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Familienkomödie von der Stange: "Enkel für Anfänger"

Generationenkomödie über fitte Rentner, die sich als Leih-Oma und -Opa zur Verfügung stellen - 07.02.2020 11:30 Uhr

Die Botschaft von „Enkel für Anfänger“: Es ist nie zu spät, anzufangen. Hier eine Szene mit Leih-Opa Gerhard (Heiner Lauterbach) und „Enkel“ Viktor (Bruno Grüner). © Foto: StudioCanal


Das bewährte deutsche Lebensmodell: Ein Leben lang ackern, um es sich dann im Ruhestand endlich schön zu machen. So hat das auch Harald (Günther Maria Halmer) zeit seines Lebens gehalten. Jetzt hockt der Golden Ager und Miniaturlokomotiven-Sammler im Eigenheim und wundert sich, dass es seiner Frau Karin (Maren Kroymann) dort zu eng wird.

Kaum hat er ihr glücklich die Neuseelandreise ausgeredet ("Für das Geld kriegen wir zwei Treppenlifte!"), beschließt sie trotzig, dem Beispiel ihrer Schwägerin Philippa (Barbara Sukowa als nerviger Alt-Hippie) zu folgen und sich als Leih-Oma zu engagieren. Philippas Bruder Gerhard (Heiner Lauterbach) muss auch mit. Die Kids haben alle so ihre Problemchen, aber da ist nix, was die aufrechten Silver Surfer nicht mit Charme, Chuzpe und einem offenen Ohr im Handumdrehen lösen könnten. Nebenher werden auch noch die eigenen Baustellen im Leben aufgearbeitet – und plötzlich hat das Leben wieder einen Sinn.

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Tolle neue Ideen darf man nicht erwarten von "Enkel für Anfänger" – oder dass hier irgendwer auch nur einen Hauch gegen den Strich denkt. Die Alten zocken die Jungen beim Enkeltrick ab, das wär’s mal. Aber da hat man die Rechnung ohne das Drehbuch (Robert Löhr) gemacht. In dem geht schon als Humor durch, wenn alte Menschen Baseballkäppis verkehrt herum aufsetzen und Sätze sagen wie "jo, check das aus!" oder mal etwas ganz Verrücktes tun: Die Schuhe ausziehen und barfuß ins Meer laufen zum Beispiel.

Statt eine ordentliche Schippe fiesen, schwarzen Humor draufzupacken, ist diese mutlose, gänzlich überraschungsfreie Generationenkomödie (Regie: Wolfgang Groos) so gewollt auf Leichtigkeit getrimmt, dass es weh tut. Spuren von Selbstironie werden im Klischee-Sumpf (die Helikopter-Eltern, der schwule Arzt, die alleinerziehende Mutter auf Tinder) ertränkt. Die wenigen gelungenen Dialoge kann man a) an einer Hand abzählen und b) alle schon vorab im Trailer gucken (am Grill: "Meine Eltern sagen, wir essen nur bio, alles andere ist gemein!" – "Dann überleg’ dir mal, wer der Gemeine ist: Der, der ein glückliches Schwein tötet oder der, der ein unglückliches Schwein tötet...").

Wäre mal interessant zu wissen, ob sich Schauspielgrößen wie Heiner Lauterbach (echt gut gealtert) oder Fassbinder-Muse Barbara Sukowa überhaupt die Mühe machen, vorher einen Blick ins Drehbuch zu werfen, oder ob die sich solche 08/15-Rollen im Vorbeigehen aus dem Ärmel schütteln. Wir tippen auf letzteres.

"Enkel für Anfänger" ist für’s Fernsehen gemacht und sieht auch so aus. Wenn man den Streifen im Kino verpasst – kein Problem: Läuft demnächst eh im Öffentlich-Rechtlichen. (104 Min.)

STEFAN GNAD

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