Experten erklären: Darum sind Handys sinnvoll für Kinder

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Kilian Trabert

Volontär der Nürnberger Nachrichten

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21.2.2019, 17:31 Uhr
„Die Jungen zocken immer nur!“, schimpfen Erwachsene. Aber: Sind sie so viel besser? Und: Sollten sie ihren Kindern nicht besser einen vernünftigen Umgang mit dem Handy beibringen, statt zu meckern? /E-Plus Gruppe

© Foto: obs „Die Jungen zocken immer nur!“, schimpfen Erwachsene. Aber: Sind sie so viel besser? Und: Sollten sie ihren Kindern nicht besser einen vernünftigen Umgang mit dem Handy beibringen, statt zu meckern? /E-Plus Gruppe

Es ist ein Vorstoß, der bei den Betroffenen wohl für ungläubiges Kopfschütteln sorgt: Damit Kinder keine pornografischen Inhalte verschicken können, will Julia von Weiler, eine Internetexpertin der Bundesregierung, Smartphones für alle Kinder unter 14 Jahren verbieten.

Mit dieser Idee ist sie nicht alleine. Der Psychiater Manfred Spitzer etwa will sogar allen unter 18-Jährigen das Handy wegnehmen, weil es laut ihm die Gehirnentwicklung störe.

Doch ist so ein Verbot wirklich sinnvoll? Stefan Salamonsberger, der als Medien- und Buchwissenschaftler an der Ludwig-Maximilian-Universität in München arbeitet, hat dazu eine klare Meinung: "Wegnehmen ist Wunschdenken. Sollen die Kinder etwa mit 14 Jahren einen Handy-Führerschein machen?"

"Handyverbot betrifft das ganze Leben"

Ein Handyverbot ist für ihn etwas ganz anderes als zum Beispiel ein Fernsehverbot. "Ein Handyverbot betrifft das ganze Leben und den Alltag", erklärt er. Kinder und Jugendliche nutzen das Gerät, um Eltern zu beruhigen, dass der Bus pünktlich gekommen ist. Außerdem hilft das Handy, die richtige Straße oder eine wichtige Vokabel zu finden.


Regierungsexpertin fordert Smartphone-Verbot für Kinder


Dass schon kleine Kinder auf Seiten gelangen, die sie besser nicht sehen sollten, hält auch er für ein Problem. Oft helfe aber schon ein Kinderschutzfilter, den die Eltern für Computer, Tablets und Handys einrichten. Damit können manche Seiten gar nicht erst angeschaut werden. Außerdem sei es dringend an der Zeit, dass der Umgang mit Smartphones und Internet einen Platz im Schulunterricht bekommt, findet Salamonsberger. "Da ist Deutschland total weit hinten." Lehrer sollten den Schülern zeigen, was mit ihren Daten im Netz passiert und warum man nicht jedes Foto hochladen sollte.

Lehrer und Eltern überfordert?

Klaus Lutz, der das Medienzentrum Parabol in Nürnberg leitet, geht noch einen Schritt weiter. Er findet, dass das Handy noch viel stärker in der Schule benutzt werden sollte – allerdings nicht zum Spielen heimlich unter dem Tisch: Die Schule könnte den Kindern erlauben, das Handy in Prüfungen als Hilfe zu nutzen. "Die Fragen sollten dann natürlich etwas schwieriger sein als: ,Wann war der Erste Weltkrieg?‘ und nicht mit einmal googeln zu lösen sein." Dafür müssten sich die Erwachsenen – Eltern und Lehrer – aber auch selbst mehr mit dem Smartphone beschäftigen, um zu wissen, was die Jungen damit machen. "Ein Handy richtig zu benutzen ist eine Technik – genauso wie Rechnen, Schreiben oder Lesen", sagt Lutz.

 

"Wir Lehrer haben oft keine Ahnung, was die Schüler am Handy so fasziniert", gibt auch Birgit Besold von der Nürnberger Montessori-Schule zu. "Dann noch eine Prüfung mit Smartphone zu entwerfen, würde mich schlichtweg überfordern." Sie wünscht sich deshalb mehr Fortbildungen für Lehrer in diesem Bereich – auch, um mit schwierigen Situationen umgehen zu können: Nicht nur an ihrer Schule haben sich Kinder über einen Chat Pornovideos geschickt. Solche Vorfälle könne man nur zusammen mit Eltern angehen und müsse mit den Schülern reden, sagt sie. Ein Verbot hält auch sie für "unrealistisch".

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