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NN-Kunstpreisträger im Gespräch

Spannende Begegnung mit dem Maler André Debus in der Ausstellung - 09.08.2019 14:34 Uhr

André Debus vor seinem Selbstporträt „Beschädigter Künstler“, für das er beim NN-Kunstpreis den 2. Preis erhielt. © Foto: Ralf Rödel


Als Kind wäre André Debus gerne Musiker geworden, doch die Eltern wollten, dass ihr Sohn einen ordentlichen Beruf erlernt, also machte er eine Ausbildung zum Chemielaboranten, jobbte im Baumarkt, war Zivi im Nürnberger Kulturladen Loni-Übler-Haus und kam 2003 an die Kunstakademie. Nach dem Studium (als Meisterschüler bei Peter Angermann) hatte er 21 000 Euro Schulden. Seitdem verdient Debus seinen Lebensunterhalt im Künstlerbedarf-Fachgeschäft Boesner. Außerdem hat er eine Vorliebe für scharfe Messer – aber dazu später.

Keine Frage, eine typische Künstlerkarriere stellt man sich anders vor. Doch mit Karriere im Sinne des Kunstmarkts hat 41-Jährige ohnehin nichts am Hut. "Ich möchte mit meinen Bildern nicht mein Geld verdienen", betont Debus beim Gespräch in der NN-Kunstpreisausstellung, bei dem das Publikum einen sympathisch bodenständigen Maler kennenlernt, der konsequent seinen eigenen Weg gegangen ist.

Für sein Selbstporträt "Beschädigter Künstler" erhielt er den 2. Preis. Auf dem Ölgemälde zeigt er sich mit kaputten Zähnen und blutigen Schürfwunden an Kinn und Mund – Dokument eines Radunfalls, den Debus erlitt, als er auf die vereiste Zufahrt zu seinem Elternhaus einbog. Der Sturz kostete ihn einen Schneidezahn und beschädigte den anderen. "Plötzlich war mein Markenzeichen weg, meine Hasenzähne. Das musste ich malen", sagt Debus und deutet an, dass das Bild für ihn weit mehr als eine Momentaufnahme ist.

So offen, wie er NN-Redakteurin Birgit Ruf, die das sehr unterhaltsame Gespräch moderierte, von Persönlichem erzählt – darunter von seiner Angst vor dem Autofahren, die ihn zum überzeugten Radfahrer machte ("Heute bin ich stolz auf die Entscheidung, weil es eine ökologische ist") –, so interessant sind seine Ausführungen zur Kunst. An dem Zwiespalt zwischen der Außenwahrnehmung des Künstlers und dem eigenen Anspruch sei er mehrfach gescheitert. Wobei sich das Scheitern als sehr produktiv erwies. Aus Protest gegen den Lehrbetrieb an der Akademie, wo es keineswegs so nobel zuging wie erwartet, habe er kleine, schlampige Stillleben gemalt – nicht wirklich ernst, eher ironisch gemeint. "Doch die Bilder verkauften sich wie blöd", erzählt er und lacht. Später ging er zu Figurenbildern über, seit einigen Jahren auch zur Landschaftsmalerei.

In beiden Genres bewegt er sich mit großer Souveränität. In seinem preisgekrönte Selbstporträt blitzt dabei auch ein feiner Humor auf. Das Werk wirkt fast altmeisterlich, doch für Debus sind Bildidee und Maltechnik klar zu trennen. Er verehrt die Renaissance- und Barockmaler. "Aber ich könnte nie malen wie ein Renaissance-Künstler, der eine ganz andere Antriebskraft hatte. Meine Bilder sind zeitgenössische Gemälde".

Die Nürnberger Künstlerszene sieht er gut aufgestellt. "Da gibt es viele, die sich auch in Berlin behaupten könnten." Und was hat es mit den Messern auf sich? Die liebt der auch handwerklich sehr begabte Künstler als Werkzeuge, die er mit Schärfemaschine und Schleifsteinen auf Hochglanz poliert. Wieviele Messer er hat, kann er gar nicht sagen, aber was er genau weiß: "Kampfmesser würde ich nie anfassen."

 

InfoDie Ausstellung im Nürnberger Kunsthaus, Königstr. 93, ist bis 1. September geöffnet; weitere Künstlergespräche mit den Preisträgern: 14. August mit Simon Kellermann, 21. August mit Urban Hüter, jeweils 18 Uhr. 

REGINA URBAN

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