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Kinos leiden wegen Corona: Publikum ist nun in der Pflicht

Es brennt vielerorts derzeit, auch in der Kultur - 11.08.2020 15:30 Uhr

Es brennt vielerorts derzeit, auch in der Kultur. Doch besonders beim Kino wirkt Corona wie ein Brandbeschleuniger, der vorantreibt, was sich zuvor schon angekündigt hatte. Wenn irgendwann ein Mittel gegen COVID-19 gefunden wird, könnte es für Kinobetreiber – nicht nur die regionalen – zu spät sein.

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Die Zunahme an Streaming-Angeboten und ihre Auswirkungen auf das Kino ist schon seit längerem ein Thema. Gewiss, Filme wird es weiterhin geben – aber wie sieht es mit Kinosälen aus? "Streaming ist so wenig ein Feind des Kinos, wie die Küche der Feind des Restaurants ist" war noch im vergangenen Mai in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zu lesen. Für diese Behauptung führte der Autor eine Studie ins Feld, derzufolge Menschen, die viel streamen, daneben auch häufiger ins Kino gehen. Sozusagen – um beim kulinarischen Vergleich zu bleiben – weil sie durch den Konsum von Kino zuhause auf den Geschmack gekommen sind. Was aber, wenn sich nach dem Filmgenuss auf der Wohnzimmer-Leinwand irgendwann ein Sättigungsgrad einstellt?


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Disneys Entscheidung, seinen Blockbuster "Mulan" gar nicht ins Kino zu bringen, sondern nur auf dem eigenen Channel (der nach seinem Start im März bereits 60 Millionen Abonnenten hat) zum Streamen anzubieten, ist jedenfalls ein Tritt in die Kniekehle von Kinobetreibern, die gerade erst wieder versuchen, aufzustehen.

Auch die Tatsache, dass das Zeitfenster zwischen der Kinoauswertung eines Films und dem Moment, ab dem er auf einer Streamingplattform bereitgestellt wird, immer kürzer wird, ist heikel. Mussten einst zwei Jahre bis zur Zweitverwertung eines Films vergehen, sind es in Europa nun vier bis fünf Monate, in den USA drei.

Doch soeben einigten sich das Hollywoodstudio Universal und AMC, die größte Kinokette in den USA, auf nurmehr 17 Tage; AMC wird dafür an den Streaming-Einnahmen beteiligt. Gut zwei Wochen Wartezeit sind aber auch für den ungeduldigsten Filmfan eine überschaubare Wartezeit. "Der Deal könnte die Branche auf den Kopf stellen", hieß es deshalb vor wenigen Tagen in der NZZ. Die Aussage stammt interessanter Weise vom gleichen Autor, der Streaming noch vor drei Monaten als Geschmacksverstärker für Kinokost betrachtet hatte.

Es scheint, als gebe es nach derzeitigem Stand nur das Publikum, das die Kinobetreiber retten kann – dadurch, dass es ins Kino geht: Blockbusterfans, weil sie Explosionen und Crashs aller Art nur auf der ganz großen Leinwand sehen wollen; die Arthouse-Anhänger, weil sie ihre Kinos in der Nachbarschaft einfach lieben.

TAMARA DOTTERWEICH

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