Donnerstag, 12.12.2019

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Hofer Fimtage: Auftakt mit Tobias Moretti

Morgen startet das Entdecker-Festival mit dem Film "Baumbacher Syndrome" - 21.10.2019 11:30 Uhr

Mit „Baumbacher Syndrome“ starten die Hofer Filmtage. Darin muss sich ein Late Night Show-Moderator (Tobias Moretti, rechts) der Vergangenheit stellen. Bis 27. Oktober werden 140 weitere Filme gezeigt. © Foto: Kimotion Pictures/Kinescope Film


Das Entdeckerfestival richtet den Blick dabei vor allem auf den deutschen Kino-Nachwuchs, für den Hof die wichtigste Plattform nach der Berlinale ist.

Dass auch die jungen Filmemacher regelmäßig renommierte Stars vor die Kamera locken, zeigt schon der Eröffnungsfilm: In "Baumbacher Syndrome" von Gregory Kirchhoff spielt Tobias Moretti einen Late Night Show-Moderator, der sich nach Spanien zurückzieht, wo er sich unerwartet seiner verdrängten Vergangenheit stellen muss.

Klingt nach düsterem Stoff, doch Thorsten Schaumann, Nachfolger des 2016 verstorbenen, legendären Festivalleiters Heinz Badewitz, verspricht einen "witzigen und feinfühligen Film", dessen Protagonist gezwungen werde, das "Kabinett der Eitelkeiten" zu verlassen. Sein Händchen dafür, ernste Themen mit Humor anzureichern, hat der 27-Jährige Kirchhoff schon in "Ostfriesisch für Anfänger" bewiesen.

Die Wirren der Wende

Bevor sich der Fall der Berliner Mauer am 9. November zum 30. Mal jährt, blicken in der einstigen Grenzstadt mehrere Filme auf die Hürden der Wiedervereinigung zurück, darunter "Im Niemandsland" von Florian Aigner. Der Film siedelt die Liebesgeschichte zweier Jugendlicher in den Wirren der historischen Ereignisse 1990 an, als der Streit um den Umgang mit enteigneten Häusern alte Wunden zwischen Wessis und Ossis aufbrechen lässt.

Andere Filme kreisen um politische Schicksale, schwierige Liebesbeziehungen und moderne, nicht minder komplizierte Familienverhältnisse. Auch Kriminalität ist ein wichtiges Thema. Für Diskussionsstoff dürfte dabei "Die Rüden" von Connie Walther sorgen. Im Zentrum stehen vier junge Gewaltstraftäter, die in der Haftanstalt mit Kampfhunden arbeiten. Ihre Trainerin ist überzeugt davon, dass der Kreislauf der Gewalt nur durchbrochen werden kann, wenn Aggressionen ausgelebt werden dürfen.

Mit Max Riemelt, Luise Heyer und Joel Basman stark besetzt ist "Kopfplatzen" von Savas Ceviz. Riemelt spielt darin den Architekten Markus, der mit seiner Pädophilie ringt. Als sich seine neue Nachbarin in ihn verliebt und auch ihr achtjähriger Sohn Vertrauen zu ihm fasst, gerät Markus in einen emotionalen Konflikt, an dem er fast zerbricht.

Die Dokumentarfilme sind nah an den großen Problemen unserer Zeit. Es geht um den Klimawandel und den Kampf um Gleichberechtigung, um Flüchtlingsgeschichten, um das Leben von Heimkindern und Obdachlosen. Zudem darf man sich auf viele Künstlerporträts freuen. In "Suzi Q." von Liam Firmager treten neben der Rocklady Wegbegleiter wie Alice Cooper und Debbie Harry auf. In die schrille Welt des fränkischen Künstlerrebellen Blalla W. Hallmann taucht "Die frohe Botschaft" von Jean-Baptiste Filleau ein.

Dokufiction von Werner Herzog

Zu den Highlights im internationalen Programm gehören sicher "Family Romance, LLC" von Werner Herzog, der für seine Dokufiction über ein Unternehmen, das menschliche Stellvertreter für die Bedürfnisse seiner Kunden vermietet, erstmals in Japan drehte, und "The Perfect Candidate" von Haifaa Al Mansour. Der Film feierte seine Weltpremiere beim Festival in Venedig und erzählt von einer saudischen Ärztin, die sich als Stadtratskandidatin politisch Gehör verschaffen will.

Die Retrospektive ist dem irakisch-schweizerischen Filmemacher Samir gewidmet, der in Hof auch seinen neuen Film "Baghdad In My Shadow" vorstellt. Um Themen, die der Filmbranche auf den Nägeln brennen, geht es beim 2017 neu eingeführten Format "HoF Plus". Diesmal wird unter anderem über die Filmszene in Franken, ihre Chancen und Herausforderungen diskutiert und über die Filmauswertung im Zeitalter von Netflix und Co.

Zu den acht Preisen, die bei den Filmtagen vergeben werden, gehört seit dem Jahr 2018 auch der "Hofer Goldpreis", finanziert von der Friedrich-Baur-Stiftung in Erinnerung an Heinz Badewitz und glänzend dotiert: mit einem Goldbarren im Wert von 35 000 Euro.

Infowww.hofer-filmtage.com

REGINA URBAN

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