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Netflix-Serie löst neuen "Star Trek"-Hype aus

Wie "Star Trek: Discovery" die meistgestreamte Serie des Frühjahrs würde - 13.03.2019 17:11 Uhr

In den Streaming-Charts hochgebeamt: "Star Trek: Discovery", das ein Jahrzehnt vor der Geschichte der Kult-Serie "Raumschiff Enterprise" einsteigt, sorgt derzeit bei Netflix für galaktische Abrufzahlen. © CBS / Netflix


Der Reboot-Wahn der US-Unterhaltungsindustrie lässt Fans vieler Kult-Produktionen häufig laut aufstöhnen. Immer öfter legen die Produktionsstudios in den Staaten alte Hit-Serien und -Filme neu auf anstatt neue Stoffe zu adaptieren. Der Hintergrund dieses Recyclings beliebter Inhalte ist klar: Die Vertreiber können sich des Interesses der Fangemeinde sicher sein, was zumindest den Start der Adaptionen erleichtert. Doch häufig reißen die Neuauflagen auch ein Vermächtnis ein, dass sich Filme und Serien über Jahrzehnte aufgebaut haben. Enttäuschende Neuinterpretationen beliebter TV-Formate heißen "Fuller House", "Der Denver-Clan", "24: Legacy", "MacGyver", "Heroes: Reborn", oder "Prison Break". Eine ganz neue Hausnummer wird die gerade in Produktion befindliche "Herr der Ringe"-Serie Amazons werden – die bislang teuerste Serie aller Zeiten, bei der Fans fürchten, dass sie den Peter-Jackson-Filmen nicht gerecht werden wird. Wie man beliebte Stoffe sehenswert neu auflegt zeigt dagegen derzeit "Star Trek: Discovery".

Kult-Serie, neu gedacht

Wie der Name bereits andeutet handelt es sich dabei um Geschichten des besonders in Deutschland beliebten Universums von "Raumschiff Enterprise". Alles begann in den 60er Jahren mit der gleichnamigen Original-Serie von Gene Roddenberry, die heute ikonische Charaktere wie Captain Kirk und Mr. Spock erstmals einführte. Neuinterpretationen der Geschichte um eine Raumschiff-Crew, die unbekannte Bereiche des Universums erkundet, sind dem "Star Trek"-Universum ganz und gar nicht fremd. Mittlerweile zählt das Franchise sieben TV-Serien - darunter beispielsweise „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ mit Patrick Stewart als Jean-Luc Picard – und sogar 13 Filme.

Neben den inhaltlich gelobten und auch kommerziell sehr erfolgreichen Filmneuschöpfungen mischt "Star Trek" derzeit auch die Serienwelt auf, denn die seit 2017 laufende Serie "Star Trek: Discovery" entwickelte sich in der gerade laufenden zweiten Staffel zum absoluten Hit. Das Format spielt etwa ein Jahrzehnt vor den Ereignissen der Originalserie aus den 60er Jahren und damit nicht in der Zeitlinie der neuen Kinofilme. Captain Kirk spielt jedoch noch keine Rolle im Format, das sich auch gar nicht um die "Enterprise" dreht, sondern um das titelgebende Raumschiff "Discovery". Stattdessen steht die Sternenflotten-Offizierin Michael Burnham im Mittelpunkt, die in Staffel eins einen Krieg zwischen der Föderation und der Kriege-Zivilisation der Klingonen auslöst.

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"Star Trek: Discovery" stellt Rekorde auf

Mittlerweile befindet sich die Serie in Staffel 2. Das Besondere am Format: Obwohl "Star Trek: Discovery" vom US-Sender CBS stammt, ist sie eine Streaming-Serie durch und durch. Nachdem die erste Folge im September 2017 noch im linearen Fernsehen ihre Premiere vor 9,5 Millionen Zuschauern gefeiert hatte, wurden neue Folgen seither in den USA ausschließlich beim zum Sender gehörenden Streaming-Dienst "CBS All Access" veröffentlicht. Außerhalb der USA hält Netflix die Rechte an der Serie, wo wöchentlich je eine neue Episode erscheint. Für Netflix lohnt sich die Zusammenarbeit mit CBS ungemein, vor allem in Deutschland.

Am 17. Januar 2019 startete Staffel zwei. Obwohl die Serie hierzulande in den Medien bislang kaum Resonanz erzeugte, rangierte sie im Monat Februar mit 15,7 Millionen Abrufen bereits auf Platz zwei aller Serien bei Diensten wie Netflix oder Prime Video, direkt hinter "The Big Bang Theory". Anfang März überholte die Prequel-Serie sogar die beliebten Nerds: Zwischen dem 1. und 7. März ließ "Star Trek: Discovery" alle anderen Formate sogar weit hinter sich und stellte einen Jahresrekord auf. Mehr noch: Dank acht Millionen Zuschauern unterhielt die Science-Fiction-Serie binnen einer Woche die meisten Nutzer seit Anfang August 2018, als "Orange is the New Black" noch mehr Menschen anlockte.

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Deutsche lieben "Star Trek"

Was steckt hinter dem Riesenerfolg von "Star Trek: Discovery" und warum nimmt die Serie erst in Staffel zwei so richtig Fahrt auf? Ein Grund für den großen Erfolg ist natürlich der große Name. Serien mit dem Label "Star Trek" können sich des Interesses einer Fangemeinde sicher sein, die gerade in Deutschland sehr groß ist. Heute wird "Star Trek" als die erste Fernsehserie angesehen, die ihre Anhängerschaft in Fanklubs vereinigte. Die Fans von "Raumschiff Enterprise", die mit "Star Trek: Discovery" nun auch Zulauf erhalten, werden "Trekkies" gerufen.

In Deutschland wuchs die Fangemeinde, bis in die Mitte der 90er Jahre stetig. Ab 1993 zeigte Sat.1 "Star Trek – Das nächste Jahrhundert", sodass rückblickend die Jahre 1990 bis 1997 als Boomphase angesehen werden. Mit der gewachsenen, von "Star Trek" inspirierten Konkurrenz verloren nach der Jahrtausendwende viele Fans das Interesse. Nun erfährt "Star Trek" in Deutschland einen zweiten Hype, wobei sich dieser im Online-Zeitalter ganz anders gestaltet als noch früher, wo Fanzines herausgegeben wurden und sich Anhänger zu Stammtischen und großen Veranstaltungen trafen, um der Serie zu huldigen.

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Warum "Star Trek: Discovery" so beliebt ist

Doch neben dem seit Jahrzehnten bestehenden Fankult gibt es auch inhaltliche Gründe für die wachsende Beliebtheit der Spin-Off-Serie. Ein großes Einschalt-Argument war in Staffel zwei beispielsweise der lange ersehnte erste Auftritt von Mr. Spock. An seiner Figur zeigte sich auch, dass derartige Neuauflagen beliebter Stoffe ihre Fangemeinden auch immer spalten werden. Ein Sturm der Entrüstung brach im Internet schon los, als der ungemein populäre Spock, der im Originalformat stets glattrasiert war, mit ungepflegtem Bart in der neuen Serie auftrat. Zudem sehen Fans ihn erstmals überhaupt Emotionen zeigen. Ein weiterer polarisierender Neuankömmling heißt in Staffel zwei Captain Pike, der Vorgänger Kirks auf der „Enterprise. Schon seit Beginn der Serie gibt es neben den überwiegend positiven Stimmen von Fans und Rezensenten also auch viele alteingesessene, glühende "Star Trek"-Anhänger, die "Star Trek: Discovery" verteufeln.

Aus objektiver Sicht ist das kaum nachvollziehbar, denn sogar für Leute, die sich bis heute nicht für "Star Trek" erwärmen konnten, gilt "Star Trek: Discovery" mittlerweile als gerne ausgesprochene Sehempfehlung. Staffel zwei kommt auch so gut an, weil sich Staffel zwei nun auf die Kernmission der "Star Trek"-Saga konzentriert, nämlich fremde Planeten und Zivilisationen zu erforschen. Das machte schon in den 60er Jahren die Magie der Serie aus. Nach Staffel eins haben die neuen Charaktere mittlerweile das gleiche Format der Ikonen aus dem Mutterformat erreicht, während die Atmosphäre mit einem neuen Captain deutlich leichter und humorvoller ist als noch in Staffel eins.

Letztlich kennzeichnet "Star Trek: Discovery" eine Mischung aus hochwertiger und moderner Science-Fiction mit ansprechenden Action-Sequenzen, die jedoch wie früher weniger auf Fantasien über Zukunfts-Technologien fokussiert als viel mehr auf die Reflektion gesellschaftlicher Zustände und allgemeingültige zwischenmenschliche Dynamiken. In den 60ern entstand "Star Trek" zu einer hochpolitischen Zeit, in der die US-Gesellschaft Rassendiskriminierung, der Kalte Krieg und der Vietnamkrieg beschäftigte. Urheber Gene Roddenberry erklärte damals selbst, die Serie soll in einer "positiven Zukunft" spielen. Die Mondlandung 1969 sorgte in den USA schließlich für eine starke Begeisterung im Hinblick auf die Raumfahrt. "Star Trek: Discovery" fängt die Essenz des Originals ein. Kein Wunder, dass die Serie in den gegenwärtig sehr politischen Zeiten, wieder so viele Serienfans zu "Trekkies" macht.

Timo Nöthling

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