Bilanz der zweiten Pandemie-Saison

Nürnberger Kultursommer mit Hindernissen

Isabel Lauer
Isabel Lauer

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8.10.2021, 16:32 Uhr
An fünf Abenden im September war die Kaiserburg mit Kunst von Peter Angermann illuminiert. Das wollten immerhin 30.000 Zuschauer sehen.

An fünf Abenden im September war die Kaiserburg mit Kunst von Peter Angermann illuminiert. Das wollten immerhin 30.000 Zuschauer sehen. © Ralf Moll

Heiter bis wolkig – hier passt mal der Wettervergleich. Eine durchwachsene Bilanz des zweiten Corona-Kultursommers 2021 in Nürnberg hat Kulturbürgermeisterin Julia Lehner (CSU) gezogen. Im Verhältnis zur geäußerten Sehnsucht nach einem Wiedererleben von Kultur habe das Publikum viele Angebote dann doch nur zögerlich angenommen, sagte sie im Kulturausschuss des Stadtrats. "Dazu kam ein ganz großer organisatorischer Mehraufwand."

Rückgänge in der Bibliothek

Einige Formate – etwa die neue "Musikspeicher"-Bühne am Spittlertor, Open Airs in St. Katharina, die Reihe "Muse im Museum" oder die Stadtverführungen – seien auf sehr gutes Besucherecho gestoßen, ebenso die wieder geöffneten Kulturläden. Die Ausstellung zum NN-Kunstpreis im Kunsthaus erzielte eine Rekordbesucherzahl. Andererseits hätten beispielsweise das Erfahrungsfeld der Sinne, die Stadtbibliothek, die "Texttage" oder die Tafelhalle mit Anlaufschwierigkeiten gekämpft.

Aus den Corona-Kulturrettungsschirmen von Bund und Land seien mittlerweile rund 2,5 Millionen Euro nach Nürnberg geflossen, so Lehner. Die Förderungen abzuwickeln, habe das Rathaus erhebliche Anstrengung gekostet. Aber "das Geld ist vor Ort angekommen".

Wie der Leiter des städtischen Kultur-Projektbüros, Andreas Radlmaier, schilderte, waren etwa im Bundesprogramm "Neustart Kultur" die Vorlaufzeiten kurz; Förderung gab es nur für neue und nicht bestehende Formate. Gerade die Museen aber seien so knapp besetzt, dass sie dafür kaum Kapazitäten hätten. Das Projektbüro musste wegen der Pandemie-Bestimmungen auch 2021 die Großveranstaltungen Blaue Nacht, Bardentreffen und Klassik Open Air kippen und bot zum Ersatz etwa die Seebühne auf dem Dutzendteich oder die Kunstprojektion an der Kaiserburg an.

Die Kulturstadträte zeigten sich mehrheitlich zufrieden. So sei etwa mit dem niedrigschwelligen Kunstparcours "Lost & Found" im Burggraben wieder "eine neue Erfahrbarkeit der Stadt trotz Corona geglückt", sagte Michael Ziegler (SPD). Nachdenkliches von Marion Grether (CSU): "Trotzdem ist uns erst im Nachhinein klar geworden, wie defizitär wir wirklich sind. Ohne Bundesförderung wäre alles nicht in dieser Qualität möglich gewesen."

"KommVorZone" kommt zurück

Der Kulturausschuss beschloss einstimmig die Fortsetzung des ebenfalls neu entstandenen Soziokulturprojekts "KommVorZone" im Annapark. Die Bespielung der Grünfläche durch Ehrenamtliche und Nachwuchskünstler unter Anleitung des Kulturladens Südpunkt mit 110 Einzelveranstaltungen im Juni und Juli hatte viele Südstädter überrascht und begeistert.

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