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Erlangens Irish-Rocker Fiddlers Green feiern drei Jahrzehnte

Die Jubel-Party mit Live-Musik fällt der Pandemie zum Opfer - 27.11.2020 13:40 Uhr

Fiddlers Green beim Pub-Konzert im Nürnberger O´Sheas 2019.

12.03.2019 © Rainer Windhorst


Blödes Timing: Vor ziemlich genau 30 Jahren belegte die frisch gegründete Irish-Folk-Rockband Fiddler‘s Green beim Erlanger Newcomerfestival den zweiten Platz – somit fällt das runde Jubiläum haargenau in das Jahr, in dem große Partys kein Quell der Freude, sondern ein Quell der Ansteckung sind.

Stefan Klug (links) und Ralf Alberts von Fiddlers Green.

10.11.2020 © Reinhard Kalb, NN


Wie alle anderen derzeit zwangspausierenden Künstler versuchen auch Fiddler‘s Green, neben den Klaumauk-Rockern J.B.O. Frankens erfolgreichste Band, das Beste daraus zu machen. Am 4. Dezember erscheint das 15. Studioalbum „3 Cheers for 30 Years“, eine Sammlung von elf Irish-Folk-Klassikern im typischen Fiddler‘s-Sound, der noch ein ganzes Stück härter und punkiger geworden ist, seit Pat Prziwara im Jahr 2006 den ausgestiegenen Sänger, Gitarristen und Songschreiber Peter „Pathos“ Müller ersetzt hat.

Hauptsächlich härtere Songs

"Whiskey in the jar", bekannt vor allem durch die Rock-Version von Thin Lizzy, eröffnet den Reigen mit einem knalligen, hyperventilierenden Hochgeschwindigkeitsbeat, über dem sich eine breitbeinige Metal-Gitarre mit Tin Whistle, Geige und Akkordeon in den stürmischen Himmel aufschwingt, die sentimentale Schunkelmelodie von "Auld Lang Syne" wird zur feucht-fröhlich grölenden Punk-Hymne, während Steve Earls "The Galway Girl" als einziges Nicht-Traditional des Albums in seinem an die Pogues erinnernden Folkrock-Arrangement im Vergleich fast lieblich daherkommt.


Fiddler's Green aus Erlangen tourt durch Japan


Live eine Stimmungsgarantie: Fiddlers Green aus Erlangen.

10.11.2020 © Jürgen Masching, NN


Auch Gassenhauer wie "The Wild Rover" oder das von einer ganzen Armada an Stargästen gesungene "The Drunken Sailor" klingen wenig beschaulich, sondern mehr nach einer zünftigen Pogo-Party im Irish Pub. "Wir wollten zum dreißigjährigen Jubiläum nicht einfach ein weiteres Fiddlers-Green-Album rausbringen, sondern etwas Besonderes", erläutert Akkordeonist Stefan Klug am Telefon. "Natürlich überlegt man sich, ob man einem Song, der schon tausend Mal gesungen worden ist, noch irgendetwas Neues hinzufügen kann. Also sind wir die lange Liste der beliebtesten irischen Songs durchgegangen und haben uns überlegt, welche sich am besten für unseren Stil eignen und haben versucht, sie auf unsere eigene Art zu spielen."

Die Iren sind da lockerer

Stefan Klug stieß 1991 zur Band, doch seine Liebe zur irisch-schottischen Kultur, Landschaft und Mentalität ist noch älter, fuhr er doch bereits Ende der Achtziger Jahre mit dem Fahrrad durch Schottland und war total fasziniert. In Irland bewegte ihn vor allem die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen. "Wir haben einmal mit Fiddlers eine Tour durch Irland gemacht und die Menschen dort hatten überhaupt kein Problem damit, dass wir als Deutsche irische Musik machen, die sind da ganz locker. Da schlagen uns zuhause mehr Vorbehalte entgegen."

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"Bin selbst erstaunt"

Nun steht eine Band wie Fiddler‘s Green, die mit dem Stil-Etikett "Irish Speed Folk" seit drei Jahrzehnten internationale Erfolge feiert, nach einer gewissen Zeit fast zwangsläufig vor der nicht immer einfachen Herausforderung, sich künstlerisch weiterentwickeln zu wollen, ohne die Erwartungen der Fans zu enttäuschen. Das Traditionals-Album mag ein Zugeständnis an diejenigen sein, denen Fiddler‘s zuletzt zu wenig irisch klangen – doch wann wird die stilistische Eingrenzung zum Hemmnis? "Das ist nur ein Hemmnis, wenn es einem keinen Spaß mehr macht", stellt Stefan Klug klar. "Und ich bin selbst erstaunt, wie viel Freude mir diese Musik auch nach dreißig Jahren noch bereitet."

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Auf die Freude der großen Live-Sause mit den Fans wird die Band noch bis mindestens nächstes Jahr verzichten müssen, für das eine umfangreiche, von März bis Dezember dauernde Mammut-Tour geplant ist. Als einstweiliges Trostpflaster werden Fiddler‘s Green am 4. Dezember aus einem für die Öffentlichkeit geschlossenen Pub in Bayreuth auf YouTube ein Live-Konzert übertragen. Inklusive Whiskey-Verköstigung. Nur dumm, dass sich Geschmack nicht streamen lässt….

Info: Aktuelle CD: Fiddler‘s Green, "3 Cheers for 30 Years" (Def Shepherd/Indigo, ab 4.12.20 im Handel)


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Peter Gruner

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