Dienstag, 10.12.2019

|

zum Thema

Letzter Gruß von Leonard Cohen

Das neue Album "Thanks For The Dance" ist ein wunderschönes Abschiedsgeschenk an seine Fans. - 19.11.2019 17:17 Uhr

„Thanks For The Dance“: Der kanadische Songpoet Leonard Cohen (1934-2016). © Foto: rolf Haid/dpa


Leonard Cohen hat den sonoren Sprechgesang kurz vor seinem Tod aufgenommen, sein Sohn Adam hat das Werk im Sinne seines Vaters geschmackvoll im Studio vollendet. Anders als Cohens letztes Album "You Want It Darker" klingen die neuen Songs überhaupt nicht düster: Leonard Cohen klingt abgeklärt, fast heiter, mit sich, den Frauen und dem Leben versöhnt.

Adam Cohen begann im Sommer 2017 mit der Arbeit an den Songskizzen. "Es war eine sehr emotionale Reise", sagte der 47-Jährige kürzlich bei einer Interview-Runde in Berlin. ""You Want It Darker" war wie ein fester Händedruck, mit klarem Blick auf den Tod und auf Gott, also ein starkes Goodbye. Dagegen ist dieses neue Album nun ein weicheres Goodbye – wie eine warme Hand auf der Schulter."

Adam Cohen hat die heikle Aufgabe auf die denkbar beste Weise gelöst und bei der Auswahl der Musiker ein glückliches Händchen. Im Studio gingen unter anderem Daniel Lanois (Keyboards), Javier Mas (Laute), Beck (Gitarre), Damien Rice, Leslie Feist und Jennifer Warnes (Background-Vocals) mit Fingerspitzengefühl zur Sache. Einfache, aber wunderschöne Folk-Melodien sind ihnen eingefallen. Anders als manches andere Album aus Cohens Spätwerk, das recht sparsam instrumentiert und produziert war, erinnert "Thanks For The Dance" an die herausragende Qualität seiner Live-Band.

Der ewige Grübler und Sinnsucher erscheint hier ganz wie ein Kavalier der alten Schule, der sich galant von der Tanzfläche verabschiedet: "It was hell, it was swell, it was fun" (Es war die Hölle, es war toll, hat Spaß gemacht). Die Schwierigkeiten der Liebe und die Beziehung zu den Frauen sind neben eher philosophischen Fragen die Hauptthemen der vielschichtigen Songs.

In "Happens To The Heart" betont er bescheiden, dass er seine Arbeit nie als Kunst definiert hat ("I was always working steady / but I never called it art). In dem bizarren Song "Puppets" wird die Welt zum Puppentheater ("German puppets burnt the Jews, Jewish puppets did not choose"). Und im letzten Lied gibt Cohen den Zuhörern den Rat, lieber den Kolibris zu lauschen als dem Dichtersänger ("Listen to the Hummingbird / don’t listen to me.")

Der alte Zauberer hat seinen Fans posthum noch ein wunderbar töstliches Abschiedsgeschenk gemacht. Thanks for the music, Leonard!

CD-Tipp: Leonard Cohen, "Thanks For The Dance" (Sony Music); erscheint am 22. November.

STEFFEN RADLMAIER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur