Mittwoch, 20.11.2019

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Käufer von Burdon-Tickets bleiben auf ihren Karten sitzen

Der US-Rockstar sagte seinen Tour-Auftritt mit Band in der Nürnberger Meistersingerthalle ab, der Veranstalter behauptet, er habe sich an alle Abmachungen gehalten. - 11.10.2019 14:54 Uhr

Auch mit 78 noch ein Haudegen des Rocks'n'Roll: Eric Burdon. © Suzanne Cordeiro (AFP)


So wie es derzeit ausschaut, werden all diejenigen, die sich Karten für das ausgefallene Eric-Burdon-Konzert am vergangenen Sonntag in der Nürnberger Meistersingerhalle gekauft haben, auf ihren Kosten sitzenbleiben. Auf der Homepage der veranstaltenden Agentur "Hohenstein Konzerte" heißt es zwar: "Für Informationen bezüglich der Rückabwicklung wenden Sie sich bitte an Ihre Ticketverkaufstelle."

Aber die sind in keinem Fall Vertragspartner, sondern nur Vermittler. So erläutert es Patrick Mändl vom Ticket-Back-Office des NN-Ticket-Corners, in dem u.a. die Eintrittskarten erworben werden konnten. "Wer bei uns die Konzertkarten für Eric Burdon gekauft hat, hat in dem Augenblick ein Rechtsgeschäft mit dem Veranstalter Hohenstein Konzerte und nicht mit uns abgeschlossen", erläutert Mändl, weshalb die örtlichen Ticket-Vertreiber nicht in der Verantwortung für die Erstattung der Ausgaben stehen.

Hintergrund für die Tour-Absage sind Ungereimtheiten bei der Honorierung. Monika Beherzig, Eigentümerin der im nordthüringischen Hohenstein angesiedelten Konzertagentur, behauptet, sie habe Burdon und seiner Band das vertraglich zugesagte Honorar von 25 000 US-Dollar pro Konzert tatsächlich ausgehändigt und will das mit einem überwiegend geschwärzten Beleg nachweisen.

"Wir haben Anzeige erstattet und die europäischen Polizeibehörden eingeschaltet", behauptet das Unternehmen, das sich überwiegend für Schmusesänger wie Semino Rossi oder volkstümliche Musikanten vom Schlage der Kastelruther Spatzen engagiert. Das Management von Burdon sei aber mit dem Geld stiften gegangen. Um 4.39 Uhr habe Eric Burdon die Tour am 1. Oktober per Social Mediaposting unvermittelt abgesagt, erklärt die Agentur.

Der 78-jährige Eric Burdon, der in der Vergangenheit schon häufig um seine Gage betrogen wurde, behauptet dagegen, nie einen Cent gesehen zu haben und stellte seinerseits Strafanzeige gegen die Thüringer Konzertagentur. Pikant an der Konstellation: Burdons Managerin ist seine eigene Ehefrau Marianna.

Der Nürnberger Konzertveranstalter Peter Harasim, der früher selbst Burdon-Konzerte promotete, wunderte sich jedenfalls über das Gebaren im Vorfeld des Burdon-Auftritts in Nürnberg: "Es gab keinerlei Werbung per Plakat, Inserat oder im Internet, auch keinen örtlichen Veranstalter oder irgendeine Pressemitteilung", sagt der Mitinhaber des Concertbüro Franken.

"Mir kommt das Unternehmen äußerst unseriös vor", unterstreicht Harasim und kann sich vorstellen, dass hier eine "gewollte" Pleite herbeigeführt wurde. Hohenstein Konzerte werben jedenfalls auf ihrer Homepage nach wie vor damit, dass sie zu den Veranstaltern von Burdon-Konzerten gehören.

JENS VOSKAMP

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