Mittwoch, 27.01.2021

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Gebete von Nick Cave: Sänger veröffentlicht Oper

Der australische Sänger setzt neoklassische Lockdown-Oper in Szene - 01.12.2020 15:53 Uhr

Szene aus dem Konzertfilm "Idiot Prayer - Alone at Alexandra Palace", für den Songwriter-Ikone Nick Cave seine Songs ganz allein am Piano eingespielt hat.

01.12.2020 © Joel Ryan/dpa


Verehrer dieses großartigen Sängers müssen sich für "L.I.T.A.N.I.E.S. written by Nick Cave & Nicholas Lens" umstellen. Denn dies ist eine ambitionierte, gleichwohl gewöhnungsbedürftige Neoklassik-Platte, auf der diverse Vokalisten (darunter nicht Cave selbst) und ein Kammerorchester zwölf "Litaneien" des 63 Jahre alten Australiers aufführen.

Der Songpoet hat die Texte speziell für ein neues Vokalwerk des gleichaltrigen Belgiers Nicholas Lens geschrieben. Die Litaneien seien "eine reine Form der Poesie", sagt Lens – ein "lyrischer Minimalismus, der in Trance versetzen kann". Und auf einen so entspannten Zustand zielen auch die Kompositionen des Brüsselers. Zu Beginn der Pandemie hatten sich die beiden so unterschiedlichen Musiker in derselben Situation wiedergefunden: Lens' Opern waren abgesagt, Caves Nordamerika- und Europa-Konzerte mit seiner Band The Bad Seeds auf 2021 verschoben worden.

Nick Cave wie man ihn kennt. Jetzt hat der australische Rockmusiker und Autor ein neo-klassisches Album mit seinem belgischen Kollegen Nicholas Lens gemacht: Eine „Lockdown-Oper“.

01.12.2020 © Ferdy Damman


Lens und Cave hatten zuvor schon bei der Oper "Shell Shock" (2014) zusammengearbeitet. Der Sänger erinnert sich: "Meine Welttournee war abgesagt, und ich trieb verloren in einem seltsamen Gefühl des Unbehagens, zugleich apokalyptisch und langweilig. Nicholas rief mich an und fragte, ob ich zwölf "Litaneien" schreiben könnte. Ich sagte sofort zu, schlug nach dem Gespräch als erstes nach, was eine Litanei ist – eine Abfolge von religiösen Bittgebeten – und erkannte, dass ich zeit meines Lebens nichts anderes geschrieben habe."

Die Stücke, so Cave weiter, seien "Bittgebete an einen göttlichen Schöpfer um eine kosmische Antwort" und "eine einstündige tranceartige Reise, eine fantastische Fahrt, die den Zuhörer durch seltsame Regionen führt". Erhellende Antworten und tolle Reisen - beides kann man in dieser komplizierten Zeit brauchen.

Werner Herpell dpa

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