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Musikgeschichte aus Erlangen: MP3-Format wird 25 Jahre alt

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts revolutionierten die Musikwelt - 14.07.2020 07:43 Uhr

Das MP3-Format veränderte damals das Leben vieler Musikfreunde: Sie konnten ihre Lieblingssongs einfacher denn je unterwegs hören.

© dpa


Am 14. Juli vor 25 Jahren wurde in Erlangen Musikgeschichte geschrieben. Also, gewissermaßen zumindest. Denn an diesem Tag legten die Forscher des Fraunhofer-Institus für Integrierte Schaltungen (IIS) den Namen mp3 für ihr neues digitales Dateiformat fest.

Musik über die Telefonleitung

"Wie kann ich Musik so klein machen, dass ich sie zum Beispiel über eine Telefon-Leitung übertragen kann?", lautete damals die Frage, die es für das Forscher-Team um Karlheinz Brandenburg zu lösen galt — was viele Jahre dauerte.


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Am Ende stand ein revolutionäres Audiodaten-Kompressionsverfahren, das wenig später seinen Siegeszug um die Welt antreten sollte. Und das es auch ermöglichte, dass man Songs problemlos in Dauerschleife hören kann.

Vor 13 Jahren war Suzanne Vega zu Gast in Erlangen und lauschte interessiert den Ausführungen der Wissenschaftler, die mit Hilfe ihres Songs "Tom‘s Diner" das mp3-Format entwickelt hatten.

© Giulia Iannicelli


Genau das mussten die Wissenschaftler vor 25 Jahren auch machen. Die Mutter der mp3 ist nämlich die US-amerikanische Singer/Songwriterin Suzanne Vega beziehungsweise ihr 1987 veröffentlichtes Stück "Tom‘s Diner". "Ich habe diesen Song sicher tausend, wenn nicht Tausende Male gehört", erinnert sich Brandenburg heute. "Aber weil ich die Musik mag, hing sie mir nie zum Hals heraus."

Beim Umwandeln eines Titels in das datenreduzierte mp3-Format werden für den Menschen nicht wahrnehmbare Akustik-Signale einfach ausgeblendet. Bei Vegas Song fehlt jedoch jegliche Instrumentierung. Entsprechend deutlich waren kleinste Abweichungen in den ersten Testversionen zu hören. Später wurde es selbst für versierte Experten nahezu unmöglich, Unterschiede zwischen CD und mp3 auszumachen.

"Echte Herausforderung"

"Ihr Stück war eine echte Herausforderung für uns!", erzählten die Forscher im Jahr 2007 Suzanne Vega, und sie konnten es ihr sogar persönlich vor Ort sagen. Die Künstlerin war damals für den Nürnberger Serenadenhof gebucht und schaute vor dem Auftritt in Erlangen vorbei.

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Davon, dass ihr atmosphärisches A-Cappella-Lied nachgerade an einer Revolution beteiligt war, ahnte die Musikerin lange nichts, berichtete sie bei ihrem Besuch. Einige Jahre zuvor hatte Suzanne Vega ihre Tochter zur Schule gebracht und war von einer Dame herzlich dazu beglückwünscht worden, die "Mutter von mp3" zu sein: "Ich hatte keine Ahnung, wovon sie sprach!" Das änderte sich dann jedoch schnell.


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Die Bezeichnung mp3 ist übrigens einfach eine Kurzform von "MPEG Audio Layer 3", wobei MPEG für Moving Picture Experts Group steht, eine Gruppe von Experten, die sich mit der Standardisierung von Video- und Audiokompression beschäftigt. Sie hatte Anfang der 1990er den Standard MPEG-1 entwickelt.

MP3-Player so gut wie ausgestorben

Der erste mp3-Player kam 1998 auf den Markt, heute sind die Geräte, selbst Apples iPod, so gut wie ausgestorben. Musik wird auf dem Smartphone gespeichert beziehungsweise gestreamt. Dass das Digitale das Analoge jemals ablösen wird, glaubte Suzanne Vega bei ihrer Stippvisite in Erlangen nicht: "Am Ende werde ich trotzdem mit meiner Gitarre in einem Raum sitzen und Lieder schreiben — oder sie einem menschlichen Gegenüber vorspielen."

she/gnad

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