Montag, 09.12.2019

|

zum Thema

Die Band Fettes Brot kommt mit "Lovestory" nach Erlangen

Das Hamburger Trio widmet sich auf seinem neuen Konzeptalbum ausschließlich dem Thema Nr. 1 - 17.10.2019 15:56 Uhr

Björn Warns (Björn Beton), Boris Lauterbach (König Boris) und Martin Vandreier (Dokter Renz, von links nach rechts) sind Fettes Brot. © Foto: Jens Herrndorff/PR


"Tja, König Boris ist da leider kein Einzelfall, nicht nur er mag sich ganz doll selbst, auch seine Mitstreiter Dokter Renz und Björn Beton sind vom Selbstliebe-Virus befallen. Und so trällert das Trio "Fettes Brot" offen und ehrlich gleich zum Anfang sein Bekenntnis: "Ich liebe mich", jeder für sich, immer wieder, mal klingt es selbstbewusst, mal aggressiv, auch mal zart und unsicher. Als eine sinnvolle Strategie gegen die Turbulenzen des herzlosen Alltags haben die Drei den Narzissmus für sich entdeckt. Ein Evergreen.

Wenn sich jemand auf die Spuren der Liebe begibt, dann fängt er heute bei sich an, dies hat auch das in die Jahre gekommene Trio aus Hamburg kapiert, erst dann wird der Blick gehoben und an die anderen gedacht. So halten es die Mittvierziger auch auf ihrem neunten Album "Lovestory", welches sich ausschließlich um das Thema Nr. 1 und seine verschiedenen Modi dreht. Nachdem der sehr hohe Eigenbedarf an Zuneigung und Leidenschaft gedeckt ist, kann viel entspannter daran gegangen werden, den Rest zu beglücken.

Zum Beispiel die "Wetterfrau". Oder "Robot Girl". Doch weder platonische noch virtuelle Liebelei scheinen die Sache von Fettes Brot zu sein, die sich ursprünglich Boris & The Callboys nennen wollten: Verse zu platt, Musik zu schlaff. Die Emotionen wallen da schon mehr bei Jana auf, so heiß und süß, doch was für ein Drama, Janas Mama ist noch mehr der Hammer. Housiger Beat, funkiger Bass, jubilierende Bläser und euphorische Bekundungen sind deutliche Signale des heiklen Verknalltseins.

In "Geile Biester" sind dann alle so wuschig, dass sie sich zur aufgeheizten 70er-Jahre-Disco tierisch an die Wäsche gehen wollen, Nachbars Lumpi und sexy Mietzekatze, wau-wau und miau.

Dass die Hamburger wieder absichtsvoll über die Strenge schlagen, die Grenzen des Humors ausloten, sich niemals zu ernst nehmen, ist ihnen seit Gründung 1992 öfter nachteilig ausgelegt worden. Doch sie verquirlen den Blödsinn regelmäßig mit Inhalten, die ihre Haltung zu gesellschaftlichen Tendenzen spiegeln. "Schwule Mädchen" (Thema Homophobie) ist so einer ihrer kritischen Klassiker oder "Bettina, zieh dir bitte etwas an" (Thema Sexismus). Im HipHop-Segment sind das keine Selbstverständlichkeiten, im Gegenteil, mag die Band auch sehr früh in der Pop-Sparte gelandet sein.

Ihr Konzeptalbum "Lovestory" liefert zum Ende hin solche Statements wie gewohnt fast beiläufig. "Du driftest nach rechts" ist der wütende Hilferuf für eine bröckelnde Beziehung aufgrund politischer Radikalisierung, bei der Drums und Synthies die bedrohliche Kulisse untermalen. Danach sitzen "Opa + Opa", bereits Mitte 80, aufm Sofa, streiten und küssen sich, voller Erinnerungen an die schwierigen Zeiten ihrer Männerliebe.

Eigenwillige Gemeinsamkeiten

Vom regelmäßigen Besuch bei der klugen, schönen, aber depressiven Freundin in der "Klapse" wird so heiter und selbstverständlich gesungen, als wäre die Situation völlig normal. In der schlichten Piano-Power-Ballade "Zwei Freunde und Du" erklärt sich die echte, lange Verbundenheit des Trios mit eigenwilligen Gemeinsamkeiten: "schiefe Fresse, schräger Humor". Mögen auch in Sachen Protest Bob Dylan mehr Poesie und Deichkind mehr Party bieten: Diese Band macht ihren Job ganz ordentlich. Es gibt weitaus schlechtere Popmusik mit Haltung. Fettes Brot stehen für Werte und Wahnsinn in verträglicher Mixtur. Denn die drei Freunde haben es auf die Mitte der Gesellschaft abgesehen: neuerdings sogar mit viel Liebe.

InfoAktuelles Album: Fettes Brot, "Lovestory" (Fettes Brot Schallplatten/Groove Attack); am 24. Oktober gastiert die Band in der Erlangener Heinrich-Lades-Halle; Karten-Tel.: 09 11/2 16 27 77.

OLIVER SEIFERT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur