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Lachanfälle und viel Pathos: Ende für "Noris ohne Mauer"

Nürnbergs Stadtmauer symbolisch auf die Reise geschickt - 02.06.2017 17:30 Uhr

Tobias Lindemann (li.), Kulturaktivist, hatte die Aktion „Noris ohne Mauer“ gestartet und damit für ziemlich viel Wirbel gesorgt. Nun ging das satirische Projekt friedlich zu Ende. © F.: Wasmeier


Damit fand die Satire-Aktion, die für viel Aufsehen gesorgt hatte, ein friedliches Ende.

Überraschend kam das nicht: Tags zuvor war das Ultimatum abgelaufen, das das Aktionsbündnis "Noris ohne Mauer" zum freiwilligen Abriss der sandigen Altstadtumrankung den Stadtvätern gestellt hatte. (Die blieben dem Festakt übrigens geschlossen fern.)

Dass das alles natürlich augenzwinkernd (aber durchaus mit ernstem Anliegen dahinter) gemeint war, hatten zu Anfang nur wenige begriffen. Vor allem in den sozialen Medien war die Empörung über den vermeintlichen Abriss der geliebten Stadtmauer groß.

"Die Mauer steht für Engstirnigkeit bis in die Mitte der Gesellschaft", reklamierte Bündnismitglied Tobias Lindemann, der sich selbst keineswegs als Künstler denn vielmehr als Kulturaktivist verstanden wissen möchte, folglich gehöre sie entfernt, schließlich habe eine vergleichende Studie gezeigt, dass Städte, die sich frühzeitig ihrer Mauer entledigt hätten, heute sich eines so viel freieren Daseins in puncto Geisteshaltung erfreuten.

In Nürnberg jedoch sei die provinzielle Haltung bis in die Eliten vorgedrungen, trägt der Aktionist mit heiligem Ernst vor. Um das Sandsteinkorsett schnellstmöglich los zu werden, wurde also international nach Abnehmern gesucht. Mit der in Linz ansässigen "Regionären Bewegung" wurde ein geeigneter Kooperationspartner
gefunden.

Lachanfall während der Rede

Der für diesen "Akt der Völkerverständigung" eigens angereiste Staatsbesuch aus Österreich zeigte sich denn auch überglücklich über das Geschenk. Es muss der erste Redner abgelöst werden, übermannen ihn doch die Gefühle und beuteln ihn in einem veritablen Lachanfall. Er verspricht, die Mauer gut zu behandeln und behutsam die Lücken zwischen den alten Linzer Stadttürmen mit ihr zu verfüllen, und schon wird unter lautem Getöse der erste der sorgfältig durchnummerierten Steine aus dem Geflecht gefräst, Steinstaubsturm inklusive.

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Das Aktionsbündnis, so Lindemann, Sprecher der rund 20-köpfigen Gruppe, habe mit dem heutigen Festakt, der im Verlauf von freundlichen Beamten um ein paar Dezibel reduziert wurde, seinen "Kulminationspunkt" erreicht und warte nun friedlich ab, was sich aus der gesellschaftspolitischen Utopie, gehirngewundene Mauern zu durchbrechen, entwickle. Weitere Aktionen seien vorerst nicht geplant.

Katharina Wasmeier

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