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Songs aus tiefster Seele

Wieder rockiger: Singer-Songwriterin Heather Nova im Nürnberger Löwensaal. - 30.10.2019 21:13 Uhr

Heather Nova ist auch mit 52 noch die mädchenhafte Singer-Songwriterin, die gut gelaunt, aber mit melancholischen Highlights ihre sehr persönlichen Songs vorstellte. © EPA/GEORGIOS KEFALAS, dpa


Dass das Publikum im längst nicht ausverkauften Nürnberger Löwensaal auf Stühlen sitzt, statt unmittelbar vor der Bühne zu stehen, irritiert die zarte Singer-Songwriterin anfangs sichtlich. Und vielleicht sind Stühle ja tatsächlich Stimmungskiller. Jedenfalls dauert es eine ganze Weile, bis es zwischen Heather Nova und den Zuschauern funkt. Dabei macht die Sängerin mit ihrer dreiköpfigen Band vom Start weg ordentlich Druck – und damit deutlich, dass sie 25 Jahre nach ihrem ersten Meilenstein "Oyster" mit dem neuen Album "Pearl" wieder in rockigen Gefilden angekommen ist.

Leider geht neben dem dominant und satt treibenden Schlagzeug von Che Albrighton zu Beginn der glasklare starke Gesang der Bermudianerin, die ihren Songs so treffsicher melancholische Highlights aufsetzt, etwas unter. Und auch die Textverständlichkeit leidet. Was bei Heather Nova besonders schade ist, schließlich lässt die jung gebliebene 52-Jährige viel von ihren persönlichen Erfahrungen in ihre Lieder einfließen.

Stücke wie "Safe a little piece of tomorrow" zum Klimawandel oder "The wounds we bled" über eine schmerzhafte Trennung lassen genauso tief ins Gefühlsleben der Musikerin blicken wie "Some things just come undone", das sie für ihren Sohn schrieb. Doch bei allem Tempo und aller Dynamik ist das musikalisch erst mal nicht sehr aufregend und fast ein bisschen gleichförmig. Der Mainstream ist da nicht weit entfernt. Doch das macht die Frontfrau an der akustischen Gitarre allein durch ihre Präsenz wett.

Heather Nova braucht wie ihre Mitmusiker – neben Che Albrighton die wunderbar unprätentiöse Berit Fridahl an der Stromgitarre und Bassist Alfons Lindner, der den Laden zuverlässig zusammenhält – keine große Show. Das macht die zarte Frau sympathisch, die am meisten mit ihren innigen Balladen überzeugt, für die sich der Bassist ans Cello setzt.

Und spätestens wenn zum Finale mit dem Hit "Walk this World" aus dem Oyster-Album die Zuschauer dann doch zur Bühne strömen, spürt man, wie wichtig es für Nova ist, dass das Publikum mitgeht. Sie strahlt genauso wie ihre beglückten Fans, unter denen erstaunlich viele nicht mehr ganz junge Männer sind. "Bei manchen Songs bekomme ich feuchte Augen", gesteht ein Mittfünfziger. So weit hat Heather Nova alles richtig gemacht.

BIRGIT NÜCHTERLEIN

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