Autokino

Ein Schlag ins Gesicht für die regionale Kinoszene

11.6.2021, 09:17 Uhr
Zuletzt gab es nur noch wenige Autokinos in Deutschland wie hier in Hannover. Doch durch Corona erlebte das legendäre Format ein kleines Revival.

Zuletzt gab es nur noch wenige Autokinos in Deutschland wie hier in Hannover. Doch durch Corona erlebte das legendäre Format ein kleines Revival. © Julian Stratenschulte, dpa

Am 12. Juni 2021 startet zum zweiten Mal der Autokino-Sommer am Nürnberger Flughafen. Was viele freuen wird, die 2020 Gefallen fanden an der längst aus der Mode gekommenen, aber Corona-sicheren Art des Filmeschauens. Das Autokino erlebte vielerorts eine Renaissance.

Dass auf der riesigen LED-Leinwand nur Blu-rays gezeigt werden können und die Technik nicht für das Abspielen aktueller Filme zertifiziert ist, störte das Publikum nicht. Ebensowenig, dass der Veranstalter, die Eventagentur „roeschke & roeschke“, keine Kinobetreiber-Lizenz hat – was in der Regel bedeutet, dass die Verleiher ihre Filme unter Verschluss halten.

Die örtlichen Kinobetreiber allerdings stört das gewaltig: Nürnberg, das wissen nicht nur eingefleischte Cineasten, hat eine in Angebot, Qualität und Vielfalt hervorragend aufgestellte Kinolandschaft, um die auch weit größere Städte die Noris beneiden. Sieben Monate waren die Häuser wegen des Lockdowns geschlossen. Trotz aller staatlichen Corona-Hilfen sind die Einbußen seit Beginn der Pandemie enorm. Erst seit Ende Mai dürfen sie wieder öffnen, unter den weiter geltenden Hygiene- und Abstandsauflagen.


Horror, Trash, Erotik: Das kleine Kommkino hat Nordbayerns größtes Filmarchiv aufgebaut.


Da zeugt es von wenig Kinokultur-Bewusstsein seitens der Stadt, dass eine Eventagentur, der es „allein ums Geld abschöpfen geht“, so Casablanca-Leiter Matthias Damm, zumindest einen Teil des Publikums gleich wieder abzieht. Ute Schreiner vom Mobilen Kino, das seit Jahrzehnten Openair-Kino auch dorthin bringt, wo es kaum noch Kinos gibt, und von der Konkurrenz am Flughafen am meisten betroffen ist, fragte beim Kulturreferat nach, wieso das möglich ist? Die Antwort: Die Stadt habe keine Handhabe, da die Spielfläche direkt neben dem Tower Privatgelände sei.

Cinecittà-Inhaber Wolfram Weber hat an die Solidarität der Verleiher appelliert und sie gebeten, „roeschke & roeschke“ keine Filme zu überlassen. Was ohne Kinobetreiber-Lizenz auch nicht gemacht wird. Im vergangenen Jahr hatte die Agentur deshalb aufwändig nach einem Betreiber gesucht, der sich als Lizenzinhaber vor den Karren spannen ließ, stieß mit dem Ansinnen auf massive Ablehnung – und fand am Ende doch einen Dummen (der heute nichts mehr mit Kino zu tun hat). Diesmal half eine Berliner Agentur aus.

Um eins klarzustellen: Es geht hier nicht um Neid auf einen temporären Mitbewerber, dafür ist die hiesige Szene viel zu stark und solidarisch. Das wirkliche Ärgernis ist, wie wenig das Engagement für die Kinokultur offenbar von der Stadt geschätzt wird. Oberbürgermeister Marcus König wird zur Eröffnung des Autokino-Sommers eine Begrüßungsrede halten. Ein Schlag ins Gesicht der örtlichen Kinomacher.

9 Kommentare