Umkämpfte Grünanlage

Im Nürnberger Stadtpark ist der Frosch kein König

4.9.2021, 09:39 Uhr
Welche Hand hat wohl nach dem Frosch im Nürnberger Stadtpark gegriffen und ihn entwendet? Die Hand auf diesem Bild gehört jedenfalls zum Faun und damit zu der Skulptur.

Welche Hand hat wohl nach dem Frosch im Nürnberger Stadtpark gegriffen und ihn entwendet? Die Hand auf diesem Bild gehört jedenfalls zum Faun und damit zu der Skulptur. © Mathias Orgeldinger / Tiergarten Nürnberg

Nürnberg ist nicht nur knapp bei Kasse, sondern hat auch wenig Grünflächen. Entsprechend überfüllt geht es in den kleinen grünen Lungen zu. Eine dieser heftig genutzten, um nicht zu sagen umkämpften Zonen ist der Stadtpark.

Getrenntes Paar: Die Skulptur

Getrenntes Paar: Die Skulptur "Faun und Frosch" im Nürnberger Stadtpark, bevor der Frosch entwendet wurde. © Mathias Orgeldinger / Tiergarten Nürnberg

Dort müssen sich den engen Raum die Jogger, die Hundeausführer, die Radfahrer, die Väter und Mütter mit spielenden Kindern, die Yoga- und Fitness-Leute, die Sandler, die Tischtennisspieler, die Zwischen-Bäumen-Balancierer, die Jongleure, Frisbeespieler und der Rest an schlicht spazierengehenden oder sonstwie Müßiggang treibenden Mitmenschen teilen.

Bunter Ersatz: Unbekannte haben einen knallblauen Frosch an die Stelle gesetzt, an der der Original-Frosch verschwunden ist. Ob das den Faun trösten kann?

Bunter Ersatz: Unbekannte haben einen knallblauen Frosch an die Stelle gesetzt, an der der Original-Frosch verschwunden ist. Ob das den Faun trösten kann? © Katharina Wasmeier

Den Stadtpark zu erweitern wäre ungefähr genauso schwierig und teuer, wie einen neuen Standort für ein neues Opernhaus zu finden. Also bleibt alles beim Alten, auch wenn der Stadtpark jetzt teil-umgestaltet wird. Dieses Wort selber schon spricht Bände und meint eigentlich „nichts Halbes und nichts Ganzes“.

Er wird doch wohl nicht? Nein, dieser Frosch im Fürther Stadtpark hat nichts mit dem Frosch im Nürnberger Stadtpark zu tun, auch wenn er ihm sehr ähnlich sieht. 

Er wird doch wohl nicht? Nein, dieser Frosch im Fürther Stadtpark hat nichts mit dem Frosch im Nürnberger Stadtpark zu tun, auch wenn er ihm sehr ähnlich sieht.  © NN

Immerhin hat man dabei bemerkt, dass eine Froschskulptur, die sich neben einem Faun befand, abhanden gekommen ist. Denn im Stadtpark gibt es in der Enge auch noch öffentlichen Raum beanspruchende Kunstwerke. Und manche davon werden immer mal wieder gerne geklaut, auch wenn einige, wie zum Beispiel der Neptunbrunnen, zum Glück zu groß und zu schwer für solche Untaten sind.

Schlecht gelaunter Erpel. Im Nürnberger Stadtpark ist manchmal so viel los, dass nicht einmal die Enten Ruhe finden. Diese männliche Stockente beobachtete jedenfalls ihre Umgebung genau. 

Schlecht gelaunter Erpel. Im Nürnberger Stadtpark ist manchmal so viel los, dass nicht einmal die Enten Ruhe finden. Diese männliche Stockente beobachtete jedenfalls ihre Umgebung genau.  © Timm_Schamberger

Aber der Frosch im Park ist nun weg, bei einigen sind Wut und Trauer darüber groß, andere haben nun schon quietschbunte Ersatzfrösche dort aufgestellt - und wer weiß, auf welche Ideen Vervielfältigungskünstler Ottmar Hörl noch kommt. Frösche hat er natürlich auch im Portfolio.

Dieser Erpel ist auch schwer beschäftigt: Er schwimmt zwischen schwarzen Kunst-Fröschen, die der Künstler Ottmar Hörl zu Installation

Dieser Erpel ist auch schwer beschäftigt: Er schwimmt zwischen schwarzen Kunst-Fröschen, die der Künstler Ottmar Hörl zu Installation "Froschkönig - Warten auf die Prinzessin" vereint hat. Allerdings nicht im Nürnberger Stadtpark, sondern in Darmstadt. © Arne_Dedert

Für solche Nöte, wie die vielen unterschiedlichen Interessen, die im Stadtpark aufeinander treffen und manchmal eine nicht unerhebliche Reibung erzeugen, böte sich, angesichts der Geld- und Platzknappheit der Stadt, eigentlich ein sehr kluger und moderner Ausweg: Augmented Reality.

Aber auch Solo-Frösche hat Vervielfältigungskünstler Ottmar Hörl im Angebot. Eine Ersatzlösung für den verschwundenen Stadtpark-Frosch?

Aber auch Solo-Frösche hat Vervielfältigungskünstler Ottmar Hörl im Angebot. Eine Ersatzlösung für den verschwundenen Stadtpark-Frosch? © Ottmar Hörl

Dann könnten sich alle Stadtparkbenutzer 3D-Brillen aufsetzen und darin ihren Wunschpark erblicken. Mit Bronzefröschen oder noch viel spektakuläreren Kunstwerken; einem Biergarten, der diesen Namen verdient; einem Skaterpark; grünen, unberührten Wiesen ohne Hundehaufen; toll ausgestatteten Super-Spielplätzen usw. Und nicht zuletzt: der gestohlene Frosch wäre wieder da!

Noch da: Die Marmorvase im Stadtpark erinnert an das 1. Deutsche Sängerfest, das 1861 auf dem Maxfeld veranstaltet wurde: Mit immerhin 5.600 Sängern und rund 15.000 Zuschauern.

Noch da: Die Marmorvase im Stadtpark erinnert an das 1. Deutsche Sängerfest, das 1861 auf dem Maxfeld veranstaltet wurde: Mit immerhin 5.600 Sängern und rund 15.000 Zuschauern. © Foto: Dieter Wegener

Der virtuellen Realität wären, anders als der städtischen, keine Grenzen gesetzt. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen ihre Umgebung nur noch wie eine Art Benutzeroberfläche wahrnehmen, würde auch niemand mehr etwas vermissen. Nämlich die Ruhe, die so ein Park ausstrahlen kann, wenn man ihn einfach nimmt, wie er ist und dabei seine Seele baumeln lässt.

Mit einer Virtual-Reality-Brille könnte sich jeder und jede den Stadtpark schön schauen. Man könnte zum Beispiel sich auch ansehen, wie der Stadtpark früher ausgesehen hat.

Mit einer Virtual-Reality-Brille könnte sich jeder und jede den Stadtpark schön schauen. Man könnte zum Beispiel sich auch ansehen, wie der Stadtpark früher ausgesehen hat. © Snap Inc.

Doch dieses eigentliche Nichts-Tun schafft heute fast niemand mehr, es ist wohl längst zu anstrengend geworden.

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