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Modiano, Kurkow, Sagan: Unsere Buchtipps für einen sonnigen August!

19.8.2022, 08:50 Uhr
Einmal Patrick Modiano, immer Patrick Modiano, es ist ja wie ein Buch, jedes Mal neu geschrieben. Diesmal sucht der Erzähler nach dem Mädchen Camille. Warum wurde sie der "Totenkopf" genannt? Genauso geht es um die eigene Jugend, um das Paris von damals, um Figuren, die auftauchen wie Gespenster, halb vergessen, halb eben nicht. Erinnerungen kommen und gehen, einst bedrohlich, endlich bewältigt, vielleicht. Auch der neue Roman, "Unterwegs nach Chevreuse", liest sich in seiner kunstvollen Vagheit so spannend wie ein Krimi. (Hanser, 22 Euro) Wolf Ebersberger
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Einmal Patrick Modiano, immer Patrick Modiano, es ist ja wie ein Buch, jedes Mal neu geschrieben. Diesmal sucht der Erzähler nach dem Mädchen Camille. Warum wurde sie der "Totenkopf" genannt? Genauso geht es um die eigene Jugend, um das Paris von damals, um Figuren, die auftauchen wie Gespenster, halb vergessen, halb eben nicht. Erinnerungen kommen und gehen, einst bedrohlich, endlich bewältigt, vielleicht. Auch der neue Roman, "Unterwegs nach Chevreuse", liest sich in seiner kunstvollen Vagheit so spannend wie ein Krimi. (Hanser, 22 Euro) Wolf Ebersberger © Hanser Verlag/Montage: Sabine Schmid

Der ukrainische Autor Andrej Kurkow gehört spätestens seit seinen Erfolgen "Picknick im Eis" und "Graue Bienen" auch bei uns zu den großen literarischen Stimmen aus einem gerade zerrissenen Land. Das schwierige Verhältnis zwischen Russen und Ukrainern war schon immer sein Thema, so auch in dem Schelmenroman "Samson und Nadjeschda", der im revolutionserschütterten Kiew des Jahres 1919 spielt. Amüsant und hintergründig, mit zarten Liebesszenen und radikalen politischen Ausbrüchen, erzählt Kurkow in einer melancholischen Sprache von einem Helden wider Willen, dem sein abgeschnittenes Ohr Fluch und Segen zugleich ist. Man hört nur, was man sieht? Von wegen! (Diogenes, 24 Euro) Bernd Noack
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Der ukrainische Autor Andrej Kurkow gehört spätestens seit seinen Erfolgen "Picknick im Eis" und "Graue Bienen" auch bei uns zu den großen literarischen Stimmen aus einem gerade zerrissenen Land. Das schwierige Verhältnis zwischen Russen und Ukrainern war schon immer sein Thema, so auch in dem Schelmenroman "Samson und Nadjeschda", der im revolutionserschütterten Kiew des Jahres 1919 spielt. Amüsant und hintergründig, mit zarten Liebesszenen und radikalen politischen Ausbrüchen, erzählt Kurkow in einer melancholischen Sprache von einem Helden wider Willen, dem sein abgeschnittenes Ohr Fluch und Segen zugleich ist. Man hört nur, was man sieht? Von wegen! (Diogenes, 24 Euro) Bernd Noack © Diogenes Verlag/Montage: Sabine Schmid

Eine feine Entdeckung, diese Frau! Die Dänin Tove Ditlevsen (1917-1976) war bereits letztes Jahr mit drei autobiografischen Kurzromanen auf Deutsch herausgekommen; nun gibt es, nicht weniger eigenem Leid abgetrotzt, den neuen Band "Gesichter" über eine Kinderbuchautorin in der Krise. Diese betrifft ihr Schreiben (kein Wort mehr seit 2 Jahren) sowie ihren Ehemann Gert (offen untreu), und dann hat sie auch noch Wahnvorstellungen, in denen sich Personen überlagern. Um in die Psychiatrie zu gelangen, wo sie sich Rettung erhofft, schluckt sie Schlaftabletten...  Bedrückend, aber auch messerscharf beobachtet und nicht ohne ironischen Humor. (Aufbau, 20 Euro) Wolf Ebersberger
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Eine feine Entdeckung, diese Frau! Die Dänin Tove Ditlevsen (1917-1976) war bereits letztes Jahr mit drei autobiografischen Kurzromanen auf Deutsch herausgekommen; nun gibt es, nicht weniger eigenem Leid abgetrotzt, den neuen Band "Gesichter" über eine Kinderbuchautorin in der Krise. Diese betrifft ihr Schreiben (kein Wort mehr seit 2 Jahren) sowie ihren Ehemann Gert (offen untreu), und dann hat sie auch noch Wahnvorstellungen, in denen sich Personen überlagern. Um in die Psychiatrie zu gelangen, wo sie sich Rettung erhofft, schluckt sie Schlaftabletten...  Bedrückend, aber auch messerscharf beobachtet und nicht ohne ironischen Humor. (Aufbau, 20 Euro) Wolf Ebersberger © Aufbau Verlag/Montage: Sabine Schmid

Verlangen, Liebe, Verrat, Hass, variable Geschlechter – unterhalb der ganz großen Themen macht es Amélie Nothomb nicht. Wer die verdichteten Grotesken der belgischen Vielschreiberin mag, wird jubeln über ihren neuen Roman "Ambivalenz". Er erzählt vom Racheplan eines Gefühls-Heiratsschwindlers. Eine anspielungsreiche Familientragödie – vielleicht aber auch -komödie, denn alles darin hat zwei Seiten –, knackig, hinterhältig und auf nur 130 Seiten bewusst grob geschnitzt. (Diogenes, 20 Euro) Isabel Lauer
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Verlangen, Liebe, Verrat, Hass, variable Geschlechter – unterhalb der ganz großen Themen macht es Amélie Nothomb nicht. Wer die verdichteten Grotesken der belgischen Vielschreiberin mag, wird jubeln über ihren neuen Roman "Ambivalenz". Er erzählt vom Racheplan eines Gefühls-Heiratsschwindlers. Eine anspielungsreiche Familientragödie – vielleicht aber auch -komödie, denn alles darin hat zwei Seiten –, knackig, hinterhältig und auf nur 130 Seiten bewusst grob geschnitzt. (Diogenes, 20 Euro) Isabel Lauer © Diogenes Verlag/Montage: Sabine Schmid

Zitronen sind mehr für ihn: Sie sind Symbole seiner Heimat. Der Italiener Gennaro Contaldo, Fernseh- und also Starkoch in England, daneben Mentor von jungen Kollegen wie Jamie Oliver, wuchs selber an der Amalfiküste auf. Er weiß deshalb sehr genau, wie sich seine geliebten "Limoni" am besten in der Küche einsetzen lassen. Nicht nur in Salaten (z. B. Apfel-Fenchel) oder zum Marinieren (Zucchini), auch im Risotto, als Sauce für gedünsteten Kabeljau oder die Hähnchen-Kartoffel-Pfanne; und natürlich danach im Sorbet oder als säuerliche Tarte. Tolle Tipps für sommerliche Rezepte! (ars vivendi, 28 Euro) Wolf Ebersberger
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Zitronen sind mehr für ihn: Sie sind Symbole seiner Heimat. Der Italiener Gennaro Contaldo, Fernseh- und also Starkoch in England, daneben Mentor von jungen Kollegen wie Jamie Oliver, wuchs selber an der Amalfiküste auf. Er weiß deshalb sehr genau, wie sich seine geliebten "Limoni" am besten in der Küche einsetzen lassen. Nicht nur in Salaten (z. B. Apfel-Fenchel) oder zum Marinieren (Zucchini), auch im Risotto, als Sauce für gedünsteten Kabeljau oder die Hähnchen-Kartoffel-Pfanne; und natürlich danach im Sorbet oder als säuerliche Tarte. Tolle Tipps für sommerliche Rezepte! (ars vivendi, 28 Euro) Wolf Ebersberger © Ars Vivendi Verlag/Montage: Sabine Schmid

Der Wagenbach-Verlag macht mit bei der Wiederentdeckungswelle: 50 Jahre nach Erscheinen bringt er in neuer Übersetzung (von Eva Brückner-Pfaffenberger) den wenig bekannten Kurzroman "Blaue Flecken auf der Seele" von Françoise Sagan (1935–2004) heraus. Die eine Hälfte, es geht darin um ein inzestuös verbundenes Lebenskünstler-Geschwisterpaar in einem seltsam zeitlosen Paris der 70er Jahre, ist nicht groß der Rede wert. Wie die Französin die Erzählung aber mit sehr persönlichen Essay-Passagen verschränkt, macht den Reiz aus. Nach ihrem frühen Ruhm wegen des Bestsellers "Bonjour Tristesse" bekam die Lebefrau zeitweise nur schwer Boden unter die Füße – hier wehrt sie sich gegen Vereinnahmungen und kontert mit Bonmots und Einblicken in ihr Schreiben. (20 Euro) Isabel Lauer
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Der Wagenbach-Verlag macht mit bei der Wiederentdeckungswelle: 50 Jahre nach Erscheinen bringt er in neuer Übersetzung (von Eva Brückner-Pfaffenberger) den wenig bekannten Kurzroman "Blaue Flecken auf der Seele" von Françoise Sagan (1935–2004) heraus. Die eine Hälfte, es geht darin um ein inzestuös verbundenes Lebenskünstler-Geschwisterpaar in einem seltsam zeitlosen Paris der 70er Jahre, ist nicht groß der Rede wert. Wie die Französin die Erzählung aber mit sehr persönlichen Essay-Passagen verschränkt, macht den Reiz aus. Nach ihrem frühen Ruhm wegen des Bestsellers "Bonjour Tristesse" bekam die Lebefrau zeitweise nur schwer Boden unter die Füße – hier wehrt sie sich gegen Vereinnahmungen und kontert mit Bonmots und Einblicken in ihr Schreiben. (20 Euro) Isabel Lauer © Verlag Klaus Wagenbach/Montage: Sabine Schmid

Durs Grünbein, für uns der bedeutendste deutsche Dichter der Gegenwart, lebt - sehr beneidenswert - in Berlin und Rom. Vielleicht bezieht sich "Äquidistanz", der Titel seiner neuen, oft ziemlich prosaischen Verse, auch darauf: dass er mit gleichem Abstand über die so unterschiedlichen Städte und ihr Erbe schreibt. Hier das von der Geschichte, von Hitler, diesem "Cäsar mit Schäferhundblick", belastete deutsche Gelände, "die alte Hauptstadt des Terrors". Dort der "Hitzesüden" mit seinen Stechmücken, Dornen und verdörrten Pinien, aber auch der erlösenden Nähe des Mittelmeers. Ein Hauch Bachmann klingt da an, aber Grünbein bleibt doch lieber nüchtern. (Suhrkamp, 24 Euro). Wolf Ebersberger
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Durs Grünbein, für uns der bedeutendste deutsche Dichter der Gegenwart, lebt - sehr beneidenswert - in Berlin und Rom. Vielleicht bezieht sich "Äquidistanz", der Titel seiner neuen, oft ziemlich prosaischen Verse, auch darauf: dass er mit gleichem Abstand über die so unterschiedlichen Städte und ihr Erbe schreibt. Hier das von der Geschichte, von Hitler, diesem "Cäsar mit Schäferhundblick", belastete deutsche Gelände, "die alte Hauptstadt des Terrors". Dort der "Hitzesüden" mit seinen Stechmücken, Dornen und verdörrten Pinien, aber auch der erlösenden Nähe des Mittelmeers. Ein Hauch Bachmann klingt da an, aber Grünbein bleibt doch lieber nüchtern. (Suhrkamp, 24 Euro). Wolf Ebersberger © Suhrkamp/Montage: Sabine Schmid

Natürlich sind die Stars im Bild. Isabelle Faust mit ihrer Geige, noch eingepackt vorm Konzert. Sänger Julian Prégardien barfuß am Sofa. Violinist Thomas Zehetmair beim Baden im See, nur der Kopf ist zu sehen. Aber der Ostkreuz-Fotograf Frank Schinski rückt in seinem großen, aber zum Glück ganz und gar unprätentiösen Band "Neumarkt" ja nicht nur die angereisten Klassik-Promis ins Licht, sondern alle Beteiligten, die das rege Konzertleben rund um den Reitstadel der Stadt möglich machen, und das seit nunmehr 40 Jahren. Ein Geburtstagsgruß mit Stil und eigener Note! (Kerber, 65 Euro) Wolf Ebersberger
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Natürlich sind die Stars im Bild. Isabelle Faust mit ihrer Geige, noch eingepackt vorm Konzert. Sänger Julian Prégardien barfuß am Sofa. Violinist Thomas Zehetmair beim Baden im See, nur der Kopf ist zu sehen. Aber der Ostkreuz-Fotograf Frank Schinski rückt in seinem großen, aber zum Glück ganz und gar unprätentiösen Band "Neumarkt" ja nicht nur die angereisten Klassik-Promis ins Licht, sondern alle Beteiligten, die das rege Konzertleben rund um den Reitstadel der Stadt möglich machen, und das seit nunmehr 40 Jahren. Ein Geburtstagsgruß mit Stil und eigener Note! (Kerber, 65 Euro) Wolf Ebersberger © Kerber Verlag/Montage: Sabine Schmid

Der Süden lockte, heiß und befreiend, ein Ort der Träume und der Sehnsucht seit Kindheit an: Von der Rhône bis in die Provence, von Lyon nach Marseille durfte Joseph Roth 1925 als Reporter der "Frankfurter Zeitung" reisen. Endlich! Das literarische Ergebnis, immer noch lesenswert: sein Bericht "Die weißen Städte". Zu finden ist er erstmals in voller Länge in dem feinen Band "Rot und Weiß – Wanderer zwischen Städten", der jetzt als Extradruck der Anderen Bibliothek vorliegt (24 Euro). Und der, gleichsam komplementär, auch den wichtigen Essay "Juden auf Wanderschaft" enthält, in dem Roth über seine galizische Heimat und das geächtete Ostjudentum schrieb. Keine Frage, dass es ihn weit fort zog... Wolf Ebersberger
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Der Süden lockte, heiß und befreiend, ein Ort der Träume und der Sehnsucht seit Kindheit an: Von der Rhône bis in die Provence, von Lyon nach Marseille durfte Joseph Roth 1925 als Reporter der "Frankfurter Zeitung" reisen. Endlich! Das literarische Ergebnis, immer noch lesenswert: sein Bericht "Die weißen Städte". Zu finden ist er erstmals in voller Länge in dem feinen Band "Rot und Weiß – Wanderer zwischen Städten", der jetzt als Extradruck der Anderen Bibliothek vorliegt (24 Euro). Und der, gleichsam komplementär, auch den wichtigen Essay "Juden auf Wanderschaft" enthält, in dem Roth über seine galizische Heimat und das geächtete Ostjudentum schrieb. Keine Frage, dass es ihn weit fort zog... Wolf Ebersberger © Die Andere Bibliothek/Montage: Sabine Schmid

Der Zsolnay Verlag macht endlich wieder die Erinnerungen der Schauspielerin und Schriftstellerin Hertha Pauli (1906 – 1973) zugänglich: "Der Riss der Zeit geht durch mein Herz" gehört seit dem ersten Erscheinen vor 50 Jahren zu den ergreifendsten Erinnerungsbüchern einer vor Hitler aus Österreich geflohenen Emigrantin. Die Weggefährtin von Ödön von Horvath (seinen Tod in Paris beschreibt sie erschütternd), Joseph Roth oder Walter Mehring, die sie an den verschiedenen Fluchtstationen in Paris, Marseille, New York trifft und verliert, schlägt sich mit Wut und Mut durch ihre Zeit; ihre persönlichen Gedanken und politischen Argumente sind blitzgescheit, ihre europäische Sehnsucht nach Kultur und Schönheit ist unstillbar gewesen. Eine große couragierte Frau, ein wunderbares Buch! (25 Euro) Bernd Noack
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Der Zsolnay Verlag macht endlich wieder die Erinnerungen der Schauspielerin und Schriftstellerin Hertha Pauli (1906 – 1973) zugänglich: "Der Riss der Zeit geht durch mein Herz" gehört seit dem ersten Erscheinen vor 50 Jahren zu den ergreifendsten Erinnerungsbüchern einer vor Hitler aus Österreich geflohenen Emigrantin. Die Weggefährtin von Ödön von Horvath (seinen Tod in Paris beschreibt sie erschütternd), Joseph Roth oder Walter Mehring, die sie an den verschiedenen Fluchtstationen in Paris, Marseille, New York trifft und verliert, schlägt sich mit Wut und Mut durch ihre Zeit; ihre persönlichen Gedanken und politischen Argumente sind blitzgescheit, ihre europäische Sehnsucht nach Kultur und Schönheit ist unstillbar gewesen. Eine große couragierte Frau, ein wunderbares Buch! (25 Euro) Bernd Noack © Zsolnay/Montage: Sabine Schmid

Autofiktion ist in Mode – bei diesem Roman aus Frankreich das Beste, was dem Thema passieren konnte. Fabrice Humbert hat in "Der Ursprung der Gewalt" das Schicksal seines im Holocaust ermordeten jüdischen Großvaters untersucht. Dabei ist mehr entstanden als nur eine Zeitzeugen-Sachgeschichte über das Konzentrationslager Buchenwald und den (bis 1988 im Nürnberger Land lebenden) SS-Schlächter Martin Sommer. Denn der erzählende Enkel unternimmt auch den Versuch, das Konstrukt einer Familie generell auf Liebe, Schuld und Wahrheit abzuklopfen. Journalistisch sachlich, zart moralisierend, insgesamt aber stimmig. Rätselhaft, dass es seit der Veröffentlichung in Frankreich 2009 so lange bis zur deutschen Ausgabe brauchte. (Elster & Salis, 24 Euro) Isabel Lauer
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Autofiktion ist in Mode – bei diesem Roman aus Frankreich das Beste, was dem Thema passieren konnte. Fabrice Humbert hat in "Der Ursprung der Gewalt" das Schicksal seines im Holocaust ermordeten jüdischen Großvaters untersucht. Dabei ist mehr entstanden als nur eine Zeitzeugen-Sachgeschichte über das Konzentrationslager Buchenwald und den (bis 1988 im Nürnberger Land lebenden) SS-Schlächter Martin Sommer. Denn der erzählende Enkel unternimmt auch den Versuch, das Konstrukt einer Familie generell auf Liebe, Schuld und Wahrheit abzuklopfen. Journalistisch sachlich, zart moralisierend, insgesamt aber stimmig. Rätselhaft, dass es seit der Veröffentlichung in Frankreich 2009 so lange bis zur deutschen Ausgabe brauchte. (Elster & Salis, 24 Euro) Isabel Lauer © Elster Verlag/Montage: Sabine Schmid

Und schon wieder Autofiktion: "Es ist ein Mädchen" hat die nun erstmals in Deutschland zu lesende französische Schriftstellerin Camille Laurens ihren Roman genannt. Damit stellt sie der frauenfeindlichen, prüden und gleichzeitig gewalttätigen Ära ihrer Kindheit und Jugend – Laurens ist Jahrgang 1957 – die Quittung aus. Es geht entsprechend unverblümt um viel Körperlich-Geschlechtliches in dieser mit Wahrhaftigkeit erzählten Lebensbeichte. Sie blickt auf das jüngere Ich in der Du-Form zurück, aber ohne Bitterkeit und am Schluss mit der Gewissheit, dass die Generation ihrer Tochter sich aus manchen Rollenzwängen befreit haben wird. Eine optimistische Entdeckung. (dtv, 22 Euro) Isabel Lauer
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Und schon wieder Autofiktion: "Es ist ein Mädchen" hat die nun erstmals in Deutschland zu lesende französische Schriftstellerin Camille Laurens ihren Roman genannt. Damit stellt sie der frauenfeindlichen, prüden und gleichzeitig gewalttätigen Ära ihrer Kindheit und Jugend – Laurens ist Jahrgang 1957 – die Quittung aus. Es geht entsprechend unverblümt um viel Körperlich-Geschlechtliches in dieser mit Wahrhaftigkeit erzählten Lebensbeichte. Sie blickt auf das jüngere Ich in der Du-Form zurück, aber ohne Bitterkeit und am Schluss mit der Gewissheit, dass die Generation ihrer Tochter sich aus manchen Rollenzwängen befreit haben wird. Eine optimistische Entdeckung. (dtv, 22 Euro) Isabel Lauer © dtv/Montage: Sabine Schmid

"Über die Gemälde von Giovanni Segantini": Man muss den italienischen Maler Segantini (1858 – 1899), der mit realistischen bäuerlichen Idyllen und nicht selten verklärenden Natur-Impressionen berühmt (für seine Kritiker auch berüchtigt) geworden ist, nicht innig mögen, um Michael Krügers Monographie über den Künstler anregend und höchst lesenswert zu finden. Denn der ehemalige Hanser-Verleger nähert sich ihm durchaus zweifelnd, sieht auch die Gefahr des Kitsches; er lässt sich aber auf das Gedanken- und Seelenspiel des Künstlers ein und findet schließlich in seinen philosophischen, sehr persönlichen Spurensuchen einen Freund und Begleiter durch die Fährnisse des Lebens. (Schirmer/Mosel Verlag, 38 Euro) Bernd Noack
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"Über die Gemälde von Giovanni Segantini": Man muss den italienischen Maler Segantini (1858 – 1899), der mit realistischen bäuerlichen Idyllen und nicht selten verklärenden Natur-Impressionen berühmt (für seine Kritiker auch berüchtigt) geworden ist, nicht innig mögen, um Michael Krügers Monographie über den Künstler anregend und höchst lesenswert zu finden. Denn der ehemalige Hanser-Verleger nähert sich ihm durchaus zweifelnd, sieht auch die Gefahr des Kitsches; er lässt sich aber auf das Gedanken- und Seelenspiel des Künstlers ein und findet schließlich in seinen philosophischen, sehr persönlichen Spurensuchen einen Freund und Begleiter durch die Fährnisse des Lebens. (Schirmer/Mosel Verlag, 38 Euro) Bernd Noack © Schirmer und Mosel Verlag/Montage: Sabine Schmid

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