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Heute kehrt 007 zurück: Alles, was Sie über James Bond wissen müssen

30.9.2021, 06:49 Uhr
Frauen wollen ihn, Männer wollen sein wie er.

Frauen wollen ihn, Männer wollen sein wie er. © imago images/ZUMA Press, NNZ

Kommende Woche ist Bond-Woche. „Keine Zeit zu sterben“ läuft ab Donnerstag in den Kinos. Es ist der 25. Teil der Reihe um den legendären britischen Geheimagenten mit der Nummer 007. Während die Vorfreude steigt, werfen wir einen Blick zurück auf fast 60 Jahre Bond. Mit einer streng subjektiven Sammlung von Superlativen.

Die teuflischsten Bösewichte

Alle Bond-Bösewichte haben eines gemeinsam: Sie töten ohne Skrupel. Die Serie ist nicht gerade bekannt für die subtilen Zwischentöne, die Welt ist meist schön ordentlich geteilt in Schwarz und Weiß. Der Gute tötet zwar auch, aber er tut es schließlich für Ihre Majestät die Queen und den Rest der freien Welt.

Sophie Marceau hat Bond in der Mangel.

Sophie Marceau hat Bond in der Mangel. © imago stock&people, NNZ

Großartige Schauspieler wie Christopher Walken, Christopher Lee oder Robert Carlyle durften den 007-Widerpart spielen, aber drei Bösewichte stechen besonders heraus. Platz 3 geht an Javier Bardem, der in "Skyfall" (2012) als Raoul Silva ein einzigartiges Kunststück vollbringt: Er gewinnt! Den ganzen Film lang versucht er, Geheimdienstchefin M umzubringen – und am Ende ist M tot. Silva geht zwar auch dabei drauf, aber suizidal ist er von Anfang an. Mission erfüllt, könnte man sagen.

Platz 2 holt sich Sophie Marceau als Öl-Erbin Elektra King in „Die Welt ist nicht genug“ (1999). Eine Frau als zweitbösester Bösewicht? Yes, indeed. Das Perfide ist Kings erstaunliche Wandlung. Sie ist zunächst die Gute. Dann ist sie die Gute, die unfreiwillig dem Bösen verfallen ist – Stockholm-Syndrom. Doch am Ende zeigt sie ihr wahres Gesicht: Sie hat den durchgeknallten Fiesling Renard die ganze Zeit nur benutzt für ihre Rache. Teuflisch! Bond würde niemals eine wehrlose Frau töten, denkt sie, und versucht abzuhauen. Aber Bond erschießt sie. Marceau ist die Idealbesetzung für diese gar nicht schwarz-weiß gezeichnete Schurkin.

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Der fieseste aller Bond-Gegner aber ist und bleibt Gert Fröbe. Er gibt als exzentrischer Millionär Auric Goldfinger dem dritten und vielleicht besten Film der Reihe seinen Titel: Goldfinger (1964). Fröbe spielt mit einer kindlichen Freude am Bösen, gepaart mit der Straßenschläue des Selfmademan. „Erwarten Sie, dass ich rede?“, fragt der auf die Teufelsmaschine geschnallte Bond ihn. „Nein, Mr. Bond, ich erwarte von Ihnen, dass Sie sterben.“

Legendärer Bösewicht: Gert Fröbe als Auric Goldfinger.

Legendärer Bösewicht: Gert Fröbe als Auric Goldfinger. © imago images / United Archives, NNZ

Die trockensten Sprüche

Womit wir bei den Sprüchen wären. Keiner ist so schlagfertig wie Bond. Er bestellt seinen Wodka Martini geschüttelt, nicht gerührt. Er stellt sich vor mit: „Mein Name ist Bond. James Bond.“ Aber das sind nur die Running Gags.

In „Leben und sterben lassen“ (1973) gibt er etwa diese zeitlose Lebensweisheit von sich: „Morgenstund ist aller Laster Anfang.“ In „Sag niemals nie“ (1984) entschuldigt sich eine Schönheit bei ihm: „Wie ungeschickt von mir, ich habe Sie ganz nass gemacht.“ Bond antwortet: „Ja, aber mein Martini ist noch trocken. Das ist die Hauptsache.“

In „Feuerball“ (1965) urteilt Bond: „Ein schönes Gewehr. Passt eigentlich mehr zu einer Frau.“ Woraufhin ihn Bösewicht Emilio Largo fragt: „Verstehen Sie etwas von Waffen, Mr. Bond?“ Die Replik: „Nein, aber von Frauen.“

Moment mal, was klingelt denn da? Ah, mein interner Sexismus-Alarm. Schnell noch einen Spruch: Bond-Freund Tanaka behauptet in „Man lebt nur zweimal“ (1967): „In Japan kommen die Männer zuerst, die Frauen als zweite.“ Was Bond zu der Prognose veranlasst: „Hier werde ich mich einmal zur Ruhe setzen.“ So, das reicht jetzt aber wirklich.

Die beeindruckendsten Bond-Girls

Spitze. Gerade dem einen Sexismus-Thema entkommen, da wartet das nächste. Aber: Man muss Bond-Girls nicht nach Schönheit oder Sex-Appeal bewerten. Es gab durchaus facettenreiche Frauenfiguren, die weit mehr zur Franchise beigetragen haben als nur ihr gutes Aussehen.

Grace Jones etwa, sie spielt die May Day in „Im Angesicht des Todes“ (1985). Die Rolle kann man kritisch sehen. May Day ist ein gut aussehendes, mit übermenschlichen Kräften ausgestattetes, die Peitsche schwingendes Mannweib, das natürlich trotzdem mit Bond ins Bett steigt (sie liegt allerdings oben). „Überzeichnet“ ist wohl der richtige Ausdruck.

Grace Jones

Grace Jones © afp

Aber May Day ist auch eine starke, schwarze Frau, die eine Schlüsselrolle in einem Blockbuster der 80er Jahre spielt. Immerhin. Und nachdem May Day vom fiesen Zorin verraten wird, wechselt sie auf die gute Seite. Sie zündet den Sprengsatz, der zur Überflutung von Silicon Valley führen soll, außerhalb des dafür ausersehenen Minenschachts, stirbt dabei und rettet damit einige stinkreiche Mikrochip-Produzenten. Es sei ihr gedankt.

Die Frau mit dem wohl größten Einfluss auf Bond ist jedoch Vesper Lynd, gespielt von Eva Green in „Casino Royale“ (2006). Die Reihe war mit Pierce Brosnan als Bond zuvor an einem toten Punkt angelangt. Action, coole Sprüche, bizarre Story, mehr Action, und dann noch ein bisschen mehr Action. Das immergleiche Rezept hatte ausgedient, Bond sollte neu erfunden werden.

So bekommt Bond in Casino Royale, erstmals von Daniel Craig verkörpert, eine emotionale Seite: Er verliebt sich in Vesper Lynd und will ihretwegen seinen Job aufgeben. Doch Lynd hat ihn getäuscht. Zwar deshalb, weil sie erpresst wurde, aber dennoch. Lynd stirbt und Bond wird der Chauvinist, den wir kennen.

Eva Green

Eva Green © imago/ZUMA Press, NNZ

Die knallharte Schale, alles nur wegen einer enttäuschten Liebe. Man hat das Gefühl, dass die Produzent*innen in der heutigen Zeit einfach nicht damit leben konnten, dass Bond Frauen ohne Grund schlecht behandelt. Jedenfalls spielt Eva Green eines der weniger auffälligen, weniger spektakulären Bond-Girls, gleichzeitig aber die wohl einflussreichste Frau in der Reihe – deren Tod auch im neu anlaufenden Bond wieder eine Rolle spielen soll.

Nochmal zurück zum Thema Sexismus. Da gibt es besonders in den Bond-Filmen der 60er und 70er Jahre gruselige Szenen. „Nein heißt Nein“ ist ein Konzept, das Bond fremd ist. Das tut aus heutiger Sicht manchmal weh, man muss sich den Spaß an den Filmen deshalb aber nicht ganz nehmen lassen. Es gibt wahrscheinlich überhaupt keinen Kinofilm der 60er und 70er Jahre, der völlig ohne Sexismus auskommt – eine patriarchale Gesellschaft spiegelt sich notgedrungen im Kino wider.

James Bond und die Frauen: Gerade in den älteren Filmen ist es manchmal gruselig, wie 007 das andere Geschlecht behandelt. Hier - mit Shirley Eaton in

James Bond und die Frauen: Gerade in den älteren Filmen ist es manchmal gruselig, wie 007 das andere Geschlecht behandelt. Hier - mit Shirley Eaton in "Goldfinger" - ist die Welt in Ordnung. © imago stock&people, NNZ

Die halsbrecherischsten Verfolgungsjagden

Zurück zu leichteren Themen. Über Autos müssen wir hier nicht reden, auch wenn man bei manchen Bond-Szenen denken könnte, man wäre in „The Fast and the Furious“ gelandet. Autos sind langweilig. Bond hat sich Verfolgungsjagden geliefert im Hubschrauber, im Flugzeug, zu Pferd, im Luftkissenboot, mit einem Jetpack, auf dem Snowboard, in einem amphibischen Lotus Esprit, in einer aufgepimpten venezianischen Gondel oder auf einem Surfboard zwischen einstürzenden Eisbergen in einem arktischen Tsunami.

Legendär ist die Szene in Goldeneye (1995), als Bond hinter dem flüchtenden Wagen mit einem Panzer durch die Wand bricht. Den bösen General Orumov erschreckt er so sehr, dass dieser einen Schluck aus seinem Flachmann nehmen muss. Auf der Jagd zerstört er dann natürlich einige Häuser und zahllose Autos – am Ende richtet er seine Krawatte.

Die Motorrad-Verfolgungsjagd im Großen Basar in Istanbul („Skyfall“) ist großartig, genauso wie die Parkour-Tour über eine Baustelle in „Casino Royale“. Einmal auf den Kran in schwindelerregende Höhe klettern und dann mit drei gigantischen Sätzen wieder hinunter – aber immer schön abrollen. In „Octopussy“ (1983) entkommt Bond mit einem Leichtflugzeug einer wärmesuchenden Flugabwehrrakete, indem er eine scharfe Rechtskurve fliegt. Don‘t try this at home.

Die vielleicht schönsten Jagden lieferte sich Bond aber im Schnee. Ski-Legende und Modezar Willy Bogner sorgte bei vier Bond-Filmen zwischen 1969 und 1985 an der Kamera für atemberaubende Bilder. Auf die Spitze treibt er es in „In tödlicher Mission“ (1981). Es ist die wohl einzige Szene der Filmgeschichte, in der ein Vierer-Bob, ein Skifahrer und ein Motorradfahrer mit Höchstgeschwindigkeit gleichzeitig eine Bobbahn hinuntersausen.

Die exotischsten Arten, wie Bond getötet werden soll

James Bond sollte: von Krokodilen gefressen werden; von einer giftigen Spinne gebissen werden; beim Sex mit einer Beinschere erwürgt werden; auf einer Dehnungsbank in einem Erholungshotel, äh, erdehnt werden; mit einer Bombe in einem sowjetischen Panzerzug in die Luft gesprengt werden. Und eine besonders fiese Zeitgenossin namens Rosa Klebb wollte ihn mit einem vergifteten Damenschuh-Schnappmesser abstechen. Es gab sicher noch zahlreiche weitere Arten, aber irgendwo hat die Recherche auch ein Ende. Der Autor dieser Zeilen hätte gerne die vergangene Arbeitswoche damit verbracht, alle 24 Bond-Filme nochmal anzusehen. Sein Vorgesetzter hatte andere Pläne.

Der beste Bond-Darsteller

Womit wir bei der meistdiskutierten Frage angelangt sind. Man kann ein Buch darüber schreiben, oder es kurz machen. Kein Bond-Darsteller war wirklich schlecht oder unpassend, auch nicht die Kurzarbeiter Dalton und Lazenby. Aber einer war besser als alle anderen, und der heißt Sean Connery. Punkt.

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