Police Simulator

Grand Theft Auto war gestern: Heute ist man Streifenpolizist

21.7.2021, 17:18 Uhr
Auffahrunfall an der Kreuzung: Jetzt muss der Spieler als Streifenpolizist seinen Mann stehen – oder seine Frau.

Auffahrunfall an der Kreuzung: Jetzt muss der Spieler als Streifenpolizist seinen Mann stehen – oder seine Frau. © Screenshot Aesir Interactive, NNZ

Herr Schneider, in der bekannten Computerspiel-Reihe "Grand Theft Auto" kann ich als Kleinkrimineller Autos klauen, mit Drogen handeln und überhaupt so gut wie jedes Verbrechen begehen – alles im Sinne des Spiels. Warum sollte ich jetzt bei Ihrem Spiel auf die Seite der Polizei wechseln?

Die Spiele unterscheiden sich auf jeden Fall. Die Assoziation zwischen den beiden ist aber natürlich gegeben, weil ich einen Charakter steuere und in beiden Spielen die gleiche Position der Kamera habe, die sich in der Regel ein wenig hinter der Figur befindet. Und ich habe auch eine offene Welt, die in den USA angesiedelt ist und in der ich mich frei bewegen kann, das stimmt.

Aber?

Es gibt sehr viele Leute, die sich nicht für das Leben eines Kriminellen, sondern für die Polizei und deren Arbeit begeistern – tatsächlich auch echte Polizisten, die ihre Arbeit gerne in einem Setting erleben wollen, das sich von dem unterscheidet, was sie aus ihrem Alltag in Deutschland kennen. Unser Police Simulator spielt ja in einer US-Großstadt. Außerdem sind wir eine Simulation. Wir wollen daher alles, von der Umgebung, dem Verkehr, den Passanten bis zu den eigenen Handlungsoptionen, so realistisch und authentisch wie möglich abbilden.

Was ist denn das spektakulärste Verbrechen, das mir hier als Polizist begegnen kann? Treffe ich auf die Mafia? Oder stelle ich nur Strafzettel aus?

Anfangs wollen wir das Alltägliche zeigen, um den Spieler nach und nach heranzuführen. Und es ist eben nicht alltäglich, dass ein Polizist rund um die Uhr mit schwerbewaffneten Verbrechern zu tun hat. Hier unterscheiden wir uns ganz bewusst von der Darstellung, wie man sie zum Beispiel aus Kinofilmen oder Serien kennt. Strafzettel ausstellen ist auch nur ein Aspekt der Polizeiarbeit, es gibt für die virtuellen Beamten einiges zu tun.

Zum Beispiel?

Das sind verschiedene Systeme im Spiel. Es ist alles miteinander verkettet: Ich sehe jemanden, der bei Rot über die Straße geht, und spreche ihn an. Er sagt: Sorry, kommt nicht wieder vor. Dann sehe ich, dass diese Person erweiterte Pupillen hat. Das macht mich als Polizist stutzig. Wenn ich einen Verdacht habe, darf ich die Person durchsuchen. Und vielleicht flieht sie. So wird aus etwas Alltäglichem eine Fluchtsituation. Ich renne hinterher, lege der Person Handschellen an. Oder ich werde zu einem Verkehrsunfall gerufen und finde eine zunächst unübersichtliche Situation mit mehreren Beteiligten vor. Eventuell gibt es sogar Verletzte, die einen Rettungswagen benötigen. Ist dieser gerufen, muss ich mich an die Aufklärung machen: Wer ist der Verursacher? War jemand einfach nur unaufmerksam, zu schnell unterwegs oder sind sogar Drogen oder Alkohol im Spiel? Auch hier achte ich auf viele verschiedene Hinweise, die mir diese Fragen beantworten sollen.

Das heißt: Kein Mord, kein Totschlag?

Wir haben schon Momente im Spiel, in denen ich einen Raub auflöse oder die Opfer eines Streits vorfinde, bei dem es zu Handgreiflichkeiten gekommen ist. Auch hier muss ich mit Zeugen interagieren, um mit den Hinweisen die Tatperson zu finden und festzunehmen. Aber immer in der Rolle des Streifenpolizisten – nicht eines Detective der Mordkommission. Das ist ein komplett anderer Berufszweig.

Kann ich als Streifenpolizist die Regeln des Spiels auch verletzten? Sprich: Ich habe schlechte Laune und verhaue einen Passanten mit dem Schlagstock?

Du kannst Regeln verletzten. Du solltest es aber vermeiden. Gewaltanwendungen werden von unserem Spiel hart geahndet.

Und wie?

Das System funktioniert so, dass Du Verhaltenspunkte hast. Wenn Du Dich falsch verhältst, bekommst Du Punkte abgezogen. Wenn ich etwa eine Person völlig grundlos mit meiner Dienstwaffe erschieße, werden mir sofort alle Verhaltenspunkte abgezogen. Das ist Polizeibrutalität und das Spiel damit für mich an dieser Stelle vorbei. Ich muss meine Schicht nochmal neu starten. Verhaltenspunkte kann man auch in weniger extremen Situationen verlieren: Zum Beispiel, wenn man eine rote Ampel überfährt oder unberechtigt ein Auto abschleppen lässt. Dann sind nicht gleich alle Punkte weg, aber Du schneidest in der Tagesbilanz deiner Schicht schlechter ab. Dadurch wollen wir die Spieler auch von dem GTA-Gedanken weglenken, dass man alle Gesetze brechen darf – und hin dazu, gute Polizisten zu sein.

Hat das Spiel eine politische Facette? Wenn ich als Polizist zum Beispiel nur schwarze Personen kontrolliere?

Das ist ein sehr wichtiges Thema, weshalb wir lange überlegt haben, ob und wie wir Racial Profiling verhindern oder ahnden können. Ein Großteil der Games-Community hat da zum Glück die richtige Einstellung, nämlich, sie lehnt dieses Verhalten ab. Aber Ausreißer wird es natürlich geben. Wir können auch nicht alle Situationen ahnden. Das ist technisch gar nicht möglich. Ähnlich wie bei der Polizeibrutalität haben wir aber darauf geachtet, dass der Spieler aus einem solchen Auftreten zumindest keine Vorteile ziehen kann und damit auch nicht den Anreiz dazu erhält.

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