Sonntag, 16.05.2021

|

zum Thema

Kommentar: Die Diskussion um "Pinky Gloves" greift viel zu kurz

Das "Höhle der Löwen"-Produkt ist nur eines von vielen, die einen Shitstorm verdient haben - 20.04.2021 15:58 Uhr

Ralf Dümmel wird doch keine "Pinky Gloves" verkaufen.

14.04.2021 © Henning Kaiser, dpa


Es wird also nichts mit den "Pinky Gloves" - Investor Ralf Dümmel und die beiden "Frauenversteher" und Firmengründer André Ritterswürden und Eugen Raimkulow ziehen ihr Produkt zurück. Der mediale Shitstorm hatte die Entscheidung alternativlos gemacht, wer will schon ein Produkt bewerben und verkaufen, das im Netz bereits den Stempel "frauenfeindlich und umweltschädlich" bekommen hat.

Das Ganze ist schon merkwürdig. Zwar haben die vielen Frauen (und Männer), die die pinken Hygienehandschuhe kritisierten, durchaus Recht – wenn man die weibliche Periode als etwas Natürliches betrachtet, ist dieses Produkt im besten Fall überflüssig. Nur ist es damit nicht allein. Es reiht sich ein neben unendlich vielen weiteren überflüssigen Produkten, die in Deutschland und weltweit produziert werden.


Auf so vielen Ebenen falsch: Wenn Cis-Männner Frauen die Periode erklären


Die "Pinky Gloves" sind aber auch frauenfeindlich, weil sie suggerieren, Frauen müssten sich für ihre Periode schämen. Außerdem sind die Handschuhe nicht nachhaltig – sie sind schließlich aus Plastik. Auch hier: Es gibt unendlich viele Produkte, die über die Werbung Frauen signalisieren, dass sie an ihrem Aussehen oder ihrem Körper etwas verändern müssten, dass sie Männern gefallen müssten. Und es gibt unendlich viele Produkte, die aus Plastik sind oder aus irgendeinem anderen Grund nicht nachhaltig.

Bilderstrecke zum Thema

Die 50 größten TV-Hits Deutschlands seit 2000

Auf welchem Sender lief das beliebteste deutsche TV-Format des neuen Jahrtausends? Wie heißen die größten Hits der Privatsender? Und welche Sendungen halten sich bis heute wacker im deutschen Fernsehen. Von ikonischen bis längst vergessenen TV-Sensationen.


Der Ärger über die "Pinky Gloves" ist gerechtfertigt, dahinter steckt aber ein viel größeres Problem. Die Wirtschaft schert sich nicht um Moral, politische Korrektheit oder ethische Grundsätze. Die Wirtschaft funktioniert über Angebot und Nachfrage. Wenn es Kunden gibt, die Panzer oder Drohnen oder Mittelstreckenraketen kaufen wollen, dann werden Panzer, Drohnen und Mittelstreckenraketen produziert.

Die Macht der Konsumenten

Firmen interessieren sich meist erst dann für Moral, wenn ihre Nachfrage davon betroffen ist. Es gibt sie schon, diese viel zu oft zitierte Macht der Konsumenten. Ein Shitstorm hat nun die pinken Handschuhe verhindert. Gut so! Weitergehen sollte es mit zahllosen Produkten, die unter himmelschreienden Bedingungen produziert werden und zweifelhafte Botschaften transportieren – von Lebensmitteln über Bekleidung und Technik bis zum bereits erwähnten Kriegsgerät.

Bilderstrecke zum Thema

Liken, Tweeten und Gruscheln: Die Geschichte von Social Media

Vor zwanzig Jahren startete nicht nur nordbayern.de im Netz durch, sondern auch die Stunde der ersten sozialen Netzwerke schlug. Wir werfen einen Blick zurück und verraten, welche Dienste heute noch angesagt sind - und welche nicht.


Hier sind aber nicht nur die Aktivistinnen und Aktivisten, die Konsumentinnen und Konsumenten gefragt, sondern auch die Politik, die sich viel zu selten traut, der Wirtschaft auf die Finger zu schauen – und auch zu hauen, wenn nötig.

10

10 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur