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Fernsehstar Iris Berben wird 70

Das ZDF würdigt die Schauspielerin vor ihrem runden Geburtstag mit dem Film "Nicht tot zu kriegen" - 09.08.2020 12:04 Uhr

Für einen Moment ist die Bedrohung durch einen Stalker im Fernsehfilm „Nicht tot zu kriegen“ vergessen. Simone Mankus (Iris Berben, M.) feiert ein Comeback.

© Foto: Alexander Fischerkoesen / ZDF


Schwungvoll schiebt eine Dame im Pelz ihren Einkaufswagen durch einen Supermarkt. Der Stopp am Spirituosenregal wirkt zielsicher, der Griff zu Cognac und Champagner routiniert. Als ein Mann sie anspricht, wendet sie ihr Gesicht zur Kamera und man sieht: die Dame (und vermutlich auch der Pelz) haben schon bessere Zeiten erlebt. Zumindest, wenn "besser" gleichgesetzt wird mit "jünger".

Damit ist man mittendrin im TV-Film "Nicht tot zu kriegen", der sich um die (fiktive) Schauspielerin Simone Mankus dreht. In den 60er/70er Jahren war sie ein Star, hatte ein bewegtes Liebesleben und tauchte oft in den Boulevardblättern auf. Heute ist sie vergessen und wird in der Öffentlichkeit nur selten angesprochen – wie etwa eingangs im Supermarkt von einem scheuen, treuen Fan. Seit kurzem jedoch dringt ein Stalker in den Garten ihrer Villa und hinterlässt malträtierte Barbiepuppen mit beunruhigenden Botschaften.

Mit allen Waffen einer Frau: Iris Berben im Jahr 1997 als „Rosa Roth“

© Foto: Rolf Kersten, dpa


Simone Mankus wird gespielt vom deutschen Fernseh- und Filmstar Iris Berben. Mit "Nicht tot zu kriegen" gratuliert das ZDF der Darstellerin zu ihrem 70. Geburtstag am 12. August. Es gibt darin durchaus Parallelen zwischen Mankus und Berben, aber sie sind begrenzt. Iris Berbens Privatleben gibt selten Schlagzeilen in Klatschmagazinen her, und obwohl sie im echten Leben sogar noch ein paar Jahre älter ist als die Figur, die sie hier verkörpert, gehört sie nach wie vor zu den meistbeschäftigten Darstellerinnen im deutschen Fernsehen. Mehr als 100 Filme verbucht sie auf dem Konto ihrer Karriere, erste Auftritte hatte sie schon als Teenager. Dass sie, wie Simone Mankus, ihre Abende damit verbringt, auf dem häuslichen Bildschirm ihre alten Filme anzuschauen, ist unwahrscheinlich – sie hat seit langem eine Menge anderer Aufgaben jenseits der Schauspielerei übernommen.

Eine erste größere Rolle hatte Berben an der Seite von Margarethe von Trotta in Klaus Lemkes Film "Brandstifter", da war sie noch keine 20. Lange vor dem gleichnamigen Reamonn-Hit spielte sie ein Supergirl in Rudolf Thomés Film "Das Mädchen von den Sternen". 1971 war das. Richtig bekannt wurde Berben 1978 mit der Comedy-Serie "Zwei himmlische Töchter" neben Ingrid Steeger sowie "Sketchup" in den 80er Jahren. Von 1994 bis 2013 verkörperte sie die Rolle einer Hauptkommissarin, die ganz in ihrem Beruf aufgeht – die ZDF-Krimireihe "Rosa Roth" war Berbens endgültiger Durchbruch und ein Quotenhit. In "Eine Frau schlägt zurück" lieferte sie 1998 das intensive Porträt einer vergewaltigten Frau.

Im Kino stand Iris Berben für Regisseure wie Doris Dörrie, Markus Imboden oder Heinrich Breloers "Buddenbrooks"-Adaption (2008) vor der Kamera. Von 2010 bis 2019 war sie Präsidentin der deutschen Filmakademie.

Schon früh setzte die Schauspielerin abseits von Leinwand und rotem Teppich klare politische und gesellschaftliche Signale. Sie unterstützt die Deutsche AIDS-Stiftung, kämpft seit langem gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Seit 2016 gehört sie zur Jury beim Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis . 2014 war sie Darstellerin in "Das Zeugenhaus", der im Herbst 1945 in der Nähe von Nürnberg spielt, wo in einer Villa Opfer, Mitläufer und Täter des Nationalsozialismus gemeinsam darauf warten, als Zeugen bei den Nürnberger Prozessen vernommen zu werden; über 5,5 Millionen Zuschauer erreichte der Fernsehfilm. "Ein Lehrstück über Schuld und Sühne, urteilte der "Spiegel".

2018 gelang der Schauspielerin in der Drama-Serie "Die Protokollantin" das stille und beklemmende Porträt einer Frau, die das spurlose Verschwinden ihrer Tochter nie verwunden hat – und Jahre später von einem ähnlichen Fall auf fatale Weise aus der Reserve gelockt wird. Hinter der Kamera stand Nina Grosse.

Grosse hat auch "Nicht tot zu kriegen" inszeniert. Ehemalige Filmdiven, die ihr Umfeld terrorisieren, weil ihr Ruhm nur noch eine Chimäre am Horizont der Erinnerung ist, sind ein dankbares Sujet, bei dem eine Schauspielerin zu Hochform auflaufen kann. Als Simone Mankus trägt Berben aber nur ansatzweise exzentrische Züge – so zieht sie den Pelzmantel auch mal über ihrem rosa Pyjama an und bittet in diesem Outfit ihren Bodyguard (Murathan Muslu) ins Doppelbett. Der hatte sich Personenschutz, zumal bei einer deutlich älteren Klientin, nicht ganz so nah vorgestellt . . .

Eine augenzwinkernde Version des Kinohits "Bodyguard" von 1992 mit Whitney Houston im kleineren TV-Format – warum eigentlich nicht? Oder ein Drama, das vor Augen führt, dass Frauen, zumal im Showbusiness, nicht altern dürfen? Auch nicht schlecht. Der Stalker nämlich möchte mit allen Mitteln einen Auftritt der Mankus verhindern, weil er nicht mit den Altersspuren in ihrem Gesicht konfrontiert werden will. Simone Mankus wiederum möchte keinesfalls auf diesen Bühnenauftritt, den ersten seit Jahrzehnten, verzichten.

Doch mehr als ihm gut tut, verliert sich der Film in vielen Erzählsträngen, die sich nie zu einem plausiblen Plot fügen. Die ganz große Geburtstagstorte ist "Nicht tot zu kriegen" also nicht geworden. Den zahlreichen Fans der Schauspielerin dürfte sie trotzdem schmecken. Denn unterhaltsam ist der Film allemal.

InfoMontag, 10. 8., 20.15 Uhr, ZDF

Tamara Dotterweich

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