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Montag, 13.07.2020

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Kunstgalerie Fürth scheint gerettet

Eins nach dem anderen - 19.11.2010 17:28 Uhr

Und Miksch sprach: Lasset uns Kunst herbeibringen, Skulpturen aufstellen und die Wände mit Bildern bevölkern, ein jegliches nach seiner Art. Und Miksch sprach das Wort: „Viermaleins“. Und siehe: Es wird sehr gut.

Ob sparsam behängt oder opulent bestückt: ein gewiefter Galerist behängt nicht einfach den vorhandenen Raum, er überlegt sich, wo dieses oder jenes Bild am besten zur Geltung komme, welches Bild in der Nachbarschaft harmoniert oder spannend kontrastiert. Kurz: er ist kein Aufhänger, sondern ein Inszenator, der den Künstler zur wirkungsvollsten Geltung bringten will .

Bei „Viermaleins“ haben wir es mit einer ganz besonderen Inszenierung zu tun: Vier Künstler steuern je ein Kunstwerk bei. Diese vier Werke treten aber nicht gleichzeitig, sondern sukzessive auf den Plan. Seit gestern nimmt die Installation „Between Dreams“ von Sebastian Kuhn das Zentrum der Ausstellungsfläche ein. Dort steht es eine Woche lang ganz allein auf weiter Flur. Am 26.November kommt ein Werk von Aldona Kut hinzu, gefolgt von einem Werk von Tobias Lehner (am 3.Dezember). Die Vollendung besorgt Matthias Wohlgenannt am 10.Dezember, und alle vier Kunstwerke bleiben bis 19.Dezember beisammen.

Der Besucher betrachtet also eine Ausstellung in Zeitlupe, einen Schöpfungsakt, die Füllung des Raumes mit spannenden Inhalten. Aus dem Solo wird ein Duett, ein Terzett, ein Quartett. Wobei der Besucher mit der Installation „Between Dreams“ allein schon ordentlich zu tun hat: Die Arbeit wirkt wie ein Bett nach einem Erdbeben. Kuhn hat ein Doppelbett auseinandergesägt, weiß lackiert und neu, sprich: in schrägen Winkeln zusammengefügt. Belauert von vier Glühbirnen, deren Lampenständer im Zickzack verlaufen, und bestückt mit Dreiecken aus Acrylglas, bietet das Bett gerade noch Sitzkomfort für zwei – sofern Hinsetzen gestattet wäre.

Faltet sich das Bett nun zusammen? Oder entfaltet es sich? Das rundherum umschreitbare Möbel verblüfft mit immer neuen Perspektiven. Das muss es auch, denn Kuhn trägt die ästhetische Hauptlast, er muss eine Woche lang den Raum mit diesem einen Werk bestreiten.

Und der Besucher? Muss der nun viermal Eintritt zahlen? Nein, solange die Ausstellung noch im Wachsen begriffen ist, ist der Eintritt frei. Erst ab dem 19.Dezember wird kassiert. Und somit erlebt die Kunstgalerie Fürth gleichsam eine zweite Geburt.

 

Reinhard Kalb E-Mail

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