Clubkultur

Musikclubs zu Kulturorten aufgewertet - das hat Folgen auch in Nürnberg

2.6.2021, 06:00 Uhr
Jetzt muss sich endlich noch Corona verziehen, dann könnten für die Clubs in Deutschland gute Zeiten anbrechen. Unser Foto stammt aus dem Club Stereo in Nürnberg.

Jetzt muss sich endlich noch Corona verziehen, dann könnten für die Clubs in Deutschland gute Zeiten anbrechen. Unser Foto stammt aus dem Club Stereo in Nürnberg. © Foto: PR

"Diese Entscheidung ist total wichtig und richtig", sagt David Lodhi. Er betreibt in Nürnberg den Club Stereo, den er ausdrücklich als einen Kulturort begreift. Und eben nicht als Vergnügungsstätte. Als solche gelten Clubs in der Baunutzungsverordnung bislang. Genau diese Aufwertung fordern nun aber einmütig fraktionsübergreifend Vertreter von CDU/CSU, SPD, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen in einem sogenannten Entschließungsantrag an den Deutschen Bundestag. Bei der breiten politischen Einigkeit gilt die Zustimmung als sicher.

"Erheblicher Beitrag"

Die Begründung liest sich wie eine Liebeserklärung an die Technomusik: "Die Clubkultur gehört zur kulturellen Vielfalt Deutschlands", heißt es darin. Die demokratischen Parteien im Bundestag fordern, dass "der erhebliche Beitrag" gewürdigt wird, "den die Clubs zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben und zur Entwicklung lebendiger Städte und Gemeinden leisten".


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Und ja, auch ihre Rolle als Wirtschaftsfaktor sei zu beachten. Mit rund 50.000 Angestellten sowie freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von circa 1,1 Milliarden Euro sei die Clubkultur ein wichtiger Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Parteien fordern vom Bundestag den ausdrücklichen "Willen zur weiteren Unterstützung und zum Erhalt der Clubkultur".

Psychologisches Signal

Dieses Bekenntnis ist aus Sicht Lodhis ein wichtiges psychologisches Signal für die Szene. Und ein Zeichen dafür, wie sehr der Kulturbegriff im Wandel ist und gerade jetzt mit neuer Offenheit diskutiert werde. Was aber bedeutet die Einstufung als "Anlagen kultureller Zwecke" konkret für Nürnberg?

"Genau das wollen wir jetzt von der Stadt wissen", sagt Natalie Keller, Nürnberger Stadträtin der Grünen. In einem Antrag an OB Marcus König fragt die Fraktion: Welche Auswirkungen hat die Entschließung auf kommunaler Ebene? Wer ist innerhalb der Stadtverwaltung für die Umsetzung zuständig? Und welche konkreten Perspektiven ergeben sich damit für die Clubbetreiber?


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"Hauptsächliches Ziel des Antrags ist es, dass sich Musikclubs und Livemusikspielstätten leichter in Innenstädten, aber auch in ländlichen Regionen ansiedeln können", heißt es in einer Mitteilung des Parlamentarischen Forums Clubkultur und Nachtleben. Abgeordnete von Grünen, Linke, FDP, SPD und CDU/CSU haben das Forum 2020 im Bundestag gegründet, um dem Thema fraktionsübergreifend mehr Rückhalt und Sichtbarkeit zu geben.

Stadt in anderer Verantwortung

Für bestehende Clubs bedeutet die Aufwertung mehr Sicherheit am Standort, wenn Immobiliengesellschaften und Bauträger ein Auge auf die Gebäude und Areale werfen. "Man kann uns jetzt nicht mehr so einfach wegrationalisieren", heißt es von Clubbetreibern. Auch bei der Konfliktbewältigung mit Anwohnern zum Beispiel wegen Lärmbelästigung stünde die Stadt künftig in einer anderen Verantwortung, glaubt Lodhi. Wie sein Kollege vom Nürnberger Club Rakete geht auch er davon aus, dass es dauern wird, bis konkrete Maßnahmen durchdringen.

Aber einig sind sich alle aus der Szene, dass dieser Entschließungsantrag ein großer, wichtiger Schritt ist: "Wir sind jetzt nicht mehr die Assis vom Ende der Stadt, sondern wir sind mehr wert. Zumindest auf dem Papier."

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