Freitag, 15.11.2019

|

zum Thema

Plötzlich in der Bredouille: Weimarer "Tatort" im Check

In "Die harte Kern" wandert Lessing in U-Haff - 22.09.2019 19:16 Uhr

Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) werden in "Die harte Kern" zum Ziel polizeilicher Ermittlungen. © MDR/Wiedemann&Berg/Stephanie Kulbach


Was passiert zuerst? Lessing (Christian Ulmen) überführt Schrottplatzbesitzer Harald Knopp (Heiko Pinkowski) des Mordes an einer Kunstsammlerin. Doch weil der Neffe der Ermordeten vor Gericht als Entlastungszeuge auftritt, kommt Knopp völlig überraschend frei. Nur wenig später wird Knopp mit einer Kugel aus Lessings Dienstwaffe erschossen aufgefunden.

Was passiert dann? Die zur Klärung des Falls angereiste Sonderermittlerin Eva Kern (Nina Proll) erweist sich als Ex-Geliebte von Kommissariatsleiter Stich (Thorsten Merten) und extrem harter Hund. Mit eisernem Besen kehrt das "Miststück" durchs Präsidium. Sie schickt Lessing in U-Haft und entbindet Dorn (Nora Tschirner) wegen Befangenheit ihrer Aufgaben.

Und nun? Dorn ermittelt natürlich trotzdem und zwar heimlich auf eigene Faust. Sie stattet Knopps Ex-Frau Birte (Julika Jenkins), Bruder Georg (Marc Hosemann), dessen Frau Hannah (Katharina Marie Schubert) und Kunstsammler Rainer Falk (Jan Messutat) Besuche ab. Dabei stößt sie auf ziemlich viele Ungereimtheiten, erfährt von einem Fluch, der über dem Schrottplatz liegen soll und einer verschwundenen Statue, die offenbar eine Rolle in dieser Angelegenheit zu spielen scheint.

Gibt es eine Geschichte hinter der Geschichte? Nein. Denn wie üblich steckt in einem "Tatort" aus Weimar kein tieferer Sinn. Regisseurin Helena Hufnagel will mit ihrem Film vor allem unterhalten und keine in der Handlung versteckte Botschaft vermitteln.

Bilderstrecke zum Thema

"Die harte Kern": Der "Tatort" aus Weimar in Bildern

Im neunten Fall mit Christian Ulmen als Kriminalhauptkommisar Lessing und Nora Tschirner als Kriminalhauptkommissarin Kira Dorn kommt ein Schrottplatzbesitzer ums Leben. Da ihm eine Kugel aus Lessings Dienstpistole im Körper steckt, gerät der Polizist ins Fadenkreuz von Sonderermittlerin Kern, einem echten "Miststück" und zugleich Ex-Geliebte von Kommissariatsleiter Stich.


Beobachtung des Films: Polizist Lupo ist schwer verliebt. Aber nicht mehr in Kira Dorn sondern in Aurelie. Der "König der Bekloppten" trägt nun schicke Hemden auf und sendet seiner Angebeteten heiße Liebesbotschaften per Handy. In einem sagen wir mal sehr speziellen Moment gesteht Lupo seinem Herzblatt, dass er für sie sogar mehr Gefühle empfinde als damals für Tatjana Schlöter aus Schwallungen bei Schmalkalden. Offenbar hat Lupo also das große Los gezogen. Oder etwa doch nicht?

Der gute Rat des Films: Hunde besitzende Schrottplatzbetreiber sollten ihre Vierbeiner unbedingt davon abhalten, ein kleines Nickerchen in der Schrottpresse zu halten.

Der Auftritt des Films: Eine alte blaue Duo, ein dreirädriges motorisiertes Gefährt, das den Kommissaren Dorn und Lessing hilfreiche Dienste erweist, legt in "Die harte Kern" die mit Abstand beste Performance aufs Parkett.

Ein Zitat des Films: "Es liegt in der menschlichen Natur, vernünftig zu denken und unlogisch zu handeln." (Anatol France)

Ein weiteres Zitat des Films: "Das Höchste, wozu der Mensch gelangen kann, ist das Erstaunen." (Johann Wolfgang von Goethe)

Unser Fazit: Helena Hufnagels erster "Tatort" spricht eine vorwiegend ernste Sprache. Damit überrascht die Regisseurin die Fans des Weimarer Ablegers. Denn im Gegensatz zu den acht Vorläufern serviert "Die harte Kern" vergleichsweise wenig üblichen Irrsinn. Stattdessen erlebt man im mit viel Musik untermalten Film ein Ermittler-Duo, das urplötzlich in den Fokus polizeilicher Arbeit rückt. Das Resultat ist die bislang wohl emotionalste Episode aus Weimar. Note: Drei.

Bilderstrecke zum Thema

So viel würden Tatort-Ermittler im echten Leben verdienen

In einer der beliebtesten deutschen Fernsehsendungen decken Sie Morde auf und Jagen Verbrecher: die Tatort-Kommissare. Dabei machen sie fast immer einen guten Job. Lesen Sie hier, wie viel die Ermittler im echten Leben für ihre Arbeit verdienen würden.


Michael Rosmann Nordbayern.de E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur