NN-Kunstpreis verliehen: Das sind die Gewinner

8.7.2020, 19:57 Uhr
Die Jury-Vorsitzende Julia Lehner mit den Gewinnern der jeweils mit 2000 Euro dotierten Preise.

Die Jury-Vorsitzende Julia Lehner mit den Gewinnern der jeweils mit 2000 Euro dotierten Preise. © Foto: Stefan Hippel

Eine Preisverleihung in Corona-Zeiten erfordert von allen Beteiligten Improvisationstalent. Die Jury-Vorsitzende des "Kunstpreises der Nürnberger Nachrichten", Kulturbürgermeisterin Julia Lehner, attestierte der Zeremonie, die ohne Gäste in der Ausstellung stattfand, fast den Charakter einer Performance. Aufgezeichnet von einem kleinen Kamerateam.


Der NN-Kunstpreis 2020: Starke Kontraste, große Strahlkraft


Den Gewinnern hätte man natürlich ein größeres Publikum und viel mehr Applaus gewünscht. Das Wichtigste aber ist, dass der renommierte Wettbewerb überhaupt stattfand. Lehners ganz großer Dank galt denn auch den NN-Verlegerinnen Bärbel Schnell und Sabine Schnell-Pleyer, für die stets außer Frage stand, dass es die hochdotierte Auszeichnung – insgesamt wurden neun Preise in Höhe von zusammen 29.000 Euro verliehen – trotz Corona geben wird.

Hohe Bedeutung

Angesichts der aktuell für alle harten wirtschaftlichen Lage sei das keineswegs selbstverständlich, betonte Lehner. Dabei komme dem Preis in einer Zeit, in der die Pandemie bereits tiefe Schneisen in der Kulturlandschaft geschlagen habe und man befürchten müsse, dass viele Kunstschaffende trotz aller Rettungsschirme die Krise nicht überstehen werden, eine gar nicht hoch genug einzuschätzende Bedeutung zu.

Dass es – nach dem Shutdown des Kulturlebens – wohltuend ist, "Kunst wieder analog zu erleben" (so Lehner), dürften alle Anwesenden ähnlich empfunden haben. Die NN- Kunstpreis-Ausstellung reiht sich nun als hochkarätige Leistungsschau prominent in den seit Mitte Mai wieder angelaufenen Kunstbetrieb ein. 64 Arbeiten von 57 Künstlerinnen und Künstlern sind im Kunsthaus in einer sehr schön inszenierten Ausstellung zu sehen. Und sowohl die bestens Bekannten wie die 17 Erstteilnehmer überzeugen mit vielen großartigen Werken.

"Prophet" mit Äxten und Beilen

Mit Stefan Schindler holte sich einer der "Debütanten" gleich auf Anhieb den mit 8500 Euro dotierten 1. Preis. Der 38-jährige Bildhauer reagierte überwältigt auf die Auszeichnung. Seine Freude darüber war umso größer, als er sie für ein Werk bekam, mit dem Schindler noch einmal einen ganz neuen Weg eingeschlagen hat. Zuvor, erzählt er, habe er an seinen Figuren poliert und gefeilt, bis sie eine perfekt glatte Oberfläche hatten. Sein ausgezeichneter "Prophet" hingegen, der wie ein stiller Mahner über die Welt zu wachen scheint, ist mit Äxten und Beilen aus Holz gehauen. Die rohe, offene Form der anmutigen Skulptur findet der Künstler viel besser, um ein Gefühl für etwas Ewigzeitliches zu vermitteln. "Das kann auch Liebe sein."

Johannes Vetter, der den 2. Preis (5500 Euro) gewann, stimmt mit seinem Bild eines ins Schwanken geratenen, prächtig funkelnden Kronleuchters hingegen einen Abgesang auf das irdische Streben nach Glanz und Luxus an. Und nicht nur virtuose Kunstarbeit, sondern auch eine gehörige Portion Wut steckt in Günter Paules mit dem 3. Preis (3000 Euro) ausgezeichnetem Bild "Hauben", dessen farbglimmende Bäume von der Gefährdung der Natur und der vergeblichen Sehnsucht nach Behütetsein erzähle, so die Jury.

Verleihung unter Ausnahmebedingungen

Ignaz Huber konnte nicht zur Preisverleihung kommen, sein ausgezeichneter

Ignaz Huber konnte nicht zur Preisverleihung kommen, sein ausgezeichneter "Sizialianischer Straßenwolf" begeisterte dennoch die Verlegerinnen der NN sowie Kulturbürgermeisterin Julia Lehner. © Foto: Stefan Hippel

Paule selbst formulierte es noch deutlicher: "Wenn den Menschen jetzt kein Licht aufgeht, was sie dem Planeten antun", meinte er mit Blick auf Klimawandel und Pandemie, "dann ist ihnen nicht mehr zu helfen." Ernste Worte eines großartigen Künstlers am Ende einer trotz allem festlichen Preisverleihung unter Ausnahmebedingungen.

Auch für die Ausstellung zum Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten gelten wegen der Corona-Pandemie Hygiene- und Abstandsauflagen. Maximal 40 Personen dürfen sich zeitgleich in der Ausstellung aufhalten. Um Warteschlangen zu vermeiden, wird empfohlen, einen verbindlichen Eintrittstermin unter Telefonnummer 09 11/ 231 40 00 zu vereinbaren. Von einem Besuch zu den normalerweise stark frequentierten Zeiten an den Wochenenden wird abgeraten. Die Räume werden regelmäßig komplett durchlüftet, das Publikum wird dann gebeten, draußen zu warten.

Info: Der Eintritt zur Ausstellung im Kunsthaus im Künstlerhaus (Königstr. 93) ist frei. Die Schau läuft bis 30. August (Di.–So. 10–18, Mi. bis 20 Uhr). Der Katalog kostet 15 Euro.

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