Mit.Menschen: Mirella Precek, Youtuberin, Mutter, Sinnfluencerin - Oder so

15.4.2021, 06:00 Uhr
Die Nürnbergerin Mirella Precek aka

Die Nürnbergerin Mirella Precek aka "Mirellativegal" startete mit Make-Up-Tutorials. Heute gibt es auf ihren Kanälen einen Mix aus Nachhaltigkeit, Humor und Trash-TV. © Oğuz Yılmaz

Es ist vormittags, halb zwölf Uhr, als Mirella Precek am Laptop-Bildschirm als kleines Rechteck erscheint. Eine virtuelle Podcast-Aufnahme ist in Pandemiezeiten kein Hindernis mehr, Ton-Check und dann geht es los mit einer neuen Folge Mit.Menschen. Unzählige Themen stehen auf der Agenda, denn zu Gast ist eine Frau, die nicht in eine Schublade passt.

Mit ihren 27 Jahren hat Mirella Precek so einige Berufsbezeichnungen: Youtuberin, Content Creatorin, Influencerin, Autorin, Podcasterin. Auf Instagram hat die Mutter einer bald einjährigen Tochter knapp eine halbe Million Follower, auf Youtube über 600.000 - und das, ohne eine klassische Influencerin zu sein, die rein darauf aus ist, Produkte zu bewerben.

Auf ihrem Account "Mirellativegal" startete Precek vor sieben Jahren mit Make-Up Tutorials und sogenannten "Hauls", in denen man seine neu gekauften Klamotten präsentiert. Von der Oberflächlichkeit rund ums Aussehen hat sie sich mittlerweile verabschiedet, heute widmet sie sich Themen wie Feminismus, Nachhaltigkeit, vegane Ernährung und Mama sein - alles versehen mit einer ordentlichen Prise Humor. Auch im Podcast wird schnell klar: Mirella Precek ist vor dem Mikrofon genauso lustig und authentisch wie auf ihren Social-Media-Kanälen.

Mit dem Wort "Influencerin" kann Precek auch nach all den Jahren nicht viel anfangen. Aber: "Zu sagen, ich bin keine Influencerin, weil ich keine Menschen beeinflusse, stimmt auch nicht. Der Verantwortung muss sich jeder einfach bewusst sein, der eine gewisse Reichweite hat. Man ist ein gewisses Vorbild, das kann man nicht einfach so ablegen", erzählt sie im Podcast.

"Weniger Kommentare lesen"

Doch mit einer hohen Reichweite mehren sich auch Hasskommentare. "Wenn ich Themen wie Feminismus anspreche muss ich nur die Minuten zählen bis Kommentare kommen, die mich beleidigen oder bedrohen und mir erklären, warum Feminismus der Untergang der Menschheit ist", erzählt sie. Nicht nur ihre Themenauswahl sondern auch sie als Person werde regelmäßig angegriffen, von anonymen Social-Media-Profilen oder anderen Youtubern. Precek hat dagegen eine Strategie entwickelt: "Das einzige, was wirklich hilft, Kommentare nicht an mich ranzulassen, ist: Weniger Kommentare zu lesen. Wenn gar Videos über mich gedreht werden, schaue ich sie mir als Selbstschutz gar nicht erst an, da wird die Grenze zu Hatespeech teilweise schon überschritten", sagt sie.

Oder man geht eben zum Gegenangriff über und schlägt mit Humor zurück. In einem Video von 2017 reagierte sie auf Kommentare, sie wäre "fett" geworden und zählte 20 mögliche Gründe für ihre Gewichtszunahme auf, "von denen keiner, einer, mehrere oder alle wahr sein könnten", wie sie damals sagte. Rückblickend ist sie froh darüber, dieses persönliche aber dennoch humorvolle Video gedreht zu haben. "Es gibt verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen: Man kann es ignorieren, zurückschießen, es sich zu Herzen zu nehmen oder in Therapie gehen. Mir war es wichtig, diese Grenze aufzuzeigen. Ja ich zeige mich im Internet, aber das bedeutet nicht, dass ihr alles schreiben könnt, was ihr wollt. Miese Kommentare bedeuten nicht, dass man sich nicht wehren darf", sagt Precek im Podcast.


Influencer, Experten und mehr: Erfolgsgeschichten aus der Region


Eine Sache, die sie konsequent im Privaten hält, ist ihre Familie, "meine Tochter wird man nicht auf Social-Media sehen", stellt sie klar. Den Druck, ständig Content zu liefern, hat sie über die Zeit abgelegt: "Das ist ungesund, immer mehr Likes haben zu wollen." Ein bis zwei Mal im Jahr gönnt sich Precek eine Pause von Social-Media. "Da gibt es keine Videos und Instagram wird vom Handy gelöscht", sagt sie. Und was macht sie, wenn das Handy in der Schublade bleibt? "Handwerkliche Sachen wie Sticken sind der beste Gegenpart zu Social-Media, da kann ich richtig gut abschalten", meint sie.

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