Erlangen: Die neue Kunstpalais–Leiterin Amely Deiss

3.3.2015, 18:40 Uhr
Auf bestem Weg in Erlangen heimisch zu werden: Die neue Kunstpalais-Chefin Amely Deiss.

Auf bestem Weg in Erlangen heimisch zu werden: Die neue Kunstpalais-Chefin Amely Deiss. © Foto: Edgar Pfrogner

Seit vier Wochen ist die junge Frau im Amt. Und Erlanger Neubürgerin. „Natürlich wollte ich hierherziehen. Ich möchte zu Fuß ins Theater, an die Uni, zu den anderen Ausstellungshäusern“, sagt sie. Schließlich möchte sie sich auch mit den Kollegen dort intensiv vernetzen. Und sie möchte ein Gespür für die Stadt, ihre Besonderheiten, ihre Geschichte bekommen. Fragt man Amely Deiss nach ihren Plänen, dann zeichnen sich zwei Schwerpunkte ab.

Erstens will sie ihre Ausstellungen thematisch stark in der Stadt verankern, selbstverständlich ohne dabei provinziell zu werden. „Meine erste Ausstellung im Herbst geht von einer Erlanger Erfindung aus, dem MP3- Format“, sagt sie und hat dafür 14 internationale Künstler gewonnen, die zum Teil auch Arbeiten extra für dieses Projekt schaffen werden. Erlangen als Stadt der Medizin, der Technik oder der traditionsreichen Universität biete unzählige spannende Anknüpfungspunkte, um das Programm auch mit den Belangen und Charakteristika der Stadt zu verweben, meint Deiss, die auch auf Sponsorensuche für ihre vielen Ideen ist.

„Möglichst vielen etwas bieten“

Zweites großes Ziel der neuen Chefin ist es, mehr Spaß ins Haus bringen — für Groß und Klein. „Die Menschen sollen gerne hier sein, sich freuen. Ich möchte in meinem Programm für möglichst viele etwas bieten“, sagt Deiss, die betont: „Kunst muss auf den ersten Blick packen. Werke, für die man eine lange Gebrauchsanweisung braucht, sind meine Sache nicht.“

Bislang hat sie sich nach Studium in Heidelberg, Berlin und Rom im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt als stellvertretende Direktorin um Ausstellungen gekümmert. Sieben Jahre war sie dort. „Das war eine tolle Zeit, weil man an einem kleinen Haus viel machen kann. Mein Ziel war es immer, den Leuten die Scheu vor der Konkreten Kunst zu nehmen, die ja im Ruf steht, schwierig zu sein.“

Schmerzt oder freut sie der Abschied von der Konkreten Kunst? „Ich bin zwar von dieser Stilrichtung begeistert, freue mich aber hier auf die neue Offenheit und darauf, auch einmal andere Gattungen, zum Beispiel Fotografie, zeigen zu können.“ Ausschließen mag sie nicht, dass auch im Kunstpalais Konkrete Kunst gezeigt wird. „Dann aber sicherlich nicht unter diesem Etikett, sondern weil einzelne Werke in eine Gruppenausstellung passen“, meint die 33-Jährige.

Im Kunstpalais läuft noch bis zum 22. März die sehenswerte Ausstellung „Who the f*ck is Halil Altindere?“. Sie wurde ebenso wie die Nachfolge-Schau „catcontent“ (zum Thema Tiere, Start am 18. April) noch von Deiss’ Vorgängerin Claudia Emmert, die inzwischen das Zeppelin-Museum in Friedrichshafen leitet, ans Haus geholt. Emmert hatte auch noch den Düsseldorfer Künstler Jan Albers eingeladen, dessen Ausstellung am 10. Juli eröffnet wird.

„Der Besucher soll regelrecht in die Ausstellung hineingesaugt werden, sich darin wie in einem Labyrinth aus Formen und Farben bewegen, die Bilder von Nähe und Ferne, Hitze und Kälte, Chaos, Zerstörung und Ordnung in sich aufnehmen — und sich davon ruhig auch ein wenig berauschen lassen“, heißt es in der Ankündigung.

Deiss geht dann am 27. September mit ihrer ersten Ausstellung an den Start. Der griffige Titel: „Save the data!“

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