Nürnberger Ex-Junkie plant Comic

14.12.2017, 11:54 Uhr
Dominik Forster hat seine Drogengeschichte als Buch veröffentlicht und besucht bei seinen Präventionstouren vor allem auch Schulen.

Dominik Forster hat seine Drogengeschichte als Buch veröffentlicht und besucht bei seinen Präventionstouren vor allem auch Schulen. © Foto: Reiner Haas

Es ist eine Geschichte wie aus einem Buch: von einem kleinen Jungen, mit dem es die Welt so gar nicht gut meint, der aus der Spur gerät, absteigt in die tiefsten Abgründe des Drogensumpfs und sich eines Tages nicht nur auf dem Boden, sondern fast schon unter der Erde wiederfindet. Doch "Crystal.klar", die Geschichte von Dominik Forster, ist keine Fiktion, sondern real. Der 29-Jährige ist Ex-Junkie, Ex-Dealer, Ex-Knacki und hat sein Leben aufgeschrieben. Damit tourt er seit einigen Jahren durch Deutschland, um zu helfen, Prävention zu betreiben. Damit ihm das noch besser gelingen kann, möchte er seine Geschichte als Comic zeichnen lassen. Dafür braucht er finanzielle Hilfe.

"Ich erzähle meine Geschichte so oft", sagt Dominik Forster. "Und jedes Mal erscheint sie mir noch absurder als zuvor." Dabei ist der Lebenslauf des Nürnbergers vermutlich weniger absurd als vielmehr exemplarisch. Mit 13 kommt er auf die Herschelschule, eine der zwei städtischen "Horrorschulen", sagt er. Dort beginnt ein vierjähriges Martyrium: "Ich war neu, klein und ein Nerd – das reicht für Mobbing."

Von den Eltern erfährt er keinerlei Rückhalt: Der Vater ist schwerer Alkoholiker, die Mutter betäubt sich mit Medikamenten. Auf einer Jugendreise mit 16 beschließt Dominik: "Ich werd’ jetzt cool" und muss gleichzeitig feststellen, dass die Coolen die sind, die rauchen, trinken und kiffen. "Das war gar nichts für mich", sagt er, "ich habe das gehasst."

Seine Lebensgeschichte will Dominik Forster nun auch als Graphic Novel herausbringen. Das Crowdfunding-Projekt läuft bereits.

Seine Lebensgeschichte will Dominik Forster nun auch als Graphic Novel herausbringen. Das Crowdfunding-Projekt läuft bereits. © Zeichnung: Andreas Butzbach

Er lügt, um trotzdem dazugehören zu können, passt sich an, trifft sich mit den neuen Freunden am Hauptbahnhof, sieht "wie lustig und cool die waren, wenn sie dicht waren" – und will das bald auch. "Ich habe in kürzester Zeit außer Heroin alles ausprobiert", sagt Dominik Forster und erzählt, wie ein Gramm Speed zu Beginn fürs ganze Wochenende reichte, wie das später seine Tagesration wurde, zusammen mit Crystal Meth und Koks.

Im Betrieb des Vaters sieht er, wie selbstverständlich unbotmäßiges Saufen gehandhabt wird. Er macht mit, um dazuzugehören, ist plötzlich leistungsfähig, effektiver, schneller, immer wach. Er wird vom Konsumenten zum Verkäufer. "Wenn du dealen willst", sagt er, "dann musst du nur in eine der Drogendiskos hier gehen." Ein Gramm Speed für einen Euro kaufen, für 25 verkaufen. "Ich war der King", sagt Dominik Forster, und vergleicht den Ablauf mit dem Abschuss einer Rakete: "Es geht rauf und rauf und rauf – und ganz oben gibt es eine Explosion, und was übrig bleibt, ist Dreck."

Er hat viel gelernt, viel verstanden, viel eingesehen in den letzten Jahren – und viel verloren. Zwei Kilo Speed bringen ihn für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Als das SEK die Wohnung stürmt, "lag ich seit vier Wochen in Fäkalien und Erbrochenem in einer verschimmelten Wohnung". Folgen eines kalten Entzugs. Im Knast bleibt er nüchtern, aber unfreiwillig: "Da sind 330 straffällige Psychos und ich – klein und uncool. Wie in der Schule."

Gefängnis als Workshop

Der Knast, sagt Dominik Forster, sei keine Möglichkeit zur Läuterung, sondern ein Verbrecherworkshop: "96 Prozent derjenigen, die reinkommen, kommen schlimmer wieder raus – oder nicht mehr lebensfähig." Um der Hölle zu entgehen, meldet er sich zur Therapie, kommt in ein Resozialisierungsprogramm, wird rückfällig. Stirbt beinahe.

"Da hat es Klick gemacht", sagt Forster, der weiß, er muss jetzt was ändern. Nur was? Psychisch am Ende, ein obdachloser Säufer, "mit 24", sagt er, "war meine beste Option, mir in den Kopf zu schießen". Am Ende hat er Glück, findet "die Liebe meines Lebens, die mich zurückgebracht hat ins Leben" und zu einer Alpenwanderung, auf der er lernt: Wenn man immer einen Fuß vor den anderen setzt, erreicht man irgendwann den Gipfel. So hält Dominik Forster an seiner Idee fest, sein Leben aufzuschreiben. Das dauert drei Jahre.

"Drogen funktionieren"

Die Mission des jungen Mannes: einmal etwas durchziehen. Inzwischen hat sich "Crystal klar" zehntausendfach verkauft, wird längst vom renommierten Ullstein verlegt, ist Dominik Forster viel unterwegs durch Deutschland. Denn die neue Mission lautet: Drogenprävention. "Das Gefährliche an Drogen ist: sie funktionieren", sagt er, und dass es nichts bringt, einfach immer nur davor zu warnen, auch er war viel gewarnt worden. Er hat seinen eigenen Weg gefunden, jungen Menschen von seinem Leben zu erzählen in dem festen Glauben daran, etwas an deren Leben verändern zu können.

"Ich will, dass Prävention Schule macht", sagt er und weiß, dass gerade junge Menschen oft keine Lust haben, Bücher zu lesen. So entstand die Idee, "Crystal klar" als Graphic Novel umzuarbeiten. Den weltbekannten Panini-Verlag konnte Dominik Forster bereits überzeugen, mit Stefan Dinter und Andreas Butzbach kommen nicht weniger namhafte Scripter und Zeichner dazu. Doch die wollen bezahlt werden: 13 000 Euro sind veranschlagt. Wenn er die zusammenkriegt, übernimmt der Verlag den Rest. 750 Menschen, die 20 Euro zahlen, erhalten als Dank den fertigen Comic – und unzählige weitere die Chance, dass ihr Kind vielleicht nochmal nachdenkt, bevor es falsch abbiegt.

"Crystal.klar – die Graphic Novel": Crowdfunding bis 17. Dezember auf dominik-forster.de bzw. auf indiegogo.com

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