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Mit Special Guest: Walter Trout eröffnet Rother Bluestage

28. Auflage des Festivals startete zudem mit Andreas Kümmert und Andrew Strong - 01.04.2019 07:29 Uhr

Der US-amerikanische Gitarrist und Sänger Walter Trout durfte die 28. Rother Bluestage in der Kulturfabrik eröffnen. Nach einer Lebertransplantation 2014 musste der Saitenzauberer das Gitarrenspiel wieder neu lernen – was ihm gelungen ist. Der Highspeed-Spezialist mit der unverwechselbar rauen Stimme lässt es krachen wie eh und je – und hat sich Verstärkung in Person seines Sohnes Jon Trout geholt. © F.: Hans von Draminski


Des Dilettantentums definitv unverdächtig ist Blueslegende Walter Trout. Die Voreiligen hatten den 68-Jährigen vor ein paar Jahren schon abgeschrieben, als eine versagende Leber ihn an den Rand des Grabs brachte. In der rappelvollen Kufa redet Trout sich seine Krankheit von der Seele und erzählt, dass er bei der Transplantation Hirnschäden davontrug und das Gitarrespielen neu lernen musste. Dass er völlig wiederhergestellt ist, zeigte er bei seinem Bluestageauftritt mit extrem virtuosen, schier unfassbar schnell wirkenden Soli, die doch nie in belanglose Schrammeleien abdriften.

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28. Rother Bluestage: Fulminanter Start mit Walter Trout

In der Rother Kulturfabrik haben die 28. Rother Bluestage begonnen. Bis zum Sonntag, 7. April, zeigt das längst zum Dauerbrenner gewordene Festival so gut wie alle Spielarten des Blues und wagt auch ein paar Seitenblicke in Genres wie Funk, Soul, Jazz und Rock. Zum Auftakt in der ausverkauften Rother Kulturfabrik rockte der legendäre britische Bluesrocker Walter Trout das Haus und zeigte Gitarrenkunst vom Allerfeinsten.


Das aktuelle Album hat Walter Trout autobiografisch "Survivor Blues" genannt und sich mit Bluessongs vergangener Tage auseinandergesetzt, die zwar außer in Insiderkreisen kaum bekannt sind, dafür aber umso authentischer wirken. Die Hemdsärmeligkeit, die krude Faktur dieser einprägsamen Stücke sind gewollt. Und wenn Walter Trout vom Leben singt, dann sind ihm dessen Kostbarkeit und Vergänglichkeit bewusst – und dieses Wissen schwingt in jeder Note mit.

Die nächste Generation

Der Name Trout wird dem Blues auch erhalten bleiben, wenn Walter nicht mehr ist, denn die nächste Generation hat die Startlöcher bereits verlassen: Jon Trout ist auf der E-Gitarre mindestens so flinkfingerig und einfallsreich wie sein Vater und erweist sich in Roth zudem als Sänger der Extraklasse – mit einer Stimme, die zwar nicht so vom Schicksal gezeichnet klingt wie jene Walter Trouts, aber dafür sehr ausdrucksvoll über die Rampe kommt. Eine Familienallianz, aus der viel werden kann.

 

Weniger stimmig geriet das ebenfalls bis zum letzten Stehplatz ausverkaufte Doppelkonzert von Andrew Strong und Andreas Kümmert. Der wurde 2014/15 einem breiteren Publikum bekannt, als er zunächst den ersten Platz in der Castingshow "The Voice of Germany" belegte, wenig später auch den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gewann – und den Vortritt der zweitplatzierten Ann Sophie überließ, weil er sich mental nicht in der Lage fühlte, am ESC teilzunehmen.

Seither veröffentlicht Kümmert eigene Alben, sagt ab und an immer noch Konzerte ab – und hat sich mit dem irischen Bluessänger Andrew Strong zusammengetan, den man hierzulande vor allem aus dem Musikfilm "The Commitments" kennt.

Beide haben starke Stimmen, beide sind "Rampensäue", die sich sichtlich verausgaben, wenn sie Blues und Soul singen. Und doch bleibt ein deutliches Präsenz- und Charisma-Gefälle, in dem Strong ganz klar der Bluesmeister und Kümmert nur ein – fraglos begabter – Schüler zu sein scheint. Auch über das Repertoire des Doppelkonzertes kann man geteilter Meinung sein, denn die beiden Herren mit den widerborstigen Bärten und dem äußerst spärlichen Haupthaar setzen auf möglichst massenkompatiblen Mainstream. Das ist für eine Sternstunde deutlich zu wenig.

Das Bluestage-Programm findet man auf www.bluestage.de – ZAC-Rabatt auf ausgewählte Konzerte.

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