Dienstag, 19.11.2019

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Psychothriller von Neil LaBute im Gostner Hoftheater

In "Eine Art Liebeserklärung" muss sich eine Lehrerin ihren Lügen stellen - 09.11.2019 16:00 Uhr

Anke Salzmann inszeniert „Eine Art Liebeserklärung“. © Foto: Wolf Ebersberger


Eine Frau muss sich erklären – und wir sind die Zeugen. Oder gar die Geschworenen? Hat das Ganze nicht etwas von einer Gerichtsszene? "Eine Art Liebeserklärung" ist auf jeden Fall der Monolog einer Lehrerin in gewissen Nöten – oder eben Gewissensnöten, auch wenn es ihr noch so gut zu gehen scheint.

Sie liebt ihren Mann und ihre Tochter ja, sie ist im Beruf erfahren und anerkannt, das bürgerliche Glück scheint – zumal nach amerikanischen Maßstäben – perfekt. Wo also ist das Problem, was hat sie uns zu berichten oder zu beichten?

"Ich liebe Neil LaBute", schwärmt Gisela Hoffmann, die Ende des Jahres scheidende Gostner-Chefin. Die Liebe begann bereits 2004 mit den drei Einaktern "Land der Toten – Ausflug – Einordnen" (zudem ihre erste eigenständige Inszenierung am Haus) und ging mit "Tag der Gnade" (2011) erfolgreich weiter. Und auch das neue Stück des vielseitigen Amerikaners, 2016 an einem Off-Broadway-Theater in New York uraufgeführt – "das ist schon beim Lesen so spannend!"

Der Titel legt es nahe. "Eine Art Liebeserklärung", verfasst als Monolog für eine Schauspielerin (in Nürnberg Michaela Winterstein) ist natürlich: eine Art Liebesgeschichte. "Aber es ist auch ein Krimi", wie Anke Salzmann schnell ergänzt. Salzmann hat die Regie übernommen und ist ebenfalls begeistert von einem Text, der immer wieder unerwartete Wendungen nimmt, bewusst falsche Fährten legt und dann – nicht ohne Witz – seine moralischen Haken schlägt.

Bei Netflix tätig

Knackpunkt der nur scheinbar schlichten Story ist eine Affäre, die die Lehrerin mit einem Schüler aus der Oberstufe hatte. Das mag lange her sein, etliche Jahre, hat aber immer noch Folgen – die der Zuschauer freilich nur nach und nach, letzten Endes erst mit dem Schluss des Stückes zur Gänze erkennen und einschätzen kann.

Salzmann, die in Dresden und Leipzig lebt und auch als Theaterdozentin arbeitet, erinnert im Gespräch an das bekannte LaBute-Stück "Bash" – und wie sich die nettesten Personen da, hoppla, als Killer entpuppen können. "Man versteht perfiderweise diese Leute sogar! Aber bei LaBute muss man immer die Abgründe auf der Rechnung haben, die in uns lauern. In uns allen . . ."

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Schon der erste Satz des Werks deutet für sie immerhin an, worum es eigentlich geht: "Wie viel wiegt eine Lüge?" Und was macht das Lügen eigentlich mit uns, mit unserem Leben? Gibt es "die Wahrheit" überhaupt oder hat jeder seine eigene? Wie andere Stücke von Neil LaBute (der inzwischen für Netflix arbeitet) wirkt "Eine Art Liebeserklärung" an der Oberfläche irritierend alltäglich und unterhaltsam, fast wie eine Seifenoper, hat aber das Gerüst einer griechischen Tragödie.

Die Regisseurin verspricht: "Man wird da nicht kalt rausgehen".

Weitere Aufführungen: 14.–16. Nov., 20.–23. Nov., 27.–30. Nov.; Gostner Hoftheater, Austraße 70; Karten unter Tel.: 09 11/ 26 63 83.

WOLF EBERSBERGER

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