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Nürnberger Star-Schlagzeuger: Wolfgang Haffner trommelt online

Der Jazz-Musiker spielt sein für 2022 geplantes Tour-Programm schon jetzt als Stream - 20.01.2021 18:11 Uhr

Live aus der Tafelhalle in die Wohnzimmer der Fans: Mit Simon Oslender (links) an Synthesizer und Fender Rhodes und Thomas Stieger (rechts) am E-Bass präsentiert Wolfgang Haffner (Mitte) für das Online-Publikum seine eigenen Stücke.

19.01.2021 © Foto: Antje Wiech


Es war einmal im letzten Sommer, da durften Konzerte trotz Corona noch live, wenn auch nur vor kleinem Publikum stattfinden. Nach diesem Muster war auch das Heimspiel des fränkischen Schlagzeugers Wolfgang Haffner (55) in der Nürnberger Tafelhalle geplant. Doch daraus wurde nichts. "Haffner plays Haffner" – die Vorab-Weltpremiere des erst für Herbst 2022 geplanten Tour-Programms – wird es trotzdem geben: als einmalige Livestreams am 24. und 25. Januar. Wir sprachen mit Wolfgang Haffner über das ungewöhnliche Gastspiel, sein neues Trio und übers Fahrradfahren.

Herr Haffner, Corona zwingt auch Sie zum Innehalten. Normalerweise trifft man Sie nicht so leicht in der fränkischen Heimat an.

Haffner: Stimmt, ich wäre gerade von einer Riesen-Welttournee zurück. Von April bis Dezember wäre es einmal rund um den Erdball gegangen. Wir hätten auf allen Kontinenten gespielt. Doch bekanntlich ist das alles flachgefallen. Wir konnten gerade mal fünf von 120 Konzerten spielen. Manches versuchen wir zu verschieben, aber weiß ja gar nicht, wie man planen soll. Dieses Jahr wird wohl auch nicht allzu viel passieren.

Wie geht es Ihnen damit? Wie fühlt sich ein weltweit tourender Schlagzeuger im erzwungenen Stillstand?

Haffner: Super! Mir geht es bestens.

In Ernst?

Haffner: Ja, ohne Ironie. Klar, ich spiele für mein Leben gern. Aber ich hab jetzt endlich mal Zeit. Ich kann Musik von Kollegen produzieren, schreiben und üben. Normalerweise fliege ich im Jahr 120 bis 150 Mal irgendwo hin, um aufzutreten. Und das seit mittlerweile rund 30 Jahren. Jammern hilft in diesem Fall ohnehin nichts. Es ist wie es ist. Daher habe ich relativ schnell versucht, mich nicht aufzuregen, sondern mich auf mich selbst zu besinnen, Musik zu schreiben, einfach jeden Tag etwas Sinnvolles zu tun.

Zum Beispiel?

Haffner: Ich mache sehr viel Sport, fahre leidenschaftlich gerne Fahrrad. Vergangenes Jahr habe ich Tausende von Kilometern zurückgelegt. Das mache ich normalerweise zwischen den Touren, das heißt, vergangenes Jahr wäre ich gar nicht dazu gekommen.

Fehlt einem Vollblutmusiker da nicht der Austausch mit anderen Musikerinnen und Musikern?

Haffner: Mit meinem Trio und der Crew bin ich im ständigen Kontakt. Wir versuchen, uns gegenseitig auf dem Laufenden und die Stimmung hoch zu halten (lacht). Und wir sind vorbereitet. Wenn es heute wieder losgehen würde, könnten wir sofort spielen.

Sie könnten wie viele andere Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt auch Live-Streams am laufenden Band produzieren . . .

Haffner: Übers Jahr haben wir einige Streams gemacht – was ich eigentlich ablehne. Online-Konzerte aus dem Wohnzimmer mal eben so mit dem Handy mache ich grundsätzlich nicht. Unsere Aufnahmen waren professionell und fürs ZDF oder für die Leverkusener Jazztage. Letztere gingen um die Welt, und unser Konzert hat voll eingeschlagen. Deshalb spiele ich jetzt das Online-Konzert in der Tafelhalle, die für mich als Nürnberger ja sozusagen meine Homebase, mein Wohnzimmer ist. Wenn es wie zurzeit die einzige Möglichkeit ist, ein Signal zu senden, bin ich gern bereit, eine Ausnahme zu machen. Dabei kann ich auch mein neues Trio präsentieren.

Welche Erfahrungen haben Sie beim Stream-Konzert gemacht? Wie fühlt es sich an ohne Publikum?

Haffner: Das ist nicht anders als bei einem Fernsehkonzert oder im Studio. Da haben wir ja Erfahrung. Man stellt sich vor, die Halle ist voll. Und genau mit dieser Haltung spielt man dann. Man weiß ja, dass die Leute irgendwo da draußen sind und zuhören. Bei den Leverkusener Jazztagen waren es mehrere Zehntausend.

Kommt auch Feedback von den Fans?

Haffner: Oh ja, ich bekomme viele Fan-Zuschriften auf allen Kanälen. Seit gut einem Jahr sind es noch viel mehr. Das sind Leute, die uns vermissen. Erst vor ein paar Minuten kam Post aus Korea herein, dort will man uns auch wieder spielen hören. Umgekehrt vermisse ich das Publikum immens. Insofern werden Stream-Konzerte für mich niemals ein Ersatz für das unmittelbare Erlebnis sein. Da bin ich ein ausgesprochener Live-Mensch. Ich brauche den Energie-Austausch mit den Zuhörern.

Jetzt gibt es das Wolfgang Haffner Trio erst einmal Online. Was wird da in den Wohnzimmern zu hören sein?

Haffner: Mein neues Trio mit Simon Oslender am Piano, Fender Rhodes und Synthesizer und Thomas Stieger am E-Bass. In unserem Programm "Haffner plays Haffner" spielen wir ausschließlich Stücke von mir. Ich habe immer gern selbst geschrieben, und mittlerweile gibt es Hunderte von Nummern und 18 Alben. Wir sind da tief eingetaucht und haben alles auf den Prüfstand gestellt. Es sind Sachen von "Round Silence" dabei, von "Heart of the Matter", Titel, die schon kleine Klassiker sind. Andere Stücke wiederum haben wir noch nie live gespielt – und alle sind eigens von mir für das neue Trio arrangiert worden. Mit den elektronischen Instrumenten haben wir eine viel größere Bandbreite als mit einem klassischen Piano-Trio. Ab 2022 wollen wir dann international auftreten. Es gibt in der Tafelhalle also eine echte Weltpremiere.

Info: Das Live-Konzert findet um Sonntag, 24. Januar, ab 20 Uhr statt. Wiederholung am 25. Januar. Tickets für die Streams unter www.tafelhalle.de – Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit, bei der Kultur Information (09 11/2 31 40 00) erhalten die Käufer ein Passwort für die Aktivierung des Live-Streams.

INTERVIEW: BIRGIT NÜCHTERLEIN

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