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Nürnberger Frösche am Mittelmeer: Die Band Nobutthefrog bringt Musik in den Süden

Ein Interview mit dem Duo, das gerade auf Sizilien Straßenmusik spielt - wo der Ätna Feuer spukt - 08.03.2021 15:00 Uhr

Das Nürnberger Folk-Duo Nobutthefrog ist auf musikalischer Weltreise. Auf dem Foto ist Anka Slavik mit ihrer Gitarre am Mittelmeer zu sehen.

02.03.2021 © René Huber


Hallo Nobutthefrog! Wie geht es euch?
Uns geht es super! Wir sind gerade in der Nähe von Palermo im Nordwesten Siziliens.

Wie lange seid ihr unterwegs und wo seid ihr schon überall gewesen?
Wir haben Mitte September Franken verlassen, waren einen Monat in Österreich mit Abstecher nach Slowenien und haben dann vier Monate auf Sardinien verbracht. Vor einem Monat nahmen wir die Fähre von Cagliari nach Salerno und sind Richtung Süden aufgebrochen, um dem plötzlichen Kälteeinbruch zu entfliehen. Sizilien war eine spontane Bauchentscheidung, weil uns der ausbrechende Ätna beinahe magnetisch angezogen hat.

Eine halbe Weltreise in Zeiten von Corona. Um mit den Worten des großen Gerhard Polt zu fragen: „Braucht’s des?“
Gute Frage! Braucht es Reisen überhaupt? Wir können diese Frage natürlich nicht beantworten, aber wir können aus unseren eigenen Erfahrungen sprechen. Wir erleben jedes Mal, wenn wir auf der Straße spielen, glückliche Gesichter, Daumen nach oben und manchmal sogar Menschen, die vor Freude weinen, endlich wieder Livemusik zu hören. Außerdem leben wir in einem Bus wahrscheinlich fast isolierter wia im richtigen Leben.

Auch optische Abenteuer erlebt das Nürnberger Musikduo Nobutthefrog - wie den Anblick dieses Paragliders an der Küste. 

02.03.2021 © Laura S.


Wie gestaltet sich so eine Reise praktisch in Zeiten, wo kaum Flugzeuge fliegen, die Geschäfte geschlossen haben und Hotels und Restaurants zu sind?
Da wir mit einem Campingbus unterwegs sind, sind wir nicht auf Flugzeuge oder Hotels angewiesen – obwohl wir auch Reisende getroffen haben, die nach Brasilien und Mexiko geflogen sind und dort in der Tat eine gute Zeit verbringen. Wir haben unsere eigene kleine Küche dabei und kochen eigentlich immer selbst. Aber da Restaurants, Bars und Cafés hier bis 18 Uhr geöffnet sind, schätzen wir es trotz alledem, auch mal einen Espresso oder ein Bierchen trinken zu gehen.

Ich für meinen Teil lebe gerade mehr denn je unter einem Stein. Aus dem heimischen Bunker heraus gefragt: Wie ist denn anderswo auf diesem Planeten gerade so die Stimmung?
Obwohl in Süditalien viele Menschen ihren Job verloren haben und es hier keine vernünftigen Coronahilfen gibt, sind die meisten guter Dinge, treffen sich auf der Piazza und in den Bars oder verbringen die Wochenenden mit der Familie am Strand.

Was waren die Höhepunkte auf eurer bisherigen Reise?
Auf jeden Fall den Ausbruch des Ätnas aus nächster Nähe zu erleben, der Besuch der vielen kostenlosen heißen Quellen, Paragliding am Ossiacher See, Surfen auf Sardinien, bei einer Olivenernte zu helfen und für mehr als einen Monat bei einer wunderbaren sardischen Familie zu leben. Wir reisen von dem Geld, das wir durch die Straßenmusik verdienen.

Im Camper unterwegs, das macht unabhängig:  René Huber und Anka Slavik machen momentan Straßenmusik in Südeuropa.

02.03.2021 © Rainer M.


Besondere Vorkommnisse?
Die erleben wir fast jeden Tag! Leute haben uns schon Orangen in den Koffer gelegt, Espresso, Tee oder Bier ausgegeben, haben von uns Fotos und Videos gemacht und uns geschickt, schenkten uns Käse, Schokolade, Obst, Gemüse und sogar Klamotten, wenn wir neben ihren Ständen auf Märkten spielten und sprachen uns nach unseren Auftritten an, um zu erfahren, wo wir herkommen und was wir so machen. Das wahre Wesen der Menschen und die Seele des Landes kann man sehr gut auf der Straße entdecken, wenn man Musik macht und den Leuten einen schönen Moment schenkt, ohne etwas dafür zu verlangen.

Was macht das Reisen musikalisch mit euch?
Das Reisen inspiriert zu neuen Klängen und Texten, aber vor allem sind wir durch die viele Straßenmusik gut im Training. Wir treten damit auch immer noch vor Menschen auf und bekommen viel Feedback für unsere Musik.

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