Gute Musik, für gute Laune

Keine Festivals? Nicht weinen! Hier sind 13 Alben für den Sommer 2021

10.6.2021, 10:49 Uhr
Rock’n’Roll ist, was man daraus macht. Zum Beispiel mit den 13 besten Alben für den Sommer – hier sind sie.
1 / 14
Keine Festivals? Nicht weinen! Hier sind 13 Alben für den Sommer 2021

Rock’n’Roll ist, was man daraus macht. Zum Beispiel mit den 13 besten Alben für den Sommer – hier sind sie. © dpa

...und fangen halt gleich mit den Hosen an. Die gehören seit Jahrhunderten zum festen Sommer-Festival-Inventar hierzulande - und auch, wenn man sie vielleicht gar nicht mal so gut findet, fehlt doch irgendwas, wenn sie nicht dabei sind. Auf ihrem Debüt
2 / 14
Gehören zum Inventar: Die Toten Hosen – Opel-Gang

...und fangen halt gleich mit den Hosen an. Die gehören seit Jahrhunderten zum festen Sommer-Festival-Inventar hierzulande - und auch, wenn man sie vielleicht gar nicht mal so gut findet, fehlt doch irgendwas, wenn sie nicht dabei sind. Auf ihrem Debüt "Opel-Gang" sind sie noch richtig unschuldig und machen darum richtig Spaß. © Philipp Rothenbacher

Muss irgendwann im Frühling und ich kurz vor der Volljährigkeit gewesen sein, als
3 / 14
Ohrenscheinlich cool: Beatsteaks – Smack Smash

Muss irgendwann im Frühling und ich kurz vor der Volljährigkeit gewesen sein, als "Smack Smash" rauskam. Genauer: "Hand in Hand", die erste Single. Davor kannte ich die Beatsteaks ausschließlich für ihren Song „Summer“ und hielt sie, weil der sich verdammt kalifornisch anhörte, für eine amerikanische Band. Bis heute ist mir nicht klar, wie eine deutsche Rock-Kapelle ohrenscheinlich so selbstverständlich cool klingen kann. Auf der Tour zum Album machten sie damals auch in meiner Gegend halt, ein betrunkenes Klopfen am Bandbus später signierten die Jungs aus Berlin unsere Shirts, Tickets, Arme, Bäuche – und bis heute liebe ich die Beatsteaks für diesen unvergesslichen Sommer (hab vergessen, ob`s 2004 oder 2005 war). "Smack Smash" holt ihn mir auch noch 2021 ganz selbstverständlich cool ins Wohnzimmer. © Philipp Rothenbacher

Kacke, dass
4 / 14
Kalifen von Kalifornien: Me First & The Gimme Gimmes – Blow In The Wind

Kacke, dass "Nothing Compares 2 U" (das Prince-Lied, dem Skinhead bzw. Sinéad O’Connor ihr Haus verdankt) nicht auf der Platte ist. Weil es eigentlich der beste Coversong der besten Coverband der Welt ist. Die Supergruppe des Fetten Mike von NOFX reiht in der Werkschau ihres Übernahmekommandos trotzdem so viele Unwiderstehlichkeiten aneinander, dass einem hinterher – ob in Badehosen am Sandstrand oder Jogginghosen auf dem Saufsofa - die Erleuchtung kommt: schneller gespielt und mit E-Gitarren wird selbst der schlappste Schlager zur hyperaktiven Hymne. Bleibt die Tatsache, dass Sommer-Punk am ehesten wirkt, wenn er nach Westküste riecht ("California Über Alles" wie Jello Biafra einst rotzte). Und Me First & The Gimme Gimmes sind seine Kalifen. © Philipp Rothenbacher

Wenn der große Bruder zehn Jahre älter und rockaffin ist, wird alles, was der kleine Bruder hört, erst mal herabgewürdigt. In meinem Fall waren das Blink 182.
5 / 14
Weltbester Kaugummi: Blink 182 – Enema Of The State

Wenn der große Bruder zehn Jahre älter und rockaffin ist, wird alles, was der kleine Bruder hört, erst mal herabgewürdigt. In meinem Fall waren das Blink 182. "Alles nur geklaut", hieß es dann, das Prädikat "Bubblegum" wurde vergeben und wahlweise Bad Religion, Pennywise, Lagwagon, Green Day oder andere große Melodie-Fetischisten des Punkrock bemüht (erstaunlicherweise aber nie The Offspring - er war wohl schon zu alt). Schlappe 22 Jahre nach "Enema Of The State" (sauber!) hat sich das Blatt dramatisch gewendet: Mein Bruder, seine Freunde und wir alle schmelzen dahin, wenn irgendein Song des Albums gespielt wird. Ich konnte nie Skateboard fahren, hatte aber ständig eins dabei. Schuld daran war diese Platte. Und heute? Macht sie immer noch jeden Sommer sommerlich. © Philipp Rothenbacher

Bisher arg punklastig und kalifornig, aye? Okay: Eigentlich sind die Stripes ja eine Winter-Band aus einer Stadt, in der die Sonne niemals scheint (Detroit), die Melancholie und Depression des Urwuchs-Blues tropft sogar aus ihren vermeintlich fröhlichsten Gassenhauern. Merke: je heiser Jack bei Stimme, desto kälter sein Herz. Nur ist es halt auch so, dass jeder, der die richtige Art von Ohren trägt, E-Gitarren braucht, um Sommer-Rock zu begreifen. Und
6 / 14
Warum auch nicht? The White Stripes - Elephant

Bisher arg punklastig und kalifornig, aye? Okay: Eigentlich sind die Stripes ja eine Winter-Band aus einer Stadt, in der die Sonne niemals scheint (Detroit), die Melancholie und Depression des Urwuchs-Blues tropft sogar aus ihren vermeintlich fröhlichsten Gassenhauern. Merke: je heiser Jack bei Stimme, desto kälter sein Herz. Nur ist es halt auch so, dass jeder, der die richtige Art von Ohren trägt, E-Gitarren braucht, um Sommer-Rock zu begreifen. Und "Elephant" – das Jack & Meg-Meisterwerk/Album für die Ewigkeit – ist eine Orgie, achwas, Ikone der elektrischen Gitarren-Musik. Jaja, Led Zeppelin hin oder her: Das hier ist der endgültige Triumphzug eines Instruments, das Jack White (im Gegensatz zu Jimmy Page) kaum kontrollieren oder beherrschen kann: Die Gitarre ist weiblich, sie beherrscht ihn, eine Domina, diese Gitarre regiert die Welt. Und "Elephant" bleibt zeitlos, jahreszeitlos, läuft außer Konkurrenz. Im Herbst, im Winter, im Frühling wie im Sommer. © Philipp Rothenbacher

Tja, man, ya, man: Marley war ein naiver Typ, so wie es viele Rastafaris sind. Wer seine Songs religiös auflädt – leider gibt es bis heute keine Religion, die völlig frei von beschissenen Dogmatismen wäre – muss wohl naiv sein. Und voller Widersprüche. Wie die Songs auf
7 / 14
Ya, man: Bob Marley & The Wailers – Exodus

Tja, man, ya, man: Marley war ein naiver Typ, so wie es viele Rastafaris sind. Wer seine Songs religiös auflädt – leider gibt es bis heute keine Religion, die völlig frei von beschissenen Dogmatismen wäre – muss wohl naiv sein. Und voller Widersprüche. Wie die Songs auf "Exodus": Die klingen so schön, so einfach, so erhaben. Naja, aber das tut die Musik von Wagner ja auch. Universeller Anspruch mit ausgrenzendem Flair? Ohne Worte wäre das Ganze in vielen Fällen besser gewesen. Nur: Ohne Worte hätten wir nicht Marleys Stimme gehört. Und die macht aus schon erstklassigem Reggae ein Stück Weltkulturerbe - aus dem die Sonne der Karibik bis in die finstersten Ecken der Erde scheint. Die zwei letzten Songs, "Three Little Birds" und "One Love", sprechen ganz simpel für sich. Bob singt sie für uns. © Philipp Rothenbacher

Ohne Reggae, ohne Ska: keinen Sting. Ohne Sting: keine Polizei. Und ohne The Police: keine Lieder wie
8 / 14
Das Sting aus einer anderen Welt: The Police – Greatest Hits

Ohne Reggae, ohne Ska: keinen Sting. Ohne Sting: keine Polizei. Und ohne The Police: keine Lieder wie "Message In A Bottle", "So Lonely", "Roxanne" oder auch und vor allem "De Do Do Do, De Da Da Da". Sting ist (bzw. war) immer dann am besten, wenn er seine Stimme so hoch schraubt, dass ihm das Hirn zu platzen droht – weil das, was dann zu hören ist, aus einer anderen Welt kommt. Fremd, vertraut, verohrwurmt. Ein Lagerfeuer in einer Sommernacht wird erst durch diese Platte perfekt. Sie glauben mir nicht? Probieren Sie`s einfach aus. Und gönnen Sie sich und Ihren Freunden zur Geisterstunde einen staubtrockenen Rotwein, so lässt sich "Every Breath You Take" am gehaltvollsten mitsingen. © Philipp Rothenbacher

Party-Dialog, Mitten im Sommer:
9 / 14
Schon kaputt: Hole – Live Through This

Party-Dialog, Mitten im Sommer: "Ist das nicht die Kaputte, die den Kurt gekillt hat?" "Eigentlich nicht." "Aber kaputt ist die doch?" "Denke schon. Vielleicht auch berechnend." "Naja, klingt trotzdem geil. Muss ich mir auch besorgen." So ist das, wenn man einem Kumpel Courtney Loves bestes Album vorspielt. Die Hülle hat die Party damals nicht überlebt, deshalb hier nur die blanke CD. Passt doch irgendwie, oder? © Philipp Rothenbacher

Was tun wir im Sommer? Schwitzen. Was tat James Brown beim Singen? Schwitzen. Wozu (oder -rein) bringt er uns beim Zuhören? … Ja-woll! Der erwiesenermaßen
10 / 14
SEX! Jetzt nachdem Ihre Aufmerksamkeit habe: James Brown – The Godfather

Was tun wir im Sommer? Schwitzen. Was tat James Brown beim Singen? Schwitzen. Wozu (oder -rein) bringt er uns beim Zuhören? … Ja-woll! Der erwiesenermaßen "hardest working man in show business" fordert mindestens genauso viel von uns wie er von sich – sind doch grundsätzlich alle seine Songs nichts anderes als mit Soul und Funk vertonte Kopulation. Aber kein Blümchenbeischlaf im siebten Romantik-Himmel, sondern diese verschwitze, schnelle, dreckige Variante, bei der Rhythmus und Gefühl als ebenbürtige Gegner miteinander ringen – harte Arbeit eben. Gerade weil die wenigsten seiner Songs länger als drei Minuten gehen, bietet sich dieses The-Very-Best-Of-Album an. Rhythmuswechsel, auch das ist harte Arbeit, aber ein Riesenvergnügen. Nicht zuletzt dieser Platte, abgespielt zur richtigen Zeit, verdanke die Existenz meiner Tochter. Damals unbeabsichtigt, heute umso besser. © Philipp Rothenbacher

Dabei hatten die auf einem früheren Album sogar einen
11 / 14
Wüstensöhne: Queens Of The Stone Age – Songs For The Deaf

Dabei hatten die auf einem früheren Album sogar einen "Feel Good Hit Of The Summer" - auch wenn Bandleader Josh Homme darin nur diverse Nahrungsergänzungsmittel aufzählt ("Nicotine, Valium, Vicodin, Marijuana, Ecstasy, Alcohol & Co-Co-Co-Co-Co-Cocaine"). Aber Wissen Sie, wenn ich so in meinem alten Ford Falcon Interceptor Pursuit Special durch die Wüste rase, unter mir ein dröhnender V8 Motor, über mir eine gnadenlose Sonne, vor mir nichts als ein mächtiger Kompressor und eine ungewisse Zukunft…ja, dann lege ich die "Songs For The Deaf" ein: Ich gehe mit dem Flow, sehe den Himmel fallen, finde Gott im Radio, singe den Mücken ein Lied. Niemand weiß davon. Und du denkst vielleicht, ich bin keinen Dollar wert - aber fühl mich wie ein Millionär. © Philipp Rothenbacher

Man könnte hier einfach CCR anführen und gut is. Aber der Zweitling der drei Söhne eines Wanderpredigers und ihres Cousins bietet drei entscheidende Vorteile. Erstens: Sie kommen wirklich aus dem Süden und tun nicht nur so (wie es die Kalifornier von Creedence taten). Zweitens: Wirklich jeder einzelne Song auf
12 / 14
Priestersöhne: Kings Of Leon – Aha Shake Heartbreak

Man könnte hier einfach CCR anführen und gut is. Aber der Zweitling der drei Söhne eines Wanderpredigers und ihres Cousins bietet drei entscheidende Vorteile. Erstens: Sie kommen wirklich aus dem Süden und tun nicht nur so (wie es die Kalifornier von Creedence taten). Zweitens: Wirklich jeder einzelne Song auf "Aha Shake Heartbreak" geht runter (und dann wieder rauf) wie ein Bourbon mit Eiswürfeln. Drittens: Damals hatten sie es noch nicht nötig, über dämlichen "Sex On Fire" zu singen – sondern haben ihn einfach gemacht. © Philipp Rothenbacher

Oh, wie einem dieses Album auf die Nerven geht. Sprichwörtlich. Es treibt einen in den Wahnsinn. Diese Stimme von Ari (Gott hab sie selig): unangenehm. Diese Gitarre von Viv: unfähig. Dieser Bass von Tessa: irgendwo. Und ein Typ, der dazu trommelt.
13 / 14
Satanstöchter: The Slits – Cut

Oh, wie einem dieses Album auf die Nerven geht. Sprichwörtlich. Es treibt einen in den Wahnsinn. Diese Stimme von Ari (Gott hab sie selig): unangenehm. Diese Gitarre von Viv: unfähig. Dieser Bass von Tessa: irgendwo. Und ein Typ, der dazu trommelt. "Cut" ist deswegen eine Sommer-Platte, weil man nach dem ersten Hören erst mal raus an die frische Luft muss. Um nachzudenken: Was war dat denn? Es braucht zwei, drei, vier, fünf Runden – bis man bemerkt: Wow, was für ein höllisch guter Cocktail, serviert von drei nackten Furien mit einer Attitüde, die im Gegensatz zu der ihrer Kumpels (bzw. Bettgenossen) von den Sex Pistols ganz ohne Affektiertheit (bzw. Marketing) auskommt. © Philipp Rothenbacher

Zum Beispiel die auf
14 / 14
Alle Lieder, die Farin Urlaub je geschrieben hat

Zum Beispiel die auf "Planet Punk". Geht aber auch mit jedem anderen Die Ärzte-Album oder seinen Solo-Scheiben. Gab es je einen besseren Sommersongschreiber? Wenn ja, ist er mir nie begegnet. Kann man Festival-Gefühle auch kriegen, ohne dabei gewesen zu sein? Wenn Farin singt, schon. Scheint die Sonne auch für Nazis? Wenn’s nach mir geht, tut sie’s nicht. Ich will ’nen Sommer nur für mich. © Philipp Rothenbacher