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Punkrock fürs Lagerfeuer: Frank Turner im Nürnberger Löwensaal

Der Brite begeisterte seine Fangemeinde - 15.08.2019 14:15 Uhr

Voller Einsatz: Frank Turner im Nürnberger Löwensaal. © Peter Roggenthin


Rockkonzerte im Löwensaal sind nichts für Weicheier. Drinnen ist es schon während der Vorband so heiß und stickig, dass der Schweiß von der Decke tropft und wer sich am Bierstand an der falschen Seite anstellt, kommt mit etwas Glück im Unglück pünktlich zum Hauptact mit einem Plastikbecher Hopfenkaltschale zurück.

Alex Mofa Gang erreicht uns also nur aus der Ferne, doch die Berliner scheinen ihren räudigen Deutschpunkrock mit ordentlich Verve über die Rampe zu bringen. Da will sich Frank Turner freilich nicht lumpen lassen. Vom meist beschaulich folkrockigen Sound seiner Alben ist zunächst wenig zu spüren: Mit seiner hoch motivierten Stammband The Sleeping Souls im Rücken huldigt der 37-jährige Brite erst mal seiner Punkrock-Vergangenheit.

Obwohl die Lautstärke angenehm moderat ist, machen die vier ihrem Namen zum Trotz überhaupt keinen verschlafenen Eindruck, sondern servieren ihre Drei-Akkorde-und-die-Wahrheit-Hymnen mit reichlich rauem Druck und Tempo, während der Chef in schlichtem weißen Hemd und schwarzer Krawatte auf den Monitor-Boxen oder der Bassdrum herumturnt und sich alle Mühe gibt, seinem braven Äußeren mit überschäumender Wildheit zu spotten.

Schlichte Songs mit weltumarmenden Texten: Frank Turner. © Peter Roggenthin


Das U-30-Publikum zeigt sich von der ersten Minute an textsicher, sodass man als Nicht-Fan bald den Eindruck hat, einem Stammestreffen beizuwohnen, von dessen Ritualen man keine Ahnung hat. "Campfire Punkrock" hieß passenderweise die erste EP, die Frank Turner 2006 herausbrachte, und in gewisser Weise hat er damit bis heute sein eigenes Genre definiert: Harmonisch und rhythmisch äußerst schlichte Lieder mit großen, weltumarmenden, unter allen Umständen mitsingbaren Refrains und lebensnahen, oft zeitkritischen Texten, die vor allem einem Zweck dienen: Gemeinschaft stiften.

Das funktioniert am Lagerfeuer genauso wie im Löwensaal, wo Turner die Stimmung nach allen Regeln der Kunst aufpeitscht, nicht ohne in jeder seiner Ansagen mindestens fünfmal das Wort "fucking" unterzubringen – ein seiner ursprünglich geschlechtlichen Bedeutung beraubtes, universal einsetzbares Füllwort, welches jeder noch so banalen Bemerkung Nachdruck verleiht.

Was aber auch nichts daran ändert, dass seine Songs ziemlich austauschbar bleiben, ein catchy Gitarrenriff wie das im ungewöhnlich tanzbaren "Blackout" bleibt die Ausnahme – musikalische Raffinesse würde hier nur stören. 

PETER GRUNER

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