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Doku: Der geheimnisvolle Herr Egersdörfer

Ein neuer Film versucht dem Multitalent auf die Spur zu kommen - 11.11.2019 09:00 Uhr

Der fränkische Kabarettist und Autor Matthias Egersdörfer spielt gern den Grobian. © Foto: Stephan Minx


Diese Frage stellten sich Julia Thomas und Thomas Steigerwald vom Nürnberger Verein Medienpraxis. Die beiden erfahrenen Dokumentarfilmer (gemeinsam bringen sie es auf über 200 Filme) waren vor dem Projekt keine ausgesprochenen Fans von Egersdörfer: "Wir lernten ihn kennen, als er den Kulturpreis der Stadt Fürth gewann, für den wir immer die Filmeinspielungen produzieren – und wurden neugierig", erzählen sie. "Wir wollten verstehen, worum es ihm eigentlich geht."

Die beiden begleiteten Matthias Egersdörfer zu Auftritten und schafften es auch, den privat zurückhaltenden Künstler für Interviews vor die Kamera zu bringen. Da erscheint er sehr sanft und bedächtig: "Ich erzähle nicht gerne über mich oder meine Werke, ich höre lieber zu", sagt er. Ein paar Sachen verrät er dann aber doch, etwa: "Gutes Kabarett soll wie eine Geisterbahnfahrt sein, bei der man nicht weiß, was einen als nächstes erschrecken wird."

Das Dunkle und Obszöne

Neben Egersdörfer kommen auch Weggefährten wie der Maler Peter Angermann zu Wort, der früh das Talent des "Kreativlings" erkannte und ihn an die Kunstakademie holte. Und natürlich Bühnen-Partnerin Claudia Schulz, die in echt viel taffer ist als ihre Kunstfigur Carmen: "Es geht uns darum, das Dunkle und Obszöne der Welt an die Oberfläche zu bringen."

Zudem wühlten sich die Filmemacher durch öffentliche und private Archive und sahen unzählige Stunden von Auftritten: "Am Anfang war ich immer auf der Suche nach kurzen, knalligen Pointen", erinnert sich Julia Thomas. "Aber die gibt es bei Egersdörfer kaum. Meist bauen seine Sachen sich lange auf – und ich habe festgestellt, dass ich gar nicht mehr aufhören kann, ihm dabei zuzuhören."

So sehen wir etwa einen ganz jungen Egersdörfer, der im Kuhstall in Winterstein Texte von Ernst Jandl vorträgt. Besonders erhellend ist ein kurzer Clip mit Egersdörfers Vater: Der grantelt eine Wutrede gegen Nazis, die unvermittelt mit einem hingerotzten "Heil Hitler" endet in die Kamera. Die stoische Miene, der knurrige Vortrag, der bittere Umschwung zum Schluss – der Vater macht vieles vor, was der Sohn später perfektionieren wird.

Demo gegen die AfD

Das zeigen die Filmemacher mit einem topaktuellen Auftritt von Matthias Egersdörfer bei einer Demo gegen die AfD. Dort zählt er auf, wie Krieg und Nazidiktatur seine Eltern und dadurch auch ihn psychisch beschädigt haben – der Beitrag endet mit "Danke Adolf Hitler, du altes Archloch."

Thomas und Steigerwald reduzieren Egersdörfer aber nie auf solche plakativen Momente. Sie zeigen ihn vielmehr als sehr vielseitigen Menschen, der an der Oper genauso gerne arbeitet wie im "Tatort", als Literaten, als Musiker mit "Fast zu Fürth" oder als Mitglied der inklusiven Theatergruppe "Dream Team".

"Wir haben ihn, glaube ich, nach der Arbeit ein bisschen besser verstanden", meint Thomas Steigerwald. Und mehr kann man von einem Film über einen Künstler, der nicht gerne Auskunft gibt, nicht erwarten.

Zu sehen ist der Film (in drei Teilen) auf den Sendeplätzen der Medienpraxis auf Frankenfernsehen, jeweils sonntags um 19.30 Uhr. Wer "Der Egers – Auf Geisterbahnfahrt mit Matthias Egersdörfer" lieber am Stück sehen will, kann die DVD auf www.medienpraxis.tv bekommen.

PETER ROMIR

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