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Freitag, 23.08.2019

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Mach’ mit bei „Pachelbel Vier.Null“

Nürnberger Symphoniker und Bayerischer Rundfunk starten ein einmaliges digitales Pilotprojekt - 22.07.2019 16:28 Uhr

Ein Screenshot aus dem Erklärvideo zu „Pachelbel Vier.Null“: Man sieht die Symphoniker unter Kahchun Wong in der Sebalduskirche den „Kanon“ spielen, während sich zwei Jungs ihren eigenen musikalischen Reim auf den Barockkomponisten machen. © Foto/Screenshot: Bayerischer Rundfunk


Musizieren ist so einfach wie ein Kinderspiel. Davon sind die Nürnberger Symphoniker und der Bayerische Rundfunk überzeugt. Aus diesem Grund entwickelten die beiden ein digitales Mitmachprojekt, bei dem eines der berühmtesten Stücke klassischer Musik im Mittelpunkt steht: Johann Pachelbels „Kanon und Gigue in D-Dur“.
Nur wenige wissen, dass diese Komposition, die weit über die Klassik hinaus geschätzt wird, von einem waschechten Nürnberger stammt. Symphoniker-Intendant Lucius A. Hemmer berichtet denn auch amüsiert von der Initialzündung zu diesem Projekt: „Ich stand mit unserem Chefdirigenten Kahchun Wong auf einer Rolltreppe in China und aus den Boxen tönte der Kanon. Ich fragte Kahchun, ob er wüsste, dass dieses Werk aus Nürnberg stammt. Er hatte keine Ahnung, meinte aber, dass das Werk in Asien quasi als Synonym für klassische Musik gilt.“

Auf Internetseite einreichen

Und schon war die Idee zu „Pachelbel Vier.Null“ geboren, nämlich möglichst viele zum Mitmachen bei diesem eingängigen Ohrwurm zu animieren. Ob jemand in Honolulu sitzt oder in Hemhofen wohnt, ob alt oder jung, ob jemand ein Instrument spielt, singt oder seinen Körper als Percussionsfläche benutzt: Er oder sie sollte sich vor seiner/ihrer Handykamera bewegen und die eigene Kanon-Version filmen und anschließend per Internet bei den Symphoniker einreichen. Wie das geht, erläutern Videos auf der Homepage.

Gleichzeitig tun Teilnehmer auch noch etwas Gutes: Für jeden Videobeitrag gehen 40 Euro an das Benefizprojekt „Sternstunden e.V.“. Als Anschubfinanzierung haben hier Juwelier Paul und die Sparkasse Nürnberg Gelder zur Verfügung gestellt, aber natürlich sind auch Privatspender willkommen, die die weltweite Musikaktion unterstützen wollen.
„Wir wissen nicht, wie die Resonanz aussehen wird“, meint Lucius Hemmer. „Es kann sein, dass unsere Server zusammenbrechen, aber wir wollen da einfach mal etwas Neues machen, das es so noch nicht gegeben hat.“ Einige Videos werden jedenfalls in der „Sternstunden“Spendengala am 13. Dezember zu sehen sein. Ende November wird die Pachelbel-Homepage wieder offline gehen. „Wir brauchen da einfach ein bisschen Sichtungszeit“, erläutert Detlef Krenge, der das Projekt für den BR betreut.
Sehr authentisch nutzten die Nürnberger Symphoniker Pachelbels Wirkungsstätte, die Nürnberger Sebalduskirche, als Aufführungsort für ihre leider ziemlich uninspirierte, ja langweilige und zu breite Einspielung des „Kanons“, die wenig vom improvisatorisch animierten Geist der Komposition vermittelt. Auch ist es natürlich einigermaßen albern, dass ein Dirigent ein Kammermusik-Stück leitet. Aber diese Show-Einlage kann man hinnehmen. Schließlich geht es ja um einen guten Zweck.
Einen wirkungsvollen Push soll das Pachelbel-Projekt beim „Klassik Open Air“ der Symphoniker am 3. August erhalten. Da wird nicht nur der Gaststar, der russische Trompeter Sergej Nakariakov seine Pachelbel-Variationen blasen, sondern Weltmusik-Trompeter Dominik Glöbl („Wirtshausmusikanten bei Hirzinger“) will ebenfalls eine eigene Version vorstellen. Da diese Auftritte via BR und 3sat ins Fernsehen und in den Rundfunk gehen, sollte für eine starke Resonanz gesorgt sein.

Teilnahme bis Ende November

Tatsächlich haben die Pachelbel-Projektmacher an vieles gedacht, zum Beispiel auch daran, wie die Teilnehmer sich in die richtige D-Dur-Stimmung bringen können. Und ob die Videolieferanten nur den ostinaten Bass-Verlauf variieren oder den Melodieverlauf darüber, ist allen selbst überlassen.
Ein spannendes, Ohrwurm-verdächtiges Experiment also, mit dem Nürnberg schon mal austesten kann, ob es kulturell weltweit wahrgenommen wird.
 

Jens Voskamp

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