Donnerstag, 12.12.2019

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Film-Standort Nordbayern? Noch fehlt die Vernetzung

Filmschaffende und Geldgeber trafen sich zum Symposium in Nürnberg - 14.11.2019 10:57 Uhr

Keine Frage: Nürnberg wird als unverbrauchte Filmkulisse geschätzt. 2010 fanden hier auch die Dreharbeiten für Christian Züberts "Dreiviertelmond" mit Elmar Wepper statt. Im Kino war das kitschfreie Multi-Kulti-Märchen ein großer Erfolg. © Foto: Stefan Hippel


Mehr Vernetzung unter den Filmschaffenden tut not, damit der eine überhaupt vom anderen weiß, der Regisseur von der Produktionsfirma, der Sounddesigner vom Aufnahmestudio. Wie sich das Potenzial der Filmwirtschaft vor Ort besser aufstellen kann, darum ging es beim 9. Symposium des Bayerischen Zentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft, das im historischen Rathaussaal stattfand. Wie groß der Informationsbedarf ist, bewiesen schon die mehr 180 Teilnehmer, die sich dazu angemeldet hatten.

Immer nur München?

Bei der Podiumsdiskussion wurde jenes Manko benannt, das dem Filmstandort Nordbayern neben der unzureichenden Vernetzung am meisten zu schaffen macht: Die Fixierung sowohl des FilmFernsehFonds Bayern (FFF) als auch des Bayerischen Rundfunks auf die Landeshauptstadt München. Adina Mungengast vom FFF versicherte zwar, man bemühe sich um eine vielfältige bayernweite Standortförderung, doch erhalte man aus der Metropolregion vergleichsweise wenige Förderanträge für Filmprojekte.

Ganz anders sieht es beim Nachwuchs aus: "Da bekommen wir tatsächlich die meisten Anträge von hier", so Mungengast. Und es ist gar nicht wenig Geld, was fließt: So werden Abschlussfilme der Technischen Hochschule mit bis zu 25 000 Euro gefördert. Allerdings ist das laut Alexandra Foghammar vom Nürnberger Presseamt erst der Fall, seit Oberbürgermeister Ulrich Maly die Ungleichbehandlung von Münchner und Nürnberger Hochschulabsolventen kritisiert hatte.

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Dass auch der studentische Nachwuchs Chancen bei der Landesförderanstalt hat, war für Martin Feldmann neu. Der Leiter des Studiengangs Multimedia und Kommunikation in Ansbach hatte zuvor stolz auf das Engagement seiner Studierenden hingewiesen, die ihre Filme komplett selber finanzierten, und versprach nun: "Dann werde ich den FFF auch mal um einen Besuch in Ansbach bitten."

Anja Metzger, beim FFF vor allem für die Umsetzung von Filmprojekten zuständig (wozu auch die Suche nach Motiven und Drehorten gehört), betonte nachdrücklich die Bedeutung einer gut vernetzten Infrastruktur, um das in der Metropolregion ausgebildete Personal hier zu halten. Auch wegen der neuen Streamingangebote werde derzeit unglaublich viel produziert – "das platzt aus allen Nähten". In München seien die Studiokapazitäten längst ausgereizt, auch gut ausgebildete Filmfachleute seien Mangelware.

Die Chancen für die Metropolregion, sich als Filmstandort verstärkt zu positionieren, dürften also gar nicht mal so schlecht stehen. "Aber uns fehlen hier die Ansprechpartner, an die wir die Projekte weiterspielen können", sagte Metzger.

Mehr Unterstützung gefordert

Mit der bayerischen Filmhauptstadt München wird die Metropolregion Nürnberg ohnehin kaum gleichziehen können. Andrea Kuhn, Leiterin des Nürnberger Filmfestivals der Menschenrechte und in vielen Gremien als Fachfrau gefragt, benannte zu Beginn sowohl die Stärken als auch die Schwächen der regionalen Filmwirtschaft. Ihr Fazit: Die Region hätte deutlich mehr Unterstützung aus München verdient.

Die Filmschaffenden der Region und die Vertreter des FFF wollen im Gespräch bleiben, sich künftig häufiger treffen. Das betonten beide Seiten mit Nachdruck – und das wäre neben neu geknüpften Netzwerken auch ein schöner Erfolg dieses Symposiums.

 

REGINA URBAN

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