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Dramatisches "Game of Thrones"-Finale sorgt für Fan-Wut

Gehetztes Ende setzt ein politisches Statement - 20.05.2019 14:53 Uhr

Gezeichnet von der achten Staffel ist nicht nur der von Fans geliebte Tyrion Lannister, sondern auch das Publikum von "Game of Thrones". Etliche Zuschauer kritisieren das Serien-Finale. © Helen Sloan, dpa


Am Sonntag endete "Game of Thrones" nach über 4.000 Minuten Laufzeit beim US-Premiumsender HBO. In Deutschland können Fans bereits seit Sonntagnacht das Finale ansehen. Das Ergebnis: Die Zuschauer sind wütend. Ihre Wut richtet sich nicht etwa gegen Figuren in der Serie, sondern gegen die Protagonisten hinter den Kulissen.

Kritik der Fans wird nach Finale noch lauter

Eingefleischte Liebhaber der Serie, die mit dem Verlauf der finalen Staffel alles andere als zufrieden waren, starteten kürzlich bereits eine Petition, die fordert, dass die gerade beendete achte Staffel neu geschrieben und produziert werden soll - ohne die aktuellen Chefautoren David Benioff und D. B. Weiss. Noch vor Ausstrahlung des Serienfinales zählte das Anliegen eine Million Unterschriften. Mit der Ausstrahlung der abschließenden Folge dürften es einige Unterstützer mehr geworden sein, denn die Reaktionen fallen zuweilen vernichtend aus - besonders in den USA.

Dass die Serienautoren massenhaft inhaltliche Abkürzungen nahmen, um der finalen Staffel schnell ein Ende zu setzen, obwohl die komplexen Charakterentwicklungen und -konstellationen viel mehr Zeit verlangen, ist einer der großen Kritikpunkte. Selbst George R. R. Martin, Autor der Buchvorlage, meinte zuletzt in Interviews, es brauche eigentlich fünf weitere Staffeln, um die Geschichte würdig zu Ende erzählen zu können.

Doch auch in der finalen Folge wirkten die Autoren hoffnungslos überfordert mit der Mammutaufgabe, die ausufernde Vorgeschichte zahlreicher Charaktere irgendwie in einem logischen und für Fans befriedigenden Ende kulminieren zu lassen. Stattdessen flüchteten sich die Macher wie so oft in dieser finalen Staffel ins Spektakel, um inhaltliche Unzulänglichkeiten zu kaschieren. Die Folge: In den sozialen Netzwerken kochten die Emotionen über.

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Finale will politisches Statement setzen

Für große Verwunderung sorgte unter anderem auch, dass die finale Episode plötzlich nahelegte, in "Game of Thrones" sei es schon immer um Politik, Gesellschaftsordnungen und die korrumpierende Kraft von Macht gegangen. Brandon Stark, einer der unbefriedigendsten Charaktere, der gerade in der Finalstaffel gar keine Entwicklung mehr nahm, wurde als neuer Thronfolger von den Lords der Sieben Königslande gewählt - weil er in Sachen Ego, Stolz und Machtdurst seinen Vorgängern in nichts nahe steht und keine Kinder zeugen kann, um so eine neue gefürchtete Tyrannen-Dynastie zu begründen. Damit macht die Republik Westeros einen ersten Schritt in Richtung Demokratie.

So lösten die Autoren die Serie auf, die in den Episoden davor den von unzähligen Fan-Theorien umrankten Kampf zwischen Menschen und Eiszombies in einem plumpen Gut-gegen-Böse-Spektakel enden und auch andernorts Handlungsstränge geliebter Figuren im bedeutungslosen Nichts versanden ließ. Auch deshalb ordneten Fans die letzte Staffel und schließlich auch die letzte Folge als inkohärent zusammengeschustert ein.

Auch ein "Best-Of" typischer Game-of-Thrones-Momente und humoristische Einwürfe, die nichts zur Entwicklung der Handlung beitrugen, sondern dem Publikum einfach nur gefallen sollten, entschädigten nicht für ein Finale, das letztlich ein politisches Statement mit der Brechstange erzwang und sich dabei nicht einmal treu blieb. Denn obwohl die Fantasy-Serie sich seit jeher dadurch auszeichnet, ihre fantastischen Elemente nur als Vehikel für die doch eigentlich im Kern sehr menschliche Erzählung zu benutzen, sorgte ein Drache durch das Schmelzen des Eisernen Throns für den kraftvollsten symbolischen Akt und eine Art Zauberer wurde zum König ernannt.

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"Welche Aussagekraft besitzt das nun für unsere reale Welt?", fragten Rezensenten und Zuschauer zurecht. Mit der 73. Episode endete "Game of Thrones", aber sicher nicht die Diskussion um den umstrittenen Abschluss eines Formats, das ansonsten produktionstechnisch und auch inhaltlich neue Maßstäbe setzte. Auffällig: In Deutschland fallen die Reaktionen in den Sozialen Medien bislang deutlich wohlwollender aus als im internationalen Vergleich.

Timo Nöthling

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