. Februar). Mit einem aktuellen Thema vor dem Hintergrund der "#metoo"-Debatte geht es bei "Oleanna" von David Mamet weiter (12. April). Zum Saison-Finale folgt noch Katja Otts Inszenierung von Kleists "Der zerbrochene Krug" (28. Juni). Hinzu kommen Wiederaufnahmen, Gastspiele und Sonderveranstaltungen vom "Tresenlesen" bis zur schweißtreibenden Talkshow "Auf der Rolle" mit aufgebockten Fahrrädern. Die Suche nach dem "Stadttheater der Zukunft" darf experimentierfreudig und durchaus sportlich sein.

STEFAN MÖSSLER-RADEMACHER

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