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Manche mögen’s lauwarm

Die deutschsprachige Erstaufführung von "The Legend of Georgia McBride" in Nürnberg ist ein harmloser Klamauk. - 27.01.2020 08:15 Uhr

26.01.2020 © Foto: Konrad Fersterer


An dem Stück des Amerikaners Matthew Lopez kann es nicht liegen, denn seine "Drag-ödie" ist eine ziemlich oberflächliche Mischung aus Playback-Show, Kostümfest und Travestie-Revue. Mag sein, dass man sowas in den USA auch im Jahr 2020 noch aufregend findet. Möglicherweise ist es auch die behauptete Botschaft: "Drag ist Protest. Drag ist eine erhobene Faust in einem Pailletten-Handschuh." Huch, was sind wir heute wieder revolutionär!

Regisseur Christian Brey – in Nürnberg durch den Publikumsrenner "Komödie mit Banküberfall" bekannt – benutzt die dürftige Handlung vor allem als Rahmen für eine musikalische Nummernrevue (mit Disco-Hits von "Do You Believe in Love?" bis "It’s Raining Men"), bei der die Drehbühne heftig rotiert.

Der erfolglose Elvis-Imitator Casey (Yascha Finn Nolting) steckt in Schwierigkeiten: Seine Show will niemand sehen, er hat kein Geld – und seine Frau (Süheyla Ünlü) ist schwanger. In der Not lässt er sich dazu überreden, bei einer Travestie-Show mitzumachen. Es kommt, wie es kommen muss: Die Show wird ein Hit, aber Casey, der sich nun Georgia McBride nennt, hat ein Problem damit, in Frauenklamotten Lieder von Edith Piaf zu singen. Seiner Frau will er erst recht nichts davon erzählen.

Im Laufe des Abends muss man wehmütig an einschlägige Komödien wie "Manche mögen’s heiß" oder "Ein Käfig voller Narren" denken, die einst die komischen Maßstäbe in diesem Genre setzten. Warum man in Nürnberg auf "The Legend of Georgie McBride" gekommen ist? Vermutlich hofft man am Richard-Wagner-Platz auf eine ähnliche Erfolgsserie wie Casey in dem heruntergekommenen Etablissement am Panama Beach.

Zu den Pluspunkten muss man Pius Maria Cüppers zählen, der als Drag Queen wieder mal sein komödiantisches Talent beweist: Seine Miss Tracy Mills vermeidet alle Klischees und bewahrt stets ihre Würde. Die prächtigen Kostüme, die sich Anette Hachmann für Cüppers ausgedacht hat, sind bonbonbunte Hingucker. Nicht zuletzt sorgen die hinreißenden Tänzer Tobias Stemmer, Danilo Brunett, Kevin Gordon, Silvan Ruprecht und Alexander Kruska für das stimmige Ambiente.

Das findet man allerdings auch nur wenige hundert Meter entfernt im privaten Travestie-Theater "Paradies" in der Nürnberger Südstadt. Jedoch ohne Subvention und den Zeigefinger der moralischen Anstalt: Sei Du selbst! Auch Transvestiten verdienen unseren Respekt, in jedem von uns steckt schließlich eine kleine Drag-Queen.

Info: Weitere Vorstellungen: 30. Januar; 1., 4., 7., 16. Februar. Kartentel. 09 11/ 216 27 77.

STEFFEN RADLMAIER

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