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George Benson am Dechsendorfer Weiher

"Give me the Night": Der legendäre US-Gitarrist brachte das Publikum bei "Jazz am See" zum Tanzen - 22.07.2019 17:37 Uhr

Mit seinem Vorbild George Benson (Mitte) spielt Torsten Goods auf Augenhöhe. Der Meister selbst hat mächtig Spaß dabei. © Foto: Rainer Windhorst


George Benson scheint große Stücke auf seinen Erlanger Kollegen Torsten Goods zu halten. Nicht nur dass er dessen Einladung zu "Jazz am See" gefolgt ist und am Dechsendorfer Weiher bei Erlangen einen von nur zwei Deutschland-Auftritten in diesem Jahr spielt. Als die beiden Musiker zum fulminanten Finale des Abends dann gemeinsam auf der Bühne jammen, kommt der legendäre amerikanische Meister-Gitarrist und Sänger, der Jazz und Pop-Musik so geschmeidig zusammenführt, aus dem Strahlen fast nicht mehr heraus. Und die Begeisterung des mittlerweile 76-Jährigen gilt vor allem Goods´ Gesang und Gitarrenspiel.

Dass der 38-jährige Gastgeber, der nun zum fünften Mal Star-Musiker fürs Open-Air-Konzert ans idyllische Seeufer holte, auf Augenhöhe mit den internationalen Größen des Jazz zu spielen vermag, beweist er schon im ersten Set. Seiner bewährten Band – mit den Erlangern Jan Miserre und Christian von Kaphengst an Klavier und Bass sowie Felix Lehrmann aus Berlin am Schlagzeug – fügt diesmal der Kölner Perkussionist Alfonso Garrido eine markante Klangfarbe hinzu. Als erster Stargast des Abends ist der ungarische Saxophonist Tony Lakatos mit von der Partie.

Zusammen führt das Sextett mit Kompositionen von Goods und Lakatos mal balladig, mal funky, mal als fetzige Latin-Nummer vor, wie leicht und mitreißend es sein kann, wenn sich ausgebuffte, leidenschaftliche Könner zum Musikmachen auf hohem Niveau treffen – ohne große Absprachen und mit viel Spaß. Nicht ganz so locker und überzeugend ist da die schwedische Jazz-Sängerin Viktoria Tolstoy, die ihre Coversongs mit makellosem Gesang, aber etwas unterbeseelt präsentiert. Erst viel später – im Duett mit George Benson – blitzt kurz auf, welch kernige Power in ihrer Stimme steckt.

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Am Ende ist es ohnehin der bestens gelaunte Amerikaner, der allen die Show stiehlt. Dabei sieht es zu Beginn seines Sets gar nicht danach aus. Die ersten Songs spult der Meister, der die größten Erfolge mit seiner unangestrengten Fusion aus Jazz, R’n’B, Soul, Disco und Pop in den 70er und 80er Jahren feierte, bei perfekt austariertem, glasklarem Sound noch ziemlich uninspiriert ab. Ganz so als wäre in den vergangenen 40 Jahren nicht viel passiert, wirken die Arrangements von Klassikern wie "Nothing’s Gonna Change My Love for You", "In your Eyes", "Feel like making love" oder dem durch Whitney Housten bekannt gewordenen Titel "Greatest Love of All" wenig aufregend und wie aus der Zeit gefallen. Schade auch, dass keine Bläser an Bord sind, sondern das Keyboard oft deren Parts übernimmt.

Das Publikum eröffnet trotzdem zielstrebig den Dancefloor vor der Bühne, und spätestens bei "Give me the Night" beginnt die Party. Benson, der sich zuvor gesanglich von seiner Perkussionistin unterstützen ließ, ist mit einem Mal voll da. Und als zum unwiderstehlich treibenden "On Broadway" auch die Musiker des ersten Sets dazukommen, macht Torsten Goods sowohl beim Scattgesang wie an der Gitarre klar, dass er ein ebenbürtiger Partner Bensons ist.

Klassik am See mit Nigel Kennedy am 24. Juli, 20 Uhr. 

BIRGIT NÜCHTERLEIN

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