Freitag, 22.11.2019

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Die kleine Beziehungsberaterin

Deutsche Chansons und Prosecco-Pop: Annett Louisan sang in Nürnberg ihre Lieder von der kleinen und der großen Liebe. - 30.10.2019 18:07 Uhr

Die Pop-Sängerin Annett Louisan punktet mit Charme, Witz und Selbstironie. © Foto: Daniel Bockwoldt/dpa


Humor und Selbstironie zählen ebenso zu den Stärken der Sängerin wie ihr natürlicher Charme.

Damit wickelt sie auch beim Konzert in der Nürnberger Meistersingerhalle alle um den Finger – Alt und Jung, Männer und Frauen, darunter auffallend viele Mütter und ihre Töchter. Offenbar kann man sich Annett Louisan als Geliebte ebenso gut vorstellen wie als Schwiegertochter oder beste Freundin. Seitdem die 42-jährige Künstlerin selbst Mutter geworden ist, hat sie sich auch musikalisch etwas verändert. Zwar dominieren noch immer die französisch angehauchten, luftigen Pop-Chansons, die sie bekannt gemacht haben, daneben aber gibt es nun so etwas wie Prosecco-Pop mit deutlichen Anleihen bei den 80er Jahren.

Annett Louisan, die kleine Beziehungsberaterin der deutschen Musikszene, hat ein inniges Verhältnis zu ihren Fans. Sie sucht ihre Nähe und singt gerne auch mal mitten in den Stuhlreihen im Saal. Zwischen den Liedern plaudert sie aus dem Nähkästchen, erzählt, wie sie als Kind die deutsche Wiedervereinigung 1989 erlebt hat, von Partnerfrust und Mutterglück. Passend dazu gibt es am Merchandising-Stand nicht nur Becher und Poster, sondern auch Windelhöschen und Lätzchen zu kaufen.

Begleitet wird die pfiffige Sängerin von einer vielseitigen Fünf-Mann-Band, die auch die Kunst der leisen Töne beherrscht. So entsteht eine heitere Leichtigkeit, die man in der deutschen Musikszene selten findet.

Bierernst geht es jedenfalls in den Liedern von Annett Louisan, die es faustdick hinter den Ohren hat, nicht zu, egal ob sie die liebe Verwandtschaft, beleidigte Leberwürste oder sich selbst auf den Arm nimmt: "Ich bin klein, das lässt sich auch nicht wegdiskutieren."

Das Publikum ist hin und weg, singt lauthals mit und bedankt sich am Ende mit begeistertem Applaus im Stehen.

STEFFEN RADLMAIER

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